Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die Kultur- und Jugendministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura Al Kaabi, kritisierte die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee und betonte, die Kulturschätze der Menschheit – wie die Hagia Sophia – müssten „in ihrem Wert und in ihrer Funktion“ bewahrt werden, sie dürften nicht „unpassend“ verwendet oder für „persönliche Zwecke instrumentalisiert“ werden. Die Entscheidung der türkischen Politik betreffe zutiefst die ganze Menschheit, weil es sich bei der Hagia Sophia um eine UNESCO-Welterbe-Stätte von „außerordentlichem Wert für alle Völker und Kulturen“ handle. Die Hagia Sophia sei „eine Brücke zwischen unterschiedlichen Menschen, […] ein wichtiges Beispiel der Interaktion und des Dialogs zwischen Asien und Europa und sollte ein harmonisches Zeugnis menschlicher Geschichte bleiben“. (JA v. 2. 8.)

 

In der neuen Hauptstadt Ägyptens „Neu-Kairo“ darf die koptisch-orthodoxe Kirche ein Waisenhaus und die römisch-katholische Kinderklinik „Bambino Gesu“ eine Filiale ihres Kinderkrankenhauses errichten. Beide Vorhaben wurden in Kairo in der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate präsentiert. Dabei wurde betont, dass diese Einrichtungen Früchte der unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ darstellen. Diese wurde von Papst Franziskus und dem Ahmed al-Tayyeb, dem Großimam von der Kairoer Al-Azhar-Universität, am 9. Februar 2019 unterzeichnet. Diese Kinderklinik ist die erste koptisch-katholische medizinische Einrichtung in Neu-Kairo. (JA v. 9. 8.)

 

Der geplante Wiener „Campus der Religionen“ in der Seestadt Aspern nimmt Gestalt an: Nach der 2015 erfolgten Grundstücksschenkung durch die Stadt Wien wurde jetzt der Siegerentwurf des Campus vorgestellt. Ziel sei ein Ort, wo das konkrete Miteinander und der Austausch der acht beteiligten Religionsgemeinschaften „auf Augenhöhe“ möglich wird, betonten Bürgermeister Michael Ludwig und Kardinal Christoph Schönborn bei einem Pressetermin im Wiener Rathaus. Der „Campus der Religionen“ sei ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung, „unabhängig von der Anzahl der Gläubigen oder der Größe der Kirche“, betonte Kardinal Schönborn. Die acht geplanten Sakralbauten in einem einzigen Campus nannte der Wiener Erzbischof eine „Einladung zur religiösen Erfahrung“. Sie zeigten, dass es möglich sei, ein „gemeinsames Dach der Religionen“ zu finden, ohne die Eigenheiten der jeweiligen Religionsgemeinschaften zu nivellieren. An dem Pressetermin nahmen auch Vertreter der evangelischen, der griechisch-orthodoxen und der neuapostolischen Kirche, der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), der Buddhistischen Religionsgesellschaft, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien sowie der Sikh-Kultusgemeinde teil. Als Friedensprojekt in Wien bezeichnete Architekt und Baudirektor der Erzdiözese Wien Harald Gnilsen den „Campus der Religionen“. Bezeichnend dafür sei auch der Entstehungsprozess, in den sich alle beteiligten Religionsgemeinschaften eingebracht hätten. Ähnlich auch Rabbiner Michael Totolov: „Dieses Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass sich alle Religionsgemeinschaften als eine Einheit in einem Campus zusammenfinden.“ Für die griechisch-orthodoxe Kirche in Wien sei der Campus die Möglichkeit, einen neuen Seelsorgeraum zu eröffnen, meinte der orthodoxe Priester Athanasius Buk. Die acht Sakralbauten werden ergänzt von einer Bildungseinrichtung der interreligiös ausgerichteten Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems. (kap u. vn v. 12. 8.; JA v. 23. 8.)

 

Ranghohe Vertreter der christlichen Kirchen, des Judentums und des Islam haben in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gemeinsam für ein Ende der politischen Krise gebetet. Sie trafen sich in der Kirche Sankt Simon und Sankt Helena am Unabhängigkeitsplatz, auf dem jüngst mehr als 100.000 Menschen für den Rücktritt von Staatspräsident Alexander Lukaschenko demonstriert hatten. Der römisch-katholische Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz sagte, die Weißrussen sollten Brüder und Schwestern sein. Der orthodoxe Minsker Metropolit Pawel hatte Lukaschenko zunächst zur Wiederwahl gratuliert. Danach besuchte er dann jedoch in einem Krankenhaus Patienten, die von Polizisten bei den Demonstrationen schwer verletzt worden waren, und forderte eine „gerechte Untersuchung der Straftaten". Alle die Kirchenführer riefen zu Frieden und Dialog auf. (kap u. kna u. vn v. 19. 8.)

 

Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, ist am 22. August von einem Unbekannten mit einem Holzprügel attackiert worden. „Die wiederholten Angriffe auf die Grazer Synagoge erschrecken mich. Mein erster Gedanke gilt Herrn Rosen", twitterte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. „Antisemitismus darf nie mehr Platz finden in Österreich!" Ähnlich äußerte sich auf Twitter der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vura: „Antisemitismus und Hetze haben keinen Platz in unserer Gesellschaft! Meine volle Solidarität gilt der jüdischen Gemeinschaft." Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka sagte dem Evangelischen Pressedienst, der Angriff sei „schändlich und zu verurteilen", ebenso wie die Vandalen-Akte auf die Synagoge der steirischen Landeshauptstadt in den Tagen zuvor. Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, betonte in einer Aussendung: „Die beste Antwort auf Antisemitismus ist das Zelebrieren jüdischen Lebens und jüdischer Kultur.“ (kap u. vn v. 23. 8.)

