Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die Christinnen und Muslimas in Deutschland setzen aufs gemeinsame Tun: Zuerst wird beim Karlsruher Religionsdialog das Vaterunser gebetet, dann werden Koransuren vorgetragen, sagt Annette Bernards von der Dialoginitiative Christlich-Islamischen Gesellschaft Karlsruhe (CIGK). „Früher, da war es ganz schwierig, wie man ein gemeinsames Gebet gestaltet“, blickt Annette Bernards im Interview mit Radio Vatikan auf den Beginn der CIGK 1995 zurück. Bei den Friedensgebeten sei das jetzt anders. „Da wird das Vaterunser gebetet, das ist den Muslimen inzwischen vertraut, und wir hören die Koransuren, die gesungen werden. Das ist sehr viel unkomplizierter geworden und auch ein Stück weit mutiger auf beiden Seiten. Annette Bernards leitet gemeinsam mit der gebürtigen Tunesierin Najoua Benzarti die CIGK. Auch Benzarti, die seit 37 Jahren in Deutschland lebt, spricht über viele heute gemeinsame Selbstverständlichkeiten: Ob gemeinsam Kochen oder Fußballspielen, Konferenzen organisieren oder jährlich die städtischen Anti-Rassismus-Wochen gestalten – gemeinsames Tun gehöre heute dazu, so Benzardi: „Wir haben im Rahmen des christlich-muslimischen Dialoges hier in Karlsruhe nachhaltige Traditionen gewonnen.“ Was die Glaubenstraditionen und das Beten betrifft, geht es weder um Missionierung noch darum, die Religionen zu vermischen. Das werde bei der Gestaltung gemeinsamer Gebetsveranstaltungen deutlich. Manchmal würden auch Texte der Friedenstreffen von Assisi gesprochen, ergänzt Benzarti, „eine Bereicherung!“ Und Annette Bernards berichtet: „Es geht sehr oft um den Vergleich von Bibel und Koran, dass wir zum Beispiel Propheten aussuchen und fragen: Kommen die im Koran auch vor? Was haben die gemeinsam, was nicht. […] Auch gemeinsame Ausflüge in Moschee- oder Kirchengemeinden und in eine Synagoge werden organisiert. […] Das ist der Vorteil, dass wir offen für alle Frauen sind, egal, ob sie schiitisch oder sunnitisch, gläubig oder nicht gläubig, evangelisch oder katholisch sind.“ Bestes Beispiel dafür sind die Leiterinnen der CIGK selbst: Die Islamwissenschaftlern Benzarti studierte VWL und ist Mitglied im Migrationsbeirat in Karlsruhe für den Bereich Kultur und interreligiösen Dialog. Die CIGK bemüht sich auch um interregionale Vernetzung und ist Mitglied im Dachverband „Koordinierungsrat des christlich-islamischen Dialogs". (vn v. 2. 2.)

 

In Frankreich will sich die römisch-katholische Kirche stärker gegen Antisemitismus engagieren: Zum ersten Mal hat sich der Ständige Rat der Bischofskonferenz mit dem französischen Großrabbiner Haïm Korsia und dem Präsidenten des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich, Francis Kalifat, getroffen. Die Bischöfe übergaben ihren Gesprächspartnern eine Erklärung, in der sie sich zu einem stärkeren Engagement gegen Antisemitismus und Antijudaismus verpflichten. Zwischen 2018 und 2019 sind in Frankreich antisemitischen Vorfälle von 541 auf 687 gestiegen. (vn v. 2. 2.)

 

Christen und Muslime haben seit dem Dokument der Geschwisterlichkeit, das Papst Franziskus und der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Achmed al Tayyeb, 2019 in Abu Dhabi unterzeichneten, eine neue Grundlage für ihren gemeinsamen Einsatz in der Welt. Darin stimmen der römisch-katholische Missionswissenschaftler Brunetto Salvarani und der muslimische Theologe Adnane Mokrani überein. Mokrani ist Professor für Islamwissenschaft und islamisch-christliche Beziehungen an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Er sieht in dem Dokument für Geschwisterlichkeit „eine Art Fahrplan für den interreligiösen Dialog, die islamisch-christlichen Beziehungen und die Zukunft der Menschheit." Salvarani, Missionswissenschaftler an der Theologischen Fakultät der Modena-Emilia-Romagna-Universität, meinte, dieses Dokument „ist ein wirklich qualitativer Sprung in der Arbeit des Dialogs, und zwar nicht nur auf der Ebene des christlich-islamischen Dialogs“. Und Mokrani meinte: Das Dokument habe „sicherlich einen klaren, gemeinsamen und teilbaren Diskurs angeboten, einen Plan, den wir gemeinsam umsetzen können, als eine interreligiöse Mission. [… Aber wir] müssen gemeinsam überlegen, was konkret getan werden kann, um dieses Dokument einzulösen.“ In Abu Dhabi habe man gemeinsam daran erinnert, dass Gott „alle Menschen mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleicher Würde geschaffen und sie dazu berufen hat, als Brüder und Schwestern miteinander zusammenzuleben“. Dieses Zitat aus dem Abu-Dhabi-Dokument in der Enzyklika „Fratelli tutti“ sei in der muslimischen Welt aufmerksam registriert worden. Es sei „sehr wichtig und eine große Ehre, Imam Al-Tayyeb als Dialogpartner, als Freund und Inspirationsquelle Glaubwürdigkeit zu verleihen." (vn v. 3. 2.)

