Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Gemeinsam gegen Extremismus: Der Papstbesuch in Ägypten im April kann wichtige Impulse liefern, um ein gemeinsames Gegengewicht zu radikalen Strömungen im Islam zu bilden. Das sagte im Gespräch mit Radio Vatikan der ägyptische Islamwissenschaftler Pater Khalil Samir: „Die politische Linie ist gemeinsam: Wir wollen Frieden. […] Letztendlich wollen wir in Toleranz miteinander leben. Und das ist, was Al-Azhar heute zeigen möchte: ,Wir sind die echte Vorstellung des Islam‘.“ Papst Franziskus wird auf seiner Reise in Kairo mit dem Großimam von Al-Azhar – das ist die höchste Autorität im islamischen Recht für die sunnitischen Rechtsschulen – zusammentreffen. Die Begegnung gilt schon jetzt als historisch. Pater Samir erinnert angesichts extremistischer Tendenzen innerhalb des Islam, bei denen durch eine wörtliche Koranauslegung Gewalt im Namen der Religion gerechtfertigt wird, an die Bedeutung einer historisch-kritischen Koranexegese: Diese nötige „Erneuerung“ müsse allerdings aus dem Islam selbst heraus geschehen: „Ich möchte damit Schluss machen, dass wir Christen unseren Brüdern Muslimen helfen können. Das müssen die Muslime selber tun!“ Auch der ägyptische Präsident al-Sisi habe von einer notwendigen Erneuerung des Islam gesprochen. Der Jesuit verwies auf eine Rede al-Sisis vor 200 Imamen in der Al-Azhar-Universität im Dezember 2014: „Wir brauchen eine islamische Revolution. Dieses Wort hat er benutzt, um den Glauben neu zu denken. Alle haben applaudiert und gesagt: ,Ja, das ist es!‘“. Unter der aktuellen Regierung seien etwa Leute ins Gefängnis gebracht worden, die eine aggressive Islamisierung im Land vorantreiben wollten und dabei übergriffig geworden sind. „Man hat ein bisschen Hoffnung, dass es mit al-Sisi besser wird mit der Zeit", so Samir. (rv v. 5. 4.)]

 

Christen und Muslime sollten am besten leise miteinander sprechen, statt laut gegeneinander aufzutreten. Dieses Plädoyer für Dialog hielt der Papst am 5. April vor einer Delegation führender britischer Imame, die er vor der Generalaudienz im Vatikan empfing. Die Gläubigen beider Religionsgemeinschaften müssten sich zueinander wie Geschwister verhalten, so der Papst. Anlass der Begegnung mit den vier britischen Imamen war der jüngste Terroranschlag von London, bei dem ein radikaler Einzeltäter vier Menschen in den Tod gerissen hatte. Anwesend bei dem Treffen war auch Englands Kardinal Vincent Nichols. Es sei eine kleine Gruppe gewesen, so gab es eine familiäre Atmosphäre, die dem Austausch „gut getan“ habe, so der Kardinal gegenüber Radio Vatikan. „Ich denke, dass es für meine Kollegen, die vier muslimischen Imame, eine gute Gelegenheit war, um die tiefe Spiritualität von Papst Franziskus wahrzunehmen“. Dies bestätigten gegenüber Radio Vatikan auch zwei Imame: Imam Moulana Sayed Ali Abbas Razawi leitet die islamische Gemeinde in Schottland. Er sagt: „Wir sahen im Papst einen heiligen Papst, der zu uns sprach. Seine Botschaft an uns lautete folgendermaßen: ein erfolgreicher Dialog bedarf eines vermehrten Zuhörens und Stillseins. Es geht darum, langsam und verständlich miteinander zu sprechen.“ Scheich Ibrahim Mogra ist Mitvorsitzender des „Christian Muslim Forum“ in Großbritannien und Imam in Leicester: „Das war so aufregend. Ich kann es nicht fassen, dass dieses Treffen stattgefunden hat. Der Papst war so freundlich zu uns. Er hat mit uns sein Mitleid geteilt. Seine Botschaft, vermehrt zuzuhören, hat uns sehr gut getan“. (rv v. 5. 4.)

