Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Nach Schüssen auf die Bochumer Synagoge haben die Kirchengemeinden der Stadt ein Zeichen der Solidarität organisiert: Rund 50 Vertreter der evangelischen und römisch-katholischen Kirche hielten eine Nachtwache, wie das „Neue RuhrWort“ berichtet. „Als ich von den Schüssen in unserer Stadt und auf die Synagoge gehört habe, war ich fassungslos“, sagte Superintendent Gerald Hagmann. In dieser Situation sei wichtig zu zeigen, „dass uns unsere jüdischen Geschwister am Herzen liegen und wir als Glaubensgemeinschaften in Bochum füreinander da sind.“ Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, Grigory Rabinovich, bedankte sich. „Wir haben uns dieses Land und diese Stadt, Bochum ausgesucht, hier ist unsere Heimat.“ Der Staatsschutz des Bochumer Polizeipräsidiums ermittelt und bittet um Hinweise. (vn u. kna v. 2. 5.)

 

Im Schweizer Kanton Fribourg/Freiburg sollen alle anerkannten Religionsgemeinschaften Rechte erhalten, die bislang der römisch-katholischen und der evangelisch-reformierten Kirche vorbehalten waren. Davon profitieren etwa Muslime und orthodoxe Christen. Eine Arbeitsgruppe muss der Regierung im Laufe des Jahres 2022 Lösungen vorschlagen für die Gewährung der öffentlich-rechtlichen Vorrechte. Dazu gehört etwa das Recht für einen eigenen Religionsunterricht während der obligatorischen Schulzeit in Räumlichkeiten der Schule, oder das Recht, Gemeindemitglieder in Spitälern, Gefängnissen und Schulen seelsorgerlich zu betreuen. Der Arbeitsgruppe gehören VertreterInnen der öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften an. In der Arbeitsgruppe wirken zudem die Delegierte für die Integration der Migrantinnen und Migranten, Giuseppina Greco, mit und Mallory Schneuly Purdie vom Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft. (vn u. kath.ch v. 8. 5.)

 

Nach der Begegnung von Schiitenführer Al-Sistani und Papst Franziskus im Irak könnte es jetzt zu einer weiteren, diesmal innerislamischen Premiere kommen. Der Generalsekretär des einflussreichen schiitischen al-Khoei-Instituts, Jawad al-Khoei, spricht von Plänen zu einer Begegnung von Ayatollah Al-Sistani mit dem sunnitischen Muslimführer Ahmed Al-Tayyeb aus Ägypten. Das Treffen könnte in der irakischen Stadt Nadschaf stattfinden, wo Sistani residiert. Er ist die angesehenste Stimme der schiitischen Muslime außerhalb Irans. „Der Islam fliegt mit einem sunnitischen und einem schiitischen Flügel“, so al-Khoei im Interview mit dem Portal arabiya.net und nennt viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. (cath.ch u. vn v. 11. 5.)

 

Das multireligiöse Leitungsgremium des Wiener Internationalen Dialogzentrums KAICIID hat die „universelle historische und spirituelle Bedeutung“ des Jerusalemer Tempelbergs hervorgehoben. Die Stätte „sollte als Symbol für religiöse Einheit in Vielfalt stehen und nicht als Brennpunkt für Gewalt und Spaltung“, heißt es in einer Erklärung. Der Tempelberg in Jerusalem ist für Juden, Muslime und Christen eine Heilige Stätte. Zahlreiche religiöse Überlieferungen wie die Erschaffung Adams und Evas, die Opferung Isaaks oder auf Seiten des Islam die Himmelsreise Mohammeds sind mit dem Ort verbunden. Der Tempelberg solle „inspirieren, jene Werte zu finden und zu pflegen, die allen Religionen gemein sind: Werte des Friedens, der Toleranz und des Verständnisses“, so das Direktorium, dem Vertreter von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum angehören. Muslime, Juden und auch Christen müssten „ihre Sorgfaltspflicht gegenüber der universellen religiösen Bedeutung des Tempelbergs wie auch zueinander bekräftigen“. Die religiösen Führer werden in der Erklärung des KAICIID-Direktoriums dazu aufgerufen, „sich gegen Hassrede, Gewalttaten und Aufwiegelung auszusprechen und jeden Versuch zu verurteilen und zu bekämpfen, interreligiöse Spannungen zu schüren, um Konflikte zu entfachen“. (kap u. vn v. 13. 5.)

 

Juden, Christen und Muslime legen am 27. Mai in Berlin den Grundstein für das Mehrreligionen-Gebäude ‚House of One‘. Der Rabbiner Andreas Nachama, Vorsitzender des Stiftungsrats des ‚House of One‘ dazu: „Seit vielen Jahren sind wir bereits im interreligiösen Dialog aktiv und tragen in unserer täglichen Arbeit in der Stiftung ‚House of One‘ immer wieder aufs Neue unseren Beitrag zu mehr Verständnis, Toleranz und Miteinander in unserer Gesellschaft bei.“ Das ‚House of One‘ wird auf den historischen Fundamenten der einstigen Petrikirche gebaut werden. Ursprünglich sollte der Grundstein am 14. April 2020 gelegt werden, dem Jahrestag der Uraufführung von Lessings Drama „Nathan der Weise“ im Jahre 1783 in Berlin. „Damals öffnete sich Berlin für die erste Aufführung von Lessings wichtigem, damals sehr umstrittenen Werk“, sagte Imam Kadir Sanci, ebenfalls Mitglied des Präsidiums des ‚House of One‘. „Heute öffnet sich Berlin einmal mehr für einen besonderen Weg der Verständigung unter den Religionen.“ Finanziert wird das Projekt durch den Bund, der Stadt Berlin, den Religionsgemeinschaften und zahlreichen privaten Spendern. Mit dem ‚House of One‘ entsteht ein Sakralbau mit einer Synagoge, einer Kirche und einer Moschee unter einem Dach – verbunden über einen Begegnungsraum. Vier Tage vor der Grundsteinlegung des ‚House of One‘ kamen die drei Geistlichen, Rabbiner Andreas Nachama, der evangelische Pfarrer und Initiator des ‚House of One‘, Gregor Hohberg, und Imam Kadir Sanci im Pfingstgottesdienst in der Marienkirche zusammen. (www.house-of-one u. vn v. 14. 5.)