 

Papst Franziskus wird im Irak vom 5. bis 8. März 2021 mit einigen Führerpersönlichkeiten der Schiiten zusammentreffen. Die erstmalige Begegnung mit hohen Islamvertretern in dem Krisenland könnte eine enorme Signalwirkung entfalten, betonte der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Louis Raphael Sako, im Vorfeld. Die persönliche Begegnung mit dem schiitischen Großayatollah Ali al Sistani ist für den zweiten Besuchstag am 6. März in der schiitischen „Heiligen Stadt“ Nadschaf geplant. Kardinal Sako hatte dafür plädiert, dass Papst Franziskus mit al-Sistani ein ähnliches Dialog-Dokument promulgiert, wie er es am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi getan hatte. Doch darüber sagt das Programm nichts. Im Anschluss an die Begegnung mit al-Sistani fliegt der Papst nach Ur, um dort an einem interreligiösen Treffen teilzunehmen. Vor dem Gebet für Kriegsopfer in Mossul trifft der Papst in der kurdisch-irakischen Hauptstadt Erbil mit religiösen und zivilen Vertretern zusammen. Höhepunkt am Nachmittag ist eine Messe im „Franso Hariri“-Stadion. (vn v. 8. 2.)

 

In Sri Lanka haben an einem Protestmarsch gegen die Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten religiöse Führer aller großen Religionen, Aktivisten und Menschenrechtler teilgenommen. Der „Marsch für Gerechtigkeit“ dauerte vom 3. bis 7. Februar. Die Demo konzentrierte sich auf die zunehmende Militarisierung, die Freilassung politischer Gefangener, die Aufklärung des Schicksals von Vermissten und die Untersuchung von Kriegsverbrechen. Muslime kritisierten unter anderem die im Islam verbotene Einäscherung. Während des 26jährigen Krieges, der 2009 mit einem Sieg der Armee über tamilische Rebellen endete, wurden tausende von Menschen getötet oder verschwanden spurlos. (ucanews u. vn v. 8. 2.)

 

Aus Sicht des Darmstädter Rabbiners Jehoschua Ahrens gibt es im christlich-jüdischen Dialog noch viel zu tun. Ahrens in einem Interview der KNA: „Jüdisches Leben wird mit seinen Inhalten besser wahrgenommen. Mittlerweile tragen Juden mehr zum Dialog bei. […Das Bewusstsein soll gefördert werden,] dass die Religionen bei der Stärkung einer demokratischen, pluralen und toleranten Gesellschaft sehr viel beitragen können. Das würde auch gegen Antisemitismus, Rassismus und Populismus helfen.“ Ahrens äußerte sich im Zusammenhang mit der gestarteten Kampagne der beiden großen deutschen Kirchen mit dem Titel „#beziehungsweise: jüdisch und christlich - näher als du denkst“. (kna u. vn v. 9. 2.)

 

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate legt großen Wert auf ihre Politik der religiösen Toleranz und auf das friedliche Zusammenleben von Menschen im Land. Dass sich dies auch in der Praxis auswirkt, bestätigt Bischof Paul Hinder, der Apostolische Vikar für Südarabien mit Sitz in Abu Dhabi und kirchlich zuständig für die Emirate, den Oman und Jemen. Auf Nachfrage der KNA beschrieb Hinder die kirchlichen Entwicklungen, die sich den Impulsen des interreligiösen „Dokuments über die menschliche Geschwisterlichkeit“ von 2019 verdanken. Als erstes nannte er das angenehmere öffentliche Klima den Kirchen gegenüber. Auch die rechtliche Absicherung der kirchlichen Arbeit habe sich verbessert. Das Projekt der Geschwisterlichkeit aller Menschen sei in den Emiraten in den schulischen und universitären Unterricht eingebracht worden. Vermehrt wurden von der Regierung interreligiöse Gespräche organisiert. Die regionalen Medien zeigten ebenfalls verstärkt Interesse an der kirchlichen Arbeit. Ein aufwändiges Prestigeprojekt der Regierung sei das geplante „Haus der Abrahamitischen Familie“ („Abrahamic Family House“). Es umfasst ein großzügiges Gebäudeensemble mit Moschee, Kirche und Synagoge. (kna u. vn v. 10. 2.)

