Die Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie hat am 24. Oktober den mit Spannung erwarteten Abschlussbericht verabschiedet – mit einer Zweidrittelmehrheit für alle 94 Textabschnitte – und dem Papst übergeben.

Die Bewertungen der Medien sind sehr unterschiedlich: von „Sieg der Konservativen“ (Der Standard) über „Text mit getarnten Revolutionen“ (Die Presse) bis zu „Franziskus nimmt die Vielfalt ernst“ (Salzburger Nachrichten). Ebenso unterschiedlich interpretieren die Bischöfe: Für Kardinal Walter Kasper „öffnete [die Synode] sozusagen die Zulassung in Einzelfällen“, der australische Kurienkardinal George Pell triumphiert hingegen meint: „Es gibt nirgends in dem Dokument einen Hinweis für die Kommunion für Geschiedene in zweiter Ehe. Das ist fundamental.“ Im Abschlussdokument der Bischofssynode würden allgemeine Kriterien zur Unterscheidung von konkreten Situationen genannt, die von der katholische Lehre abwichen, sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn am 24. Oktober vor Journalisten im Vatikan. Zugleich betonte er, dass es eine falsche Erwartung sei, die Synode könne in dieser Frage eine generelle Lösung finden. Nötig sei stets die Prüfung des konkreten Einzelfalls. Im Verlaufe der Beratungen habe sich gezeigt, dass die kulturellen und politischen Umstände zu unterschiedlich seien, um in dieser Frage zu einem Konsens unter den Synodenmitgliedern zu gelangen, erklärte Schönborn, der bei der Synode als Moderator der deutschen Sprachgruppe fungierte. Dass das Thema nicht ausführlicher im Abschlussdokument vorkomme, heiße jedoch nicht, dass die römisch-katholische Kirche in Europa und Amerika sich nicht mit diesem Thema beschäftigen müsse. Ferner äußerte sich der Wiener Kardinal auch zu einer Dezentralisierung der römisch-katholischen Kirche, die Papst Franziskus in einer Grundsatzrede am 17. 10. in Aussicht gestellt hatte. Es bedürfe eines „Ausgleichs zwischen Ortskirche und Universalkirche“, so Schönborn. Das sei ein altes Anliegen. Die Verbindung zum Papst bleibe das Entscheidende. Gemeint sei mit Dezentralisierung vielmehr eine Zusammenarbeit, die kulturelle Unterschiede berücksichtige. (de.radiovaticana.va vom 24. 10.; religion.ORF.at vom 24. 10.; KAP/APA/AFP vom 24. 10; JA v. 8. 11. u. viele weitere Medien)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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