 

Eine Delegation der italienischen Bischöfe hat dem Papst die erste Ausgabe des überarbeiteten Messbuchs übergeben. Papst Franziskus dankte dem Vorsitzenden Kardinal Gualtiero Bassetti für die geleistete Arbeit. Dieser betonte, man habe sich bemüht, den Text „in theologischer, pastoraler und stilistischer Hinsicht“ zu verbessern. Das neue italienische Messbuch wird in den kommenden Wochen an alle Bischöfe und Pfarreien des Landes verschickt und wird ab Ostersonntag 2021 obligatorisch. Eine vieldiskutierte Änderung betrifft das Vaterunser: Die Bitte „führe uns nicht in Versuchung“ lautet in der offiziellen Fassung künftig „überlasse uns nicht der Versuchung“. Als Grund für die neue Übersetzung hatten Experten eine Bedeutungsverschiebung genannt. Dass Gott „uns irgendwie eine Falle stellt“, sei „eine absolut nicht hinnehmbare Vorstellung“, so der Theologe und Erzbischof Bruno Forte. (kap u. vn v. 29. 8.)

 

In der Corona-Pandemie hat sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf für ökumenische Gottesdienste zu Weihnachten ausgesprochen. „Wir überlegen, ob und wie wir in großer Öffentlichkeit durchaus auch ökumenisch Weihnachten feiern können", sagte er der „Allgemeinen Zeitung". „Anders als zu Ostern, können wir jetzt besser planen. Und ich fände es gut, wenn beide christliche Kirchen gemeinsam in die Öffentlichkeit treten.“ (dpa und www. sueddeutsche.de v. 29. 8.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zum vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbot für Homosexuelle haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche eine Unterschriftenliste von 200 Menschen an Bischof Helmut Dieser und Birgit Mock übergeben, den beiden Vorsitzenden des Synodal-Forums „Sexualität und Partnerschaft“. „Wir verbinden damit die Erwartung, dass gleichgeschlechtliche liebende Paare künftig nicht nur die Möglichkeit einer kirchlichen Segnung erhalten, sondern volle Anerkennung erfahren", sagte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose bei der Übergabe im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den Unterstützern sind Priester, Ordensleute, Theologen, Seelsorger sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, weiterhin homosexuelle Paare zu segnen. (sz.de v. 28. 3.)

     

  • Paul Jacques Marie Desfarges, der Erzbischof von Algier, hat die Geschwisterlichkeit am Osterfest betont und sieht darin eine Chance für den interreligiösen Dialog. In einem Brief an seine Diözese stellt er eine Verbindung zwischen Ostern und der Irak-Reise des Papstes im März 2021 her: Jesus Christus habe sich allen „zum Bruder gemacht“, Gott selbst sei „unser geschwisterliches Band mit allen Menschen“. Der Papst habe bei seiner Irak-Reise auf diese Bedeutung der Geschwisterlichkeit in Ur, der Ursprungsstadt Abrahams, hingewiesen, „indem er zu seinen Brüdern der verschiedenen muslimischen Konfessionen, der großen schiitischen und sunnitischen Traditionen und der verschiedenen Minderheiten, der Jesiden, Mazdäer, Sabäer und anderen“ gegangen sei. Desfrages wies darauf hin, dass dies auch die Berufung der algerischen Kirche sei. Ein besonderer Moment, um diese Geschwisterlichkeit zu leben, sei der Fastenmonat Ramadan (13. 4. – 12. 5.): „Diese Zeit der spirituellen Erneuerung für unsere muslimischen Brüder und Schwestern ist eine Gelegenheit, uns mit unseren Herzen mit ihren Gebeten zu verbinden.“ (vn v. 3. 4.)

     

  • Zum ersten Mal seit 1983 ändert ein Papst das kirchliche Gesetzbuch „Codex Iuris Canonici“ (CIC) substantiell. [P. W.: 1983 bis 2017 gab es nur unwesentliche Änderungen.]: Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, als Lektorinnen oder Akolythinnen im Altarraum einen offiziellen Dienst zu tun, streicht Papst Franziskus ein Wort, und zwar: „männlich“: Somit beginnt der Satz in CIC c. 1024 jetzt nur mehr mit „Laien, die das Alter und die Begabung haben…“  [P. W.: Es gäbe noch zahlreiche Stellen des CIC, wo „männlich“ bzw. „Mann“ gestrichen werden sollte!] (Wir-sind-Kirche-Zeitung Nr. 109/2021)

     

  • Die Schweizer Kirchen starten ab Ostern mit einer neuen Initiative: Auf www.lichtschenken.ch kann man virtuell Lichter anzünden und so ein Lichtermeer der Solidarität bilden. Ökumenisch gemeinsam veröffentlichen die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz dafür eine dreisprachige Gedenkseite. Die Pressesprecherin der SBK, Encarnación Berger-Lobato, dazu im Gespräch mit Radio Vatikan: Wegen Corona „war es der SBK und anderen christlichen Kirchen wichtig, eine ökumenische Solidaritätsaktion zu starten und so ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen. […] Diese Kerzen werden uns vom Karsamstag bis zum Pfingstmontag begleiten und uns immer wieder daran erinnern, dass Jesus Christus das Licht in unserem Leben ist und dass nicht der Tod die Pandemie besiegen wird, sondern das Leben und die Hoffnung.“ Was von vornherein klar war: Es sollte ein ökumenisches Projekt sein. Für Rita Famos, Präsidentin der EKS, ist es wichtig, das Osterlicht, das das Leben symbolisiert, weiterzugeben. „Lichtschenken.ch wird eine ganz andere Art von Corona-Demonstration sein: Eine Demonstration unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.“ (vn v. 3. 4.)

     

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