 

Ein interreligiöses Duo aus Pakistan erhält afrikanischen Friedenspreis: P. James Channan OP, der sich seit Jahrzehnten dem christlich-islamischen Dialog widmet, und Großimam Abdul Khabir Azad von der Hauptmoschee in Lahore erhalten den „Preis für ein harmonisches Zusammenleben der Religionen“ vom afrikanischen Büro der „United Religions Initiative“ in Lahore. Der Großimam stellte fest: „Der Grund für den interreligiösen Dialog ist sehr klar. Ich bin der Meinung, dass ungeachtet der Hautfarbe, der Religion, des Glaubensbekenntnisses sich alle Bürger des Landes verpflichtet haben, in diesem Land zusammen zu leben und so Freiheit genießen und sich daher an einer Beziehung zu allen Anderen beteiligen müssen“. (CSI-Zeitung 4/2 017)

 

Als „verabscheuungswürdigen Terrorakt, der auf das Leben Unschuldiger zielte“, hat der Großimam der Kairoer Al Azhar-Universität den Bombenanschlag auf eine koptische Kirche im ägyptischen Tanta verurteilt. Scheich Ahmed Al-Tayyeb wird Papst Franziskus am 28./29. April in der höchsten Lehreinrichtung des sunnitischen Weltislam treffen. Die Begegnung steht im Zeichen einer Bestärkung des gemeinsamen Engagements beider Religionen gegen Extremismus und religiösen Fanatismus und der Konsolidierung des Dialogs zwischen Al Azhar und dem Vatikan. Die ägyptische Regierung will den Kampf gegen den Terrorismus entschieden fortsetzen. Der Premierminister Charif Ismail besuchte den Ort der Bluttat. Der um Ausgleich bemühte ägyptische Präsident Abd al-Fattah al-Sisi hat wiederholt Terror gegen die christliche Minderheit in Ägypten verurteilt. (ansa u rv v. 9. 4.)

 

Ein syrisch-katholischer Bischof schenkt auch Muslimen in befreiten Dörfern Ziegen. Bischof Jacques Behnan Hindo hat ein Hilfsprogramm gestartet: Seine Diözese spendete den Bewohnern von befreiten Dörfern in der Region Djazira 3000 Ziegen und Lämmer, und zwar nicht nur Christen, sondern auch Muslimen. „Wir versuchen allen zu helfen“ unterstrich der Erzbischof. (JA v. 9. 4.)

 

Frankreich hat einen bekannten Schweizer Imam ausgewiesen. Der Leiter des Islamischen Zentrums in Genf, Hani Ramadan, der Bruder des Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan, stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, begründete das französische Innenministerium den Schritt. Er wurde in Colmar verhaftet und von der Polizei zur französisch-schweizerischen Grenze eskortiert. Er hat z. B. 2002 in der französischen Zeitung „Le Monde“ in einem Artikel die Steinigung von Ehebrüchigen verteidigt. (rv v. 10. 4.)

 

Mehrere Moscheen in Ägypten haben spontane Solidaritätsaktionen für jene koptischen Christen veranstaltet, die bei den beiden Terroranschlägen am 9. April verletzt worden sind. In der Stadt Tanta wurde per Lautsprecher zum Blutspenden in den Moscheen aufgerufen, geht aus einem Bericht des Fernsehkanals „Al Arabiya“ hervor. Die meisten, die sich beteiligt hätten, seien Muslime gewesen. Anlass des Aufrufs war eine Knappheit an Blutkonserven; hunderte Blutbeutel seien dem Allgemeinen Krankenhaus der Stadt auf diese Weise zur Verfügung gestellt worden, heißt es in dem Bericht. (kap u. rv 11.04.2017 gbs)

 

Die Spitzen des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) und die zuständigen Vatikanvertreter haben die bisherige Zusammenarbeit besprochen und Konsultationen auch für die Zukunft in Aussicht gestellt. KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar traf dazu im Vatikan den Präsidenten des Päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran, teilte das Dialogzentrum am 10. April mit. Das Treffen sei in „herzlicher“ Atmosphäre verlaufen. Muaammar informierte Tauran im Zuge der Begegnung unter anderem über vom KAICIID unterstützten interreligiösen Dialogplattformen in Irak, Syrien, Myanmar, Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik. Vorgestellt wurde auch eine Initiative an Universitäten und im Internet gegen Gewalt im Namen der Religion. Dafür werden junge religiöse Würdenträger ausgebildet, Hass in sozialen Medien entgegenzuwirken und künftige Religionsvertreter beim Religionsdialog zu unterstützen. (kap u. rv v. 12. 4.)

