Der jüdisch-römisch-katholische Dialog erlebt 50 Jahre nach „Nostra Aetate“ einen neuerlichen Impuls durch ein konstruktives, von 25 orthodoxen Rabbinern unterzeichnetes Dokument, das am 3. Dezember in Rom veröffentlicht wurde.

Es trägt den Titel „To do the Will of our Father in Heaven“, erinnert dankbar an die Vergebungsbitte, die Johannes Paul II. 1998 beim Bussgottesdienst im Petersdom und als Gebet an der Klagemauer in Jerusalem gesprochen hat und würdigt die Konzilserklärung. Zitiert werden die großen Autoritäten aus dem Mittelalter, Moses Maimonides und Jehuda Halevi, wie auch Rabbiner der Neuzeit, die im Christentum eine monotheistische Religion sehen, die Nicht-Juden zum Gott Israel geführt habe. Damit wird die Aneignung der Hebräischen Bibel durch Christen nicht mehr als Usurpation eingestuft. Auch wird unterstrichen, dass Christen nicht zu Götzenverehrern gerechnet werden könnten, wie dies in der rabbinischen Tradition immer wieder geschehen ist: „Wir Juden und Christen haben viel mehr gemeinsam, als was uns trennt: den ethischen Monotheismus Abrahams; die Beziehung zum Einen Schöpfer des Himmels und der Erde, der liebt und für uns alle sorgt; die jüdische Heiligen Schrift; der Glaube an eine verbindliche Tradition; die Werte des Lebens, der Familie, mitfühlender Rechtschaffenheit, der Gerechtigkeit, unveräußerlicher Freiheit, universeller Liebe und des letztendlichen Weltfriedens.“ Vielmehr wird betont, dass Juden und Christen je in einem Bund mit Gott stehen und gemeinsam eine Sendung in der Welt hätten: „Nun, da die katholische Kirche den ewigen Bund zwischen Gott und Israel anerkennt, können wir Juden die bestätigte konstruktive Gültigkeit des Christentums als Partner in der Welterlösung anerkennen ohne jede Angst, dass dies für missionarische Zwecke genutzt werden würde.“ Es wird anerkannt, dass Christen zum Noah-Bund gehören, dazu gehört auch der Glaube an den einen Gott. Damit wird diejenige rabbinische Theologie zurückgewiesen, die Christen wegen des Trinitätsglaubens zu Götzendienern erklärt. Das Dokument schafft mit den Kategorien der eigenen jüdischen Tradition eine Wertschätzung des Christentums und macht überhaupt einen Dialog aus orthodoxer jüdischer Perspektive möglich. Bereits im Jahr 2000 hatte eine große Gruppe von Rabbinern und Gelehrten aus dem konservativen und Reformjudentum mit ihrem Statement „Dabru emet“ in der Zeitung New York Times gefordert, dass Juden die neue Theologie des Judentums der römisch-katholischen Kirche zu Kenntnis nehmen und würdigen sollten. Dass der Dialog relevant bleibt und in einer neuen Phase das gemeinsame Ringen um Glaubensüberzeugungen weitergeführt wird, ist nach diesem Dokument nur zu hoffen. (http://www.feinschwarz.net vom 10 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Fall der entführten und zwangsverheirateten 14-jährigen Christin Maira Shahbaz aus Islamabad (Pakistan) gibt es Hoffnung auf eine Befreiung. Der Großmufti der sunnitischen Rizvi-Jammah Moschee in Faisalabad, Muhammad Asad Ali Rizvi Efi, hat mit einem muslimischen Rechtsurteil (Fatwa) die vom mutmaßlichen Entführer Mohamad Nakash vorgelegte Heiratsurkunde als gefälscht bezeichnet. Nakash behauptet, mit dem minderjährigen Mädchen gültig verheiratet zu sein. Dazu sagte Lala Robin Daniel, Menschenrechtsaktivistin aus Faisalabad, gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“: „Die Stellungnahme des Großmuftis ist von Bedeutung. Die Heiratsurkunde ist zweifellos gefälscht. Die Unterschrift des Imams, der die Trauung angeblich durchgeführt hat, ist falsch. Die bestehende Ehe von Nakash wird nicht erwähnt. All das zeigt deutlich, dass es sich um einen Betrug handelt.“ Der christliche Anwalt der Familie hofft auf eine baldige Wiederaufnahme des Verfahrens. Das Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren. (www.kirche-in-not.de u. vn v. 8.

     

  • Nach einer entsprechenden Ausbildung und der Ermächtigung durch Bischof Josef Marketz (Diözese Gurk-Klagenfurt) können auch Frauen und Männer aus dem Laienstand ab März 2021 Begräbnisse leiten. Der erste „Lehrgang zur Leitung von Begräbnissen für theologisch und pastoral qualifizierte Laien“ soll kommenden Herbst beginnen. „Trauernde zu trösten und Tote zu begraben sind Werke der Barmherzigkeit, die jeder Christin und jedem Christen, aber auch der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, aufgetragen sind“, so Bischof Marketz. Mit der neuen Ausbildung wolle die römisch-katholische Kirche Kärntens einerseits Priester und Diakone in ihrem Dienst unterstützen. Im Erzbistum Wien werden bereits seit längerem Laien mit dieser Aufgabe betraut. (vn v. 2. 7.)

     

  • Ein „historischer Moment“ war laut Katharina Rogenhofer, Sprecherin des österreichischen Klimaschutz-Volksbegehrens, der am 24. Juni bei einer Pressekonferenz in Wien erfolgte Schulterschluss der österreichischen Religionsgemeinschaften und der gemeinsame Aufruf zur Unterzeichnung. Kardinal Christoph Schönborn sagte in seinem Statement, dass er und die weiteren fünf Religionsvertreter die „Zukunft sichern“ wollten. Mit ihm waren am Podium: der lutherische Bischof Michael Chalupka, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic sowie die Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Oskar Deutsch, Ümit Vural und Gerhard Weissgrab. (JA v. 5. 7.)

     

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