 

Der irakische Geistliche und Politiker Muqtada Al-Sadr – früher Milizenführer gegen die US-Streitkräfte – hat Widerstände gegen den vom 5. bis 8. März stattfindenden Besuch von Papst Franziskus im Irak zurückgewiesen. „Offenheit gegenüber anderen Religionen ist eine gute Sache" schrieb der Schiitenführer auf Twitter. Der Papstbesuch „im Irak wird begrüßt, und mehr noch als unsere Türen sind unsere Herzen offen für ihn“. Es wäre der erste Papstbesuch im mehrheitlich muslimischen Irak. Vorgesehen ist unter anderem ein Abstecher in die schiitische „Heilige Stadt“ Najaf. Diese sei „Hauptstadt der Religionen“, schrieb Al-Sadr, daher sei Papst Franziskus „als Friedensfreund willkommen". In Najaf will das Kirchenoberhaupt u. a. mit dem gemäßigten schiitischen Großayatollah Sayyid Ali al-Husayni al-Sistani zusammentreffen. Am 8. März wird Papst Franziskus in Erbil eine Messe feiern. Darüber hinaus besucht er Ur, Mosul und die christliche Stadt Karakosch in der Ninive-Ebene. (kap u. vn v.15. 2.)

 

In Samannoud, das antike Sebennytos im östlichen Nildelta, ist eine christliche Gedenkstätte eröffnet worden: An diesem Ort soll die Heilige Familie auf ihrer angeblichen Flucht nach Ägypten zum ersten Mal gerastet haben. Die Berichte über Wundertaten an den Rast-Orten gelangten über die Apokryphen in den Koran. Heute gibt es 31 Kirchen/Kapellen, 8 Grotten, 18 Quellen oder Brunnen sowie 13 Bäume, wo sich das Jesuskind aufgehalten haben soll. Für das Projekts „Jesus und seine Familie“ sollen alle Erinnerungsstätten ausgebaut und durch einen Pilgerweg verbunden werden. Einen solchen Pilgerweg hatte es bereits im 13. Jhdt. gegeben. Später geriet er in Vergessenheit, doch blieben die einzelnen Erinnerungsstätten erhalten. Das ägyptische Ministerium für Fremdenverkehr hat für die Kirchenrenovierung, das Pilgerhospiz und das Marien-Museum in Samannoud rund 400.000 Euro beigesteuert. (kna u. vn v. 17. 2.)

 

Die römisch-katholische Kirche Spaniens will die Aufmerksamkeit für den religiösen Pluralismus fördern und die Beziehungen zu anderen Konfessionen und Religionen verstärken. Eine Online-Konferenz darüber wurde von einer Kommission der spanischen Bischofskonferenz organisiert, die sich mit den Beziehungen zu anderen Kirchen und Religionen beschäftigt. Leiter der Kommission ist Bischof Adolfo González Montes aus Almería. Bei der Online-Konferenz war zeitweise auch Erzbischof Pierbattista Pizzaballa zugeschaltet, der Lateinische Patriarch von Jerusalem. Er informierte die Teilnehmer über die Rezeption des katholisch-islamischen Dialogpapiers über die „universelle Geschwisterlichkeit der Menschen“ [Abu Dhabi 2019] in der islamischen Welt. (vn v. 23. 2.)

 

In Jubeiha, etwa 10 Kilometer nordwestlich von Amman (Jordanien), wurde eine neue Kirche für 1.000 Messbesucher gebaut. Bischof William Shomali, seit 2017 Vikar des Lateinischen Patriarchats von Jordanien, feierte am 14. Februar eine Messe in der neuen Kirche „St. Paulus der Apostel“. In Jubeiha, leben heute etwa 1.200 Familien, die dem lateinischen Ritus folgen. Die Idee, in Jubeiha eine Pfarrei zu gründen, hatte Pfarrer Labib D'Aibes 1984, als er sah, dass die aus 200 Familien bestehende christliche Gemeinde in stetem Wachstum begriffen war. Der Bau einer Pfarrschule führte zu einem weiteren Anstieg der Zahl der Christen. Auch christliche Flüchtlinge aus anliegenden Ländern vergrößerten die Gemeinde. Die neue Kirche ist nun für die Seelsorge von 12.000 Christen zuständig. Der Islam ist die Staatsreligion im haschemitischen Königreich. 92 Prozent der Bevölkerung sind sunnitisch, acht Prozent christlich. (vn v. 24. 2.)

