Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral…)

Der Autor des äußerst kontroversen Buches „The Dictator Pope“, der britische Historiker Henry Sire, ist vom Malteserorden suspendiert worden. Der Inhalt des Buches gebe in keiner Weise Positionen und Auffassungen des Malteserordens wieder, heißt es in der Erklärung. Der Orden distanziere sich von dem Buch. Zudem gebe ein Kapitel über die Krise des Malteserordens 2016/2017 die Ereignisse sehr einseitig wieder. In dem Buch beschreibt der Verfasser Papst Franziskus als jemanden, der die Kurie in Rom einem Terrorregime unterwirft. (JA v. 1. 4.)

 

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn wünscht sich ein Konzil für die Rolle der Frau: Die Weihe von Frauen „kann nicht ein Papst allein entscheiden.“ Sie ist „eine Frage, die sicher nur von einem Konzil geklärt werden kann“, sagte Kardinal Christoph Schönborn im Oster-Interview in den „Salzburger Nachrichten“. Er meinte ausdrücklich eine Frauenweihe „zu Diakonen, Priestern, Bischöfen.“ Eine vom Papst angedachte Einführung von Diakoninnen durch diesen selbst hält er „auch nicht für gut“. Schönborn wünscht sich, dass die Kirche auf dem Weg der Synodalität weitergeht und vertraut auf ein nächstes Konzil. „Es gibt ein katholisches Prinzip, das ist die Lehrentwicklung.“ Er nennt Beispiele: Im Katechismus von 1992 ist die Todesstrafe in Sonderfällen noch zulässig, heute nicht mehr; Mädchen dürfen bei uns ministrieren, in „vielen anderen christlichen Kirchen“ dürften sie den Altarraum immer noch nicht betreten; Papst Franziskus hat das Fest der Maria Magdalena auf die Stufe der Feste der Apostel gestellt, das „zeigt eine geänderte Bewusstseinslage“. (JA v. 8. 4.)

 

Die Kirchen der französischen Schweiz haben zu Ostern eine veränderte Übersetzung des Vaterunser-Gebets eingeführt. Das teilten die Schweizer Bischofskonferenz, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Schweizerische Evangelische Allianz in einer gemeinsamen Erklärung mit. Ausgelöst hatte die Debatte über das Vaterunser ein Beschluss der römisch-katholischen Bischöfe Frankreichs, die bisherige Formulierung zu ändern in: „Lass uns nicht in Versuchung geraten“. Papst Franziskus sagte in einem Fernsehinterview, das bisherige „Und führe uns nicht in Versuchung“ sei keine gute Übersetzung. (JA v. 8. 4.)

 

Die Zugangsbedingungen zum Priesteramt werden sich in den nächsten Jahren ändern, glaubt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und hat sich offen für eine Debatte über den Zölibat römisch-katholischer Priester gezeigt. „Dass es in Zukunft andere Zugangsformen geben wird, wenn auch vielleicht nicht flächendeckend, da bin ich mir ziemlich sicher", sagte er in einem Streitgespräch mit der Journalistin Christiane Florin in der neuen „Herder Korrespondenz". Bereits jetzt gebe es verheiratete Priester, etwa in den katholischen Ostkirchen. Er selbst werde noch 25 Jahre Bischof sein. „Ich glaube nicht, dass wir in dieser Zeit noch den Kopf in den Sand stecken können und sagen: Wir sitzen das Thema aus.", so der Bischof. Was sich in letzter Zeit geändert habe, sei der Gedanke, dass der Priester einen engeren Draht zu Gott habe. Davon sei man „theologisch eigentlich weg". (kathpress u. katholisch.de v. 9. 4.)

 

Die Päpstliche Lateinamerika-Kommission hat eine eigene Bischofssynode zum Thema Frauen angeregt. Das Dokument trägt den Namen „Die Frau, Säule der Kirche und der Gesellschaft in Lateinamerika“. Zu dem Treffen der 24 Bischöfe und Kardinäle waren auch 14 südamerikanische Frauen aus verschiedenen Bereichen eingeladen worden. Die Kommission betont in ihrem Abschlussdokument der Tagung, dass die „Abwesenheit von Frauen in Entscheidungsgremien“ einen „Mangel“ und eine „ekklesiologische Lücke“ darstelle. Die Kirche müsse frei sein von jeglichen Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen gegenüber Frauen. Die epochalen Veränderungen, denen sich die Kirche gegenübersehe, verlange einen Bewusstseinswandel. Im Hinblick auf „hierarchische und charismatische Gaben“ sei es dringend notwendig, die Zusammenarbeit mit Frauen mit den Bischofskonferenzen und der römischen Kurie zu verstärken, wie die Vatikanzeitung Osservatore Romano am 12. April berichtete. Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Kommission bei der Priesterausbildung: „Die Kenntnis und die Vertrautheit mit der weiblichen Realität, die in den Pfarreien und im kirchlichen Kontext vorhanden ist, […] ist essentiell für die menschliche und spirituelle Ausbildung des Seminaristen“. Der Kommissionstext betont durchgehend die Notwendigkeit, die Theologie der Frau im Licht der Tradition und der Lehre der Kirche zu vertiefen. (or u. vn v. 12. 4.)

 

Papst Franziskus hat erstmals Frauen als Beraterinnen für die Glaubenskongregation ernannt. Unter den fünf neu ernannten Beratern, die der Vatikan am 21. April bekanntgab, sind drei Frauen. Zu ihnen gehört die Juristin Linda Ghisoni, die im November bereits zur Untersekretärin im Dikasterium für Laien, Familie und Leben ernannt worden ist, außerdem Michelina Tenace, Fundamentaltheologin der Päpstlichen Universität Gregoriana sowie die Pariser Theologin Laetitia Calmeyn zu Beraterinnen. Die insgesamt 30 Berater der Kongregation werden für fünf Jahre ernannt und arbeiten den Mitgliedern der Glaubenskongregation zu. (kap u. vn v. 21. 4.)

 

Österreich entsendet erstmals eine Frau als Vatikan-Botschafterin: Franziska Honsowitz-Friessnigg folgt auf Alfons M. Kloss, wie das Außenministerium am 24. April mitteilte. Honsowitz-Friessnigg, die seit 2014 die Botschaft in Algier leitete, ist zugleich Botschafterin in der Republik San Marino und beim Souveränen Malteser-Ritter-Orden. (kap u. vn v. 25. 4.; JA v. 6. 5.)

 

Die bekannte deutsche Ordensfrau und Menschenrechtlerin Lea Ackermann fordert die Weihe von Frauen zu Diakoninnen. „Die Kirche verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie die Hälfte ihrer Mitglieder vom Dienst am Altar ausschließt", erklärte die 81-jährige Gründerin des Frauenhilfswerks „Solwodi". „Wie überzeugend sind Aufrufe von Kirchenoberen an Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft, Gesetze zu erlassen, die Frauen als gleichberechtigt anerkennen, wenn die eigene Vorbildfunktion der Kirche fehlt?" fragte Ackermann. Damit die katholische Kirche nicht weiter „ausblute", müsse den Theologiestudentinnen künftig auch die „Perspektive Diakonin" offen stehen. „Wenn Gott eine Frau zur Diakonin beruft, sie sich durch Gebet und Studium vorbereitet, diesen Dienst in der Seelsorge und am Altar zu übernehmen, warum kann ihr dann dieser Dienst verwehrt bleiben?", fragte Ackermann vor dem „Tag der Diakonin" am 29. April, dem Gedenktag der zur „Kirchenlehrerin" erhobenen heiligen Katharina von Siena. (kap u. kna v. 28. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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