Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Nach dem Rücktritt der Frauensprecherin des Obersten Rats der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) verspricht Präsident Ümit Vural mehr Posten für Frauen und mahnt zu mehr Frauen in Leitungsfunktionen und Moscheen. Vural reagiert nach dem Rücktritt mit einem Schuldeingeständnis: „Eines lässt sich nicht leugnen: In den politischen Entscheidungsgremien unserer Glaubensgemeinschaft sind Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Die Gleichbehandlung von Frauen in unseren Reihen ist bei weitem noch nicht verwirklicht.“ Mit diesem Vorhaben sei er angetreten. „Was verpasst wurde, gilt es nun nachzuholen.“ Konkret plant er, bis zur nächsten Sitzung des Schura-Rats, des Parlaments der IGGÖ, weitere Posten im Obersten Rat freizumachen. Das könne aber nur ein erster Schritt sein, so Vural. Vural nützt seine Botschaft auch zu einer Mahnung „an die Herren in der IGGÖ": „Geschlechterungleichheit ist eine Tatsache, die in unserer Gemeinschaft noch nicht überwunden ist.“ Man müsse daher mehr Frauen in der Leitung und Administration einsetzen. Denn, so Vural, „wir dürfen uns nicht weiter der Hälfte unseres Potenzials berauben“. (diepresse.com v. 12. 6.)

 

Der türkische Angriff auf die Sinjar-Berge – eine jesidische Wohngegend an der Grenze zwischen dem Irak und Syrien – hat auch bei den Christen in der autonomen kurdischen Region im nördlichen Irak für negative Reaktionen gesorgt. Im Gespräch mit italienischen Journalisten sagte P. Samir Al-Khoury, Pfarrer des Städtchens Enishke im Bezirk Amadia: „Die Türken haben fertiggebracht, was nicht einmal den IS-Terroristen gelungen ist: Das jesidische Heiligtum des Scheich Chilmira auf dem mit 1.463 Metern höchsten Punkt des Gebirgszugs zu treffen“. Außerdem sei auch das Flüchtlingslager Makhmour beschossen worden, wo jesidische Vertriebene leben. Die römisch-katholische Kirche im Bezirk Amadia bemühe sich darum, die jesidischen Vertriebenen zu unterstützen: „Es hat sich eine Atmosphäre der Freundschaft und des Dialogs herausgebildet, die viele Zeugnisse des Guten und der Versöhnung hervorbringt“, so der Pfarrer von Enishke. (pro oriente u. vn v. 16. 6.; JA v. 28. 6.)

 