 

Der Judaist und Schweizer Jesuitenprovinzial Christian Rutishauser wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für jüdische Elemente der römisch-katholischen Messfeier. Im Gespräch mit dem Portal kath.ch bedauerte er, dass nur das Alte Testament als Brücke zum Judentum in der Liturgie gesehen werde. „Dabei besteht das Neue Testament auch aus jüdischen Geschichten“, so Rutishauser am „Tag des Judentums“ am zweiten Fastensonntag. „Der Tag des Judentums ist kein weiterer Gedenktag. Es ist ein Sonntag, bei dem wir Katholikinnen und Katholiken im Gottesdienst bewusst feiern, wie stark wir mit dem Judentum verbunden sind“. Konkret verweist er auf zwei Segenssprüche während der Gabenbereitung. „Ich finde es schade, dass dieses jüdische Gebet oft vom Gemeindegesang oder von einem Orgelspiel übertönt wird.“ Seit 2014 gehört P. Rutishauser der der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum an und ist damit einer der ständigen Berater von Papst Franziskus in jüdischen Fragen. (kath.ch u. kna u. vn v. 28. 2.)                   

                                                                

In Indonesien sollen Islamisten künftig aus dem Staatsdienst entfernt werden. Betroffen sind Anhänger und Unterstützer islamistischer Vereinigungen wie „Islamische Verteidigungsfront" und „Hizb ut-Tahrir Indonesia" sowie die Terrororganisationen „Jemaah Islamiyah“, „Al-Kaida" und „Jamaah Ansharut Daulah" als Ableger des Terrornetzwerkes „Islamischer Staat". Der Exekutivsekretär der Bischofskommission für Laien, Pater Paulus Christian Siswantoko, begrüßte dieses Regierungs-Vorhaben: „Es muss jetzt gehandelt werden. Darüber hinaus braucht es erzieherische Maßnahmen für die Entlassenen, damit sie erkennen, wie zerstörerisch und spalterisch Extremismus ist.“ Von den 4,3 Millionen Beamten Indonesiens sollen mindestens 800.000 vom radikalen Islam beeinflusst sein. Künftig wird auch ein Christ an der Polizeispitze des muslimisch geprägten Landes stehen. Das Parlament in Jakarta billigte die Ernennung des 51-jährigen Protestanten General Listyo Sigit Prabowo. Staatspräsident Joko Widodo setzte sich mit seinem Kandidaten gegen islamische Widerstände durch. (Christen in Not 2/2021)

 

Die indische Bischofskonferenz hat das Regierungs-Nein zu Forderungen nach einem landesweit geltenden Gesetz gegen Religionsübertritte begrüßt. Es sei Sache der Bundesstaaten, solche Verbote zu erlassen, betonte das zuständige Innenministerium der regierenden hindu-nationalistischen Partei BJP. Weihbischof Joseph Pamplany, Mitglied der Glaubenskommission stellte fest: „Die Verfassung garantiert den Menschen die freie Wahl und Ausübung der Religion". Gleichzeitig forderte er die Abschaffung entsprechender Gesetze in acht von der BJP regierten Bundesstaaten. Die Gesetze würden dort grob missbraucht und „zielen vorsätzlich auf Minderheiten, einschließlich der Christen und ihrer Institutionen“. (Christen in Not 2/2021)

 

Vertreter religiöser Minderheiten in Bangladesch begrüßen die jüngste Ankündigung der Polizei, verstärkt gegen radikale moslemische Prediger vorzugehen. „Auf islamischen Versammlungen hetzen immer häufiger radikale Geistliche gegen Frauen und andere Religionen. Wegen dieser Rhetorik nimmt die religiös motivierte Gewalt gegen Frauen und Minderheiten zu“, betonte Pater Anthony Sen, Sprecher der Kommission für Frieden und Gerechtigkeit der römisch-katholischen Diözese Dinajpur. Der Präsident der „Bangladesh National Hindu Grand Alliance", Gobinda Chandra Pramanik, berichtete: „Die Heiligen Schriften des Islam werden von radikalen Predigern zur Diffamierung ausgeschlachtet." Solange diese Interpretation des Koran vorherrsche, sei keine Besserung zu erwarten. Die Antiterror-Einheit der Polizei hatte Mitte Februar in Dhaka auf einer Konferenz islamischer Geistlicher angekündigt, ihre Versammlungen zu beobachten und gegen radikale Prediger vorzugehen. Rund 90 Prozent der mehr als 160 Millionen Einwohner Bangladeschs sind Muslime, vor allem Sunniten; Christen weniger als 1%. (Christen in Not 2/2021)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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