 

Der Vatikan gratuliert den Buddhisten zum hohen Vesak-Fest: Die Erleuchtung Gautama Buddhas wird gefeiert. Der Brief kommt vom Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog. Die Angehörigen aller Religionen seien angesichts dieser Corona-Krise zur Zusammenarbeit „im Dienst der Menschheitsfamilie“ aufgerufen. Die buddhistische Lehre bietet, so würdigt das Vatikanpapier, „eine gültige Botschaft der Solidarität und der aktiven Hilfe für andere“. Sie fordere zu einer „unbegrenzten Liebe zu allen Menschen“ auf. Das bietet Berührungspunkte zum christlichen Gebot der Nächstenliebe. Der Brief ist unter anderem vom spanischen Kardinal Miguel Angel Ayuso unterzeichnet, der den Dialograt leitet. (vn v. 26. 5.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Aus Protest gegen das vatikanische Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verlassen viele Belgierinnen und Belgier die Kirche. Das sagte der Bischof von Antwerpen, Johan Bonny, bei einer Onlinekonferenz und beklagte, dass die vatikanische Glaubenskongregation nicht vor der Veröffentlichung des Dokuments die Bischöfe und die vatikanische Familienbehörde miteinbezogen habe. Das Papier sei „theologisch schwach“ und zeuge von einer „Unfähigkeit, zeitgenössische Entwicklungen in der biblischen, der Sakramenten-und Moraltheologie“ aufzunehmen. „Es ist, als ob es in der Zeit von Pius XII. geschrieben wurde.“ Der Bischof verwies auf das Papst-Dokument „Amoris laetitia“ von 2016, das neue, positive Elemente in der Familienseelsorge propagiere. Es gebe eben „ verschiedene Möglichkeiten, einander zu lieben, aufeinander aufzupassen und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen“. Nach den Skandalen der vergangenen Jahre sei „entscheidend, das Vertrauen der Gläubigen wiederzugewinnen, und deshalb sagen wir belgischen Bischöfe ‚genug ist genug!‘ “. Er schäme sich für seine Kirche. Seiner Position hatte sich auch die Belgische Bischofskonferenz angeschlossen. Es gelte anzuerkennen, „dass sich die Zeiten geändert haben“, so Bonny. Es gehe nicht nur um Homosexuelle, sondern um alle, die anders zusammenleben, also auch Geschiedene etc. (religion.ORF.at; apa; kap u. kna v. 2. 5.)

     

  • Nach Schüssen auf die Bochumer Synagoge haben die Kirchengemeinden der Stadt ein Zeichen der Solidarität organisiert: Rund 50 Vertreter der evangelischen und römisch-katholischen Kirche hielten eine Nachtwache, wie das „Neue RuhrWort“ berichtet. „Als ich von den Schüssen in unserer Stadt und auf die Synagoge gehört habe, war ich fassungslos“, sagte Superintendent Gerald Hagmann. In dieser Situation sei wichtig zu zeigen, „dass uns unsere jüdischen Geschwister am Herzen liegen und wir als Glaubensgemeinschaften in Bochum füreinander da sind.“ Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, Grigory Rabinovich, bedankte sich. „Wir haben uns dieses Land und diese Stadt, Bochum ausgesucht, hier ist unsere Heimat.“ Der Staatsschutz des Bochumer Polizeipräsidiums ermittelt und bittet um Hinweise. (vn u. kna v. 2. 5.)

     

  • Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer befürwortet den Zugang von Frauen zu Weiheämtern in der römisch-katholischen Kirche. „Ich denke schon seit vielen Jahren, dass uns da etwas verloren geht. […] Ich halte es für notwendig, dass Frauen Zugang zu den Ämtern haben", sagte Pfeffer bei einer Online-Veranstaltung der katholischen Akademie „Die Wolfsburg". Er fordert einen fundamentalen Wandel des Priesterbildes. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierte er unter anderem mit der Benediktinerin Philippa Rath aus der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim-Eibingen, die im Februar das Buch „Weil Gott es so will" herausgegeben hatte. Darin erzählen 150 Frauen darüber, sich zur Priesterin oder Diakonin berufen zu fühlen. „Diese Berufungsgeschichten sind Leidensgeschichten," so Rath. Sie wies auf Spielräume im Kirchenrecht hin, die etwa in der Schweiz bereits genutzt würden. Dort leiteten Frauen Gemeinden. Philippa Rath ist Mitglied im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" im Reformprozess „Synodaler Weg“. (kna u.  katholisch.de v. 3. 5.)

     

  • Papst Franziskus hat den orthodoxen Christen und den römisch-katholischen Ostkirchen zum Osterfest gratuliert. „Ich sende unseren Brüdern und Schwestern der orthodoxen Kirchen und der katholischen Ostkirchen, die heute nach dem julianischen Kalender das Osterfest feiern, meine herzlichsten Glückwünsche“, so Franziskus, der insbesondere der Gemeinschaften gedachte, die „in besonders schwierigen Situationen“ leben. (vn v. 2. 5.)

     

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