 

Vor Vertretern aller Religionen hat sich ein muslimischer Imam für seine juden- und christenfeindliche Äußerungen entschuldigt, die er in einer Freitagspredigt Ende März getan hat. Er sei „voller Reue […] Ich gestehe voll und ganz, dass meine Aktionen keinen Platz in dieser äußerst multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft haben“, sagte Imam Nalla Mohammed Abdul Jameel. Die Freitagspredigt war gefilmt und dem Innen- und Justizminister K. Shanmugam übergeben worden, der daraufhin polizeiliche Ermittlungen ankündigte. Dazu der Minister: Predigten, in denen zu Hass und Gewalt gegen Religionen aufgerufen werde, würden in Singapur „nicht toleriert“. (JA v. 16. 4.)

 

Auf der Konferenz „Freiheit und Staatsbürgerschaft, Verschiedenheit und Integration”, die von der sunnitischen al-Azhar-Universität in Kairo veranstaltet worden ist, wiederholte der libanesische Ministerpräsident – ein Muslim – seine Ankündigung vom 25. März, im Zentrum von Beirut ein Grundstück für den Bau eines „Internationalen Marianischen Zentrums für den interreligiösen Dialog“ zur Verfügung zu stellen. Der 25. März, der Festtag Mariä Verkündigung, sei wegen der „schönsten der Frauen“ – auch für die Muslime – für diese Ankündigung gewählt worden. (JA v. 23. 4.)

 

Mehrere muslimische Wissenschaftler haben sich für ein Islamgesetz nach österreichischem Vorbild ausgesprochen, um damit einen modernen, reformorientierten Islam zu fördern. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad sehen darin die Möglichkeit, den Einfluss konservativer muslimischer Verbände und ausländischer Geldgeber in deutschen Moscheen einzudämmen, wie der Berliner „Tagesspiegel“ am 22. April berichtet. Khorchide, der Professor für islamische Religionspädagogik in Münster, findet Spahns Idee „grundsätzlich sympathisch“. Der deutsche Staat solle die Imame finanzieren, „damit wir nicht auf Finanzierung aus dem Ausland angewiesen sind“. Abdel-Samad forderte die Entscheidung eines unabhängigen Wissenschaftsrats darüber, welche muslimischen Theologen an Universitäten lehrten. Der Staat müsse Lizenzen für Glaubensgemeinschaften und Moscheen vergeben: „Die Moscheen müssen die Imame nehmen, die der Staat bestimmt, und dürfen nicht aus dem Ausland finanziert werden.“ (kna u. rv v. 24. 4.)

 

Nach dem Tod eines elf Jahre alten Jungen in einer privaten Islamschule in Malaysia in Folge einer Prügelstrafe fordern immer mehr die Schließung privater Islamschulen. „Diese Religionsschulen schießen wie Pilze aus dem Boden und werden auf archaische, barbarische Weise geführt“, beklagt der frühere Informationsminister Zainuddin Maidin in seinem Blog. Der 11-jährige Mohamad Gaddafi war am 26. April an den Folgen der extremen Prügel-Verletzungen gestorben. Der Lehrer hatte laut malaysischen Medienberichten den Jungen und 14 weitere Schüler mit einem Wasserschlauch verprügelt, weil sie „laut“ waren. Ministerpräsident Najib Razak und andere Regierungsmitglieder sprachen der Familie des Jungen ihr Beileid aus. Der tödliche Vorfall hatte sich in der Koranschule Madrasah Tahfiz Al-Jauhar in der Stadt Kota Tinggi ereignet. Auch die prominente Bürgerrechtlerin Marina Mahatir forderte nun auf Facebook: „Unsere Hauptverantwortung muss der Sicherheit der Kinder gelten, anstatt sie Lehrern und Erziehern auszuliefern, die nicht einmal in deren Nähe sein sollten.“ (kna v. 27. 4.)