Mouhanad Khorchide, Islamwissenschafter an der Universität Münster, fordert einen Islam der Gleichberechtigung: Musliminnen sollen Imaminnen werden, in Moscheen predigen und so wie die Männer auch interreligiös heiraten dürfen. Nach dem Rücktritt von Frau Fatma Akay-Türker als Frauensprecherin im Obersten Rat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), hofft Khorchide auf tiefgreifende Reformen in der IGGÖ. Sein Interview im „Der Standard“ in Auszügen: „Dass ausgerechnet die Frauensprecherin der IGGÖ das Handtuch wirft und der IGGÖ vorwirft, sich für die Anliegen von Frauen kaum zu interessieren, ist alarmierend, denn die Kritik kommt diesmal nicht von außen, sondern von innen, und zwar von der Person, die die Innenverhältnisse sehr gut kennt. Die Kritik von Frau Akay-Türker muss daher ernst genommen werden. […] Ich appelliere an die Verantwortlichen in der IGGÖ, aber auch an alle Involvierten, sich auf die Inhalte der Kritik von Frau Akay-Türker zu konzentrieren und die Debatte nicht zu personifizieren. Denn es geht hier vor allem um die Rechte der muslimischen Frauen innerhalb der muslimischen Gemeinde. [… Wir haben] im Islam weder eine Kirche noch ein Lehramt, die Frauen vorschreiben, was sie tun müssen. Es sind aber die patriarchalisch eingestellten Männer, die die Frauen in die hinteren Reihen verbannen wollen. […] Wenn gerade aus den eigenen Reihen […] so eine heftige Kritik kommt, dann gibt dies doch Hoffnung, dass Reformen in Sicht sind. Denn die besten Reformen sind diejenigen, die von innen kommen und von den eigenen Anhängern getragen werden. […] Frauen sollten in den Moscheen keineswegs in separaten Räumen beten, wo sie nicht einmal den Vorbeter oder den Prediger sehen. Frauen sollten auch nicht mehr hinter den Männern beten, man kann stattdessen die Moscheen in zwei nebeneinander liegende Teile unterteilen, rechts die Männer und links die Frauen oder umgekehrt. Man muss sich von allen sexistischen Argumenten verabschieden. […] Frauen sollten zumindest die Möglichkeit bekommen, in Moscheen vor Männern zu predigen und zu unterrichten. Weder im Koran noch in der prophetischen Tradition finden wir Belege, die den Frauen absprechen würden, als Imamin zu arbeiten, im Gegenteil, es gibt eine Reihe an anerkannten Gelehrten, die sich auf den Propheten selbst berufen, der eine Frau zur Imamin vor Männern gemacht hat. […] Stellen im Koran, die die Männer für die Frauen verantwortlich sehen bzw. den Männern sogar erlauben, Frauen zu schlagen (Koran 4:34) oder den Männern das Doppelte am Erbe zusagen als den Frauen (Koran 4:11), müssen unbedingt in ihrem historischen Kontext gelesen und verortet werden. Für uns heute gelten solche Regelungen keineswegs mehr. Das Thema interreligiöser und interkultureller Heirat muss auch dringend innerislamisch diskutiert werden. Bislang dürfen nur Männer nichtmuslimische Frauen heiraten, aber nicht umgekehrt, dabei steht nichts im Koran, was Frauen verbieten würde, einen Nichtmuslimen zu heiraten. Und gerade dieses Thema betrifft immer mehr junge Musliminnen. Es gibt eine Reihe an [weiteren] Themen, die dringend innerislamisch diskutiert werden müssen, dazu gehören ein innerislamisches Verbot von Kinderkopftuch, das Recht der Frau auf Selbstbestimmung, wen sie heiraten will, egal welcher Religion oder Weltanschauung er angehört, was sie studieren will, was sie arbeiten will und so weiter. […] Immer mehr Frauen sollten sich in theologische Fragen einbringen. In allen Gremien der IGGÖ sollte eine Frauenquote [50:50 als „Ziel“] eingeführt werden“, so Khorchide im Interview. (www.derstandard.at v. 16. 6., Die Furche v. 25. 6.)

 

Die chaldäische Christin Eva Yakoub Jabro wird neue irakische Flüchtlingsministerin. Die 39-jährige Mikrobiologin hat sich durch ihre besondere Aufmerksamkeit für soziale Notfälle insbesondere unter jungen Menschen hervorgetan, berichtete der vatikanische Pressedienst „Fides“. Bei der jüngsten Parlamentswahl 2018 hat sie sich als Kandidatin für einen der fünf Sitze beworben, die nach dem „Quoten-System“ christlichen Minderheiten vorbehalten sind. Jabro ist die einzige Christin im 22-köpfigen Kabinett des seit Anfang Mai amtierenden neuen Premiers Mustafa al-Kadhimi. Ihre Aufgabe an der Spitze des Ministeriums für Migration und Binnenvertriebene ist anspruchsvoll. Unter ihnen sind auch zehntausende Christen, die 2014 vor den IS-Dschihadisten aus Mosul und der Provinz Ninive geflohen sind. Die meisten der Geflüchteten fanden Zuflucht in Erbil und in der Region Kurdistan. (JA v. 21. 6.)

 

Mit einem interreligiösen Gebet wollen die Glaubensgemeinschaften in Venezuela für ein Ende der Pandemie beten. Mario Moronta, Bischof von San Cristóbal und Vizepräsident der Bischofskonferenz von Venezuela, erläutert im Gespräch mit Radio Vatikan den Zweck der Initiative: „Wir alle sind Mitglieder der Menschheitsfamilie, und alle glauben wir an Gott. Also müssen wir nicht nur mit dem Gebet und dem Lobpreis des Herrn, sondern auch mit der tätigen Nächstenliebe voller Solidarität, Gerechtigkeit und Einsatz für die Gesundheit und die ganzheitliche Entwicklung der gesamten Gesellschaft alle zusammenarbeiten. Welcher Religion auch immer wir angehören, wir sind Geschwister und gehören zur selben Familie! […] Es ist nötig, einen neuen Lebensstil zu denken und vorzubereiten. Eine […] Herausforderung liegt bei der Kirche, einer Kirche, die näher am Volk sein muss, näher am Geruch des Volkes, wie Papst Franziskus sagt.“ (vn v. 24. 6.)

