Berlins Erzbischof Heiner Koch hält es „für gut, wenn man in manchen Fragen die Entscheidung den einzelnen Bischofskonferenzen überließe.

“ In einem Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur KNA sieht Koch in der Dezentralisierung der Kirche eine Lösungsmöglichkeit vieler pastoraler Probleme in den Diözesen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass angesichts der unterschiedlichen Sichtweisen, die ich erlebe, alle Fragen in Rom geklärt werden. […] Wenn man wirklich eine offene Synode und einen offenen Austausch will, muss man damit leben, dass es verschiedene Vorschläge, Bewertungen und Sichtweisen gibt. Ich hielte es nicht für gut und sinnvoll, eine Synode danach zu bewerten, ob sie 100 Prozent Einigkeit in allen Fragen findet. Wir müssen dem Papst auch die unterschiedlichen Punkte und Sichtweisen vorlegen. Es ist sein schwerer Dienst an der Einheit, das zusammenzuhalten.“ Und zur Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten sagte Koch: „Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Botschaft von Ehe und Familie in einer einladenden Sprache, in einer narrativen, in einer nicht nur juristisch geprägten Sprache zu formulieren. […] Dann erwarte ich mir ein grundsätzliches Wort der Synode zu theologische Grundfragen: Wie kann es sein, dass ein Mensch, dessen Leben Brüche aufweist – etwa wegen einer gebrochenen Ehe – , dass der ein Leben lang nicht den Zugang zum Tisch des Herrn findet? Denn die Eucharistie ist ja auch eine Feier zur Vergebung der Sünden. Sie ist für Menschen da, die Kraft und eine Aufrichtung brauchen.“ Und zur Homosexualität: „Ich fand es bemerkenswert, dass ein afrikanischer Bischof in seiner Wortmeldung das Recht auf Wertschätzung homosexueller Menschen zur Sprache gebracht hat. Es hieß ja zuvor immer wieder, gerade die Afrikaner seien in dieser Frage hart. Daher war dies ein interessantes Zeichen.“ (de.radiovaticana.va vom 11. 10.; KNA v. 11. 10.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Der Vatikan gratuliert Buddhisten zu ihrem Vesakh/Hanamatsuri-Fest. „Buddhisten und Christen – bauen wir eine Kultur des Mitleids und der Geschwisterlichkeit auf“ lautet der Titel der vatikanischen Grußbotschaft. Religionen könnten gemeinsam zur Friedensarbeit und zum Aufbau einer Kultur des Mitleids, der Geschwisterlichkeit und der Begegnung beitragen, hält das Dokument des päpstlichen Rates für interreligiösen Dialog fest. Dabei gelte es, einen „Stil der Nähe“ zu pflegen, der in einen konkreten gemeinsamen Einsatz für die Ärmsten und den Schutz der Schöpfung münden könne, heißt es mit Verweis auf Papst Franziskus weiter. Er hatte dazu im November 2019 bei einer Begegnung mit dem höchsten Buddhisten-Patriarchen in Bangkok aufgerufen. Die Grußbotschaft anlässlich des höchsten buddhistischen Festes verweist darüber hinaus auf den „Globalen Bildungspakt“, der im Oktober im Vatikan unterzeichnet werden soll, sowie auf das christlich-muslimische „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen“ vom Februar 2019, das die friedensstiftende Rolle der Religionen hervorhebt. Mit dem Vesakh-Fest feiern Buddhisten die Geburt, Erleuchtung und den Tod des Buddhas. (vn v. 2. 4.)

     

  • Papst Franziskus hat eine neue Studienkommission zur Untersuchung des Frauendiakonats eingerichtet. Mit Barbara Hallensleben und Manfred Hauke gehören dem Gremium zwei deutsche, in der Schweiz lehrende Dogmatiker an. Insgesamt besteht die Studienkommission aus zehn Sachverständigen, je fünf Frauen und Männer. Zum Vorsitzenden bestimmte der Papst den italienischen Kardinal Giuseppe Petrocchi, Erzbischof von L’Aquila. Es ist bereits die zweite Studienkommission zum Frauendiakonat, die Papst Franziskus einrichtet. Die erste hatte Franziskus 2016 auf Anregung von Ordensoberinnen ins Leben gerufen. Diese Kommission kam zu keinem eindeutigen Ergebnis über die Realität des Frauendiakonats in der frühen Kirche. Einige römisch-katholische Ortskirchen äußern weiterhin Bedarf am Frauendiakonat. Bei der Amazonien-Synode im vergangenen Oktober kam das Thema häufig auf; das mit Zweidrittelmehrheit der Synodenväter gebilligte Schlussdokument schlägt vor, die Möglichkeit des Frauendiakonats weiterhin zu prüfen. In der Orthodoxie hatte zuletzt das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel eine Wiederbelebung des Frauendiakonats ins Spiel gebracht. (vn v. 8. 4.)

     

  • Die römisch-katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland wollen mit einem ökumenischen Glockenläuten ein Zeichen der Zuversicht in Zeiten der Corona-Pandemie setzen. Am Abend des Palmsonntags sollen zu Beginn der Karwoche um 19.30 Uhr alle Kirchenglocken in Deutschland ebenso läuten wie am Ostersonntag um 12.00 Uhr. Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, soll das Läuten Hoffnung vermitteln, im Sinn der Osterbotschaft: „Der Tod hat keine Macht über das Leben“. „Läuten wir, um die Herzen der Menschen zu erreichen“, sagt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. (vn v. 3. 4.)

     

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