 

Auf der Friedenskonferenz der al-Ahzar-Universität in Kairo verurteilt der Großimam al-v. ayyeb den religiösen Extremismus: „Ich glaube, die moderne Zivilisation hat die göttlichen Religionen vergessen und ihre unverrückbare Ethik, darunter vor allem die Geschwisterlichkeit unter den Menschen und die Barmherzigkeit“. Es sei dringend, „das Bild der Religionen von falschen Vorstellungen und Praktiken zu befreien […] Wir sollten Religion nicht für die Verbrechen einer kleinen Gruppe ihrer Anhänger verantwortlich machen.“ Der Koran rufe eindeutig zum Frieden auf. Der ägyptische Großmufti, Papst Franziskus, der orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., und ein koptischer Bischof saßen zusammen in der ersten Reihe. Als dann Franziskus das Wort ergreift, nennt er den Azhar-Rektor, vom Redetext abweichend, „meinen Bruder“. Der Papst und der Großimam umarmten sich – es ist ein eindringliches Bild dieser Papstreise. (rv v. 28. 4.; JA v. 7. 5.)

 

Ein Islam-Professor der al-Azhar-Universität wohnt der Messe vor Papst Franziskus am 29. April in Kairo bei. „Der Besuch des Papstes stärke den Geist der Bruderschaft zwischen Muslimen und Christen“, meint er nach Aussage des ORF-Reporters Karim el Gawhary in der Nachrichtensendung „Zeit im Bild 1“ am 29. April. „Nirgends steht, dass ein Muslim nicht an einem christlichen Gottesdienst teilnehmen darf. Ich möchte damit meine Solidarität ausdrücken, meinen Respekt gegenüber anderen Religionen“, übersetzt el Gawhary den Imam. (ZIB1 v. 29. 4.)

 

Der Islam steht weltweit von innen und von außen unter Druck: Die Überzeugung, dass es ein Miteinander auch mit anderen Religionen brauche, habe sich deswegen auch an islamisch-theologischen Institutionen durchgesetzt, wie beim Papstbesuch in der Al-Azhar Universität am 28. April sichtbar geworden sei. Der Theologe und Politikwissenschaftler Alexander Görlach, der selber an der Al-Azhar ein Studienjahr verbracht hat, beurteilt den Dialogansatz in Ägypten positiv: Das sei „keine Show“ und ist ernst gemeint. „Die islamische Glaubensgemeinschaft ist vielfältig und groß. Sie hat zum einen den Druck von außen, dass der Westen als Kultur und Lebensform die dominante Kultur auf der Welt ist“, so Görlach gegenüber Radio Vatikan. „Gleichzeitig steht diese Glaubensgemeinschaft von Nigeria bis Pakistan und Indonesien unter innerem Druck, ein Muslim in Pakistan kann heute sehen, wie Muslime in Indonesien oder Malaysia leben. Dieser Druck durch die Globalisierung und die Digitalisierung zwingt sozusagen zu Kollaboration. […] Zu sehen gewesen sei das etwa bei der ‚Exkommunikation‘ – um ein christliches Wort zu benutzen – des ISIS-Gründers Abu-Bakr durch anfangs mehr als 130 islamische Theologen. Hier sei die Wichtigkeit einer solchen Universität, die für den Islam als solchen sprechen wolle, deutlich geworden.“ Man habe damals Abu-Bakr theologisch nachgewiesen, warum er nicht der Kalif aller Muslime sein kann und seine Selbstdarstellung stellvertretend für den gesamten Islam widerlegt. Als Plattform für solche gesamt-islamischen Aussagen könne Al-Azhar zukünftig eine Rolle spielen. Aber trotzdem gelte: „Die Al-Azhar Universität wird alleine nicht mehr die Geschicke von 1,4 Mrd Muslimen regeln und leiten können, selbst wenn sie das will“, meint Görlach. In dieser Spannung muss die Institution noch ihren heutigen Stellenwert entwickeln. (rv v. 30. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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