 

50 Tonnen medizinisches Material sind auf dem Weg nach Amazonien, das von der Coronavirus-Epidemie besonders stark betroffen ist. Die Initiative ist Frucht der Zusammenarbeit des vatikanischen Dikasteriums für das katholische Bildungswesen und des Bildungsministeriums der Vereinigten Arabischen Emirate. Dank der neuen christlich-muslimischen Initiative, die Betroffenen des Corona-Virus zugutekommen soll, wird das Material von Lima aus nach Iquitos transportiert werden. Die im Indigenengebiet am Amazonas gelegene Stadt mit rund 400.000 Einwohnern ist eines der Zentren der Corona. Unterstützt wird die Initiative durch die Päpstliche Stiftung „Gravissimum Educationis“ der Bildungskongregation. Gestiftet wurden die Materialien durch den Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohamed bin Zayed. „Ganze Völker sehen sich nicht nur der Pandemie, sondern auch der Armut gegenüber, die die Einschränkungen noch verstärkt hat“, betont Guy-Réal Thivierge, Generalsekretär der Vatikan-Stiftung. (vn v. 25. 6)

 

Der Vatikan hat ein „Direktorium für die Katechese“ veröffentlicht, ein überarbeitetes Regelwerk für den Glaubensunterricht. Drei Prinzipien werden genannt: Glaubenszeugnis, Barmherzigkeit als „Leitmotiv“ und Dialog. Das Handbuch gibt dem Thema Familie breiten Raum: Sie sei der natürliche Ort, um den Glauben zu leben. Hier lasse sich der Glaube „eher bezeugen als lehren“. Was irreguläre Ehe- und Familienkonstellationen betrifft, rät das Handbuch – ganz im Stil des Papstschreibens „Amoris Laetitia“ – zu Respekt, Zuhören und Nähe, und nicht zu einer Haltung des Verurteilens. Die Katechetinnen sollten nicht die Augen vor dem kulturellen Pluralismus unserer Zeit verschließen. Und wichtig sei schließlich der ökumenische Impetus der Katechese: „Sie sollte das Verlangen nach der Einheit wecken!“ Das Handbuch rät zum Dialog mit dem Judentum und mit dem Islam: Vereinfachungen und Stereotype seien zu vermeiden. (vn v. 25. 6.)

 

In einer Ansprache an eine christliche Gruppe hat der indische Premierminister Narendra Modi versichert, dass seine Regierung „Menschen anderen Glaubens nicht diskriminiert“. Modi sprach in einer Videobotschaft anlässlich des 90. Geburtstags von Metropolit Joseph Mar Thoma, dem Oberhaupt der in Kerala ansässigen Syrischen Mar-Thoma-Kirche. „Wir lassen uns von dem Wunsch leiten, 1,3 Milliarden Inder zu stärken. Unser Leitbild ist die Verfassung Indiens“. Er lobte den Beitrag der Christen zur Nation im Allgemeinen und der Mar-Thoma-Kirche im Besonderen: Metropolit Joseph Mar Thoma habe „sein Leben dem Wohl unserer Gesellschaft und Nation gewidmet“. Er habe sich besonders leidenschaftlich für die Beseitigung der Armut und die Stärkung der Rolle der Frauen eingesetzt. „Mit diesem Geist der Demut hat die Mar-Thoma-Kirche daran gearbeitet, einen positiven Unterschied im Leben unserer indischen Mitbürger zu bewirken. Sie hat dies in Bereichen wie dem Gesundheits- und Bildungswesen getan“, betonte Modi. Christliche Vertreter jedoch sagen, dass die gewalttätigen Vorfälle seit Antritt der Regierung Modi im Jahr 2014 zugenommen haben. (ucanews u. vn v. 28. 6.)

 

Positive Nachrichten kommen aus dem Punjab (Pakistan). Die Provinzregierung hat erstmals den Zugang von Christen an Universitäten geregelt: Das beschlossene Gesetz sieht eine 2%-Quote für Nichtmuslime vor. Vertreter der christlichen Minderheit [in Pakistan ca. 1,6% laut Wikipedia] begrüßten diese Regelung. Die parlamentarische Sekretärin für religiöse Angelegenheiten und interreligiöse Harmonie, Shunila Ruth, forderte die anderen Provinzen auf, dem Beispiel von Punjab zu folgen. (Christen in Not 6/2020)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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