Ein Perspektivenwechsel:

Die in Katar lebende liberale saudische Journalistin Nadine Al-Budair veröffentlichte einen Artikel in der Kuwaiter Tageszeitung Al-Rai, in dem sie die Frage stellt, wie Muslime reagieren würden, wenn sich Christen in ihrem arabischen Land in die Luft sprengen oder versuchen würden, der islamischen Kultur ihren Glauben aufzuzwingen. Sie fordert die muslimische Welt zu einem Perspektivenwechsel auf, Reformen in den arabischen Ländern durchzuführen, statt westliche Ansichten zu verurteilen: „Stellen Sie sich einen westlichen Jugendlichen vor, der hierher kommt und im Namen seiner Religion einen Selbstmordanschlag auf einem unserer öffentlichen Plätze verübt. Stellen Sie sich vor, dass zwei Wolkenkratzer in einer arabischen Hauptstadt einstürzen und dass eine extremistische christliche Gruppe sich zu dem Anschlag bekennt, die verlangt, christliche Lehren und Regeln nach ihren Vorstellungen wieder einzuführen und wie zu Zeiten Jesu zu leben. Stellen Sie sich vor, dass Sie die Stimmen von Mönchen und Priestern aus Kirchen und christlichen Häusern hören und das sowohl in der arabischen als auch außerhalb der arabischen Welt. Sie schreien aus Lautsprechen und propagieren Anschuldigungen gegen Muslime. Stellen Sie sich vor, dass wir einer endlosen Anzahl Ausländern Visa, Ausweise, Staatsbürgerschaft, Arbeit, kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung, Sozialversicherung und so weiter haben zukommen lassen und dann einer von ihnen aus Hass und Mordlust in einer unserer Straßen, Gebäude, Zeitungsbüros, Moscheen oder Schulen mordet.“ Und weiter schreibt Nadine Al-Budair: „Stellen sie sich vor, Christen kommen in unser Land und singen ‘Raus mit den Muslimen aus dem Land der Kultur' […] Wie würden Sie reagieren, wenn Sie jeden Sonntag Flüche gegen ihre Religion und ihren Glauben hören würden, so wie Andersgläubige es jeden Freitag von einigen unserer Imamen hören? […] Es ist seltsam, dass wir den Westen verurteilen anstatt unser Augenmerk darauf zu lenken, was in unserer Mitte passiert – die extremistische Weise, in der wir unsere Scharia interpretieren. […] Es ist seltsam, dass wir verurteilen anstatt uns zu entschuldigen. […] Nach all diesen Farcen sind nun einige arabische Analytiker darauf gekommen, für eine pathetische Botschaft zu werben und diese Worte in das Ohr ihrer Freunde zu flüstern, die sie schon tausende Mal wiederholt haben: ‚Diese Muslime, die Terrorismus begehen, repräsentieren nicht den Islam, sondern nur sich selbst.‘   […] Daran sind wir geübt: uns von Schuld freizusprechen,“ stellt Nadine Al-Budair fest. [Übersetzungen aus dem Englischen von Michael Ehlers bzw. Alexander Pallinger] (https://www.linkedin.com vom 20. 4.; KircheIn 5/2016)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Im Fall der entführten und zwangsverheirateten 14-jährigen Christin Maira Shahbaz aus Islamabad (Pakistan) gibt es Hoffnung auf eine Befreiung. Der Großmufti der sunnitischen Rizvi-Jammah Moschee in Faisalabad, Muhammad Asad Ali Rizvi Efi, hat mit einem muslimischen Rechtsurteil (Fatwa) die vom mutmaßlichen Entführer Mohamad Nakash vorgelegte Heiratsurkunde als gefälscht bezeichnet. Nakash behauptet, mit dem minderjährigen Mädchen gültig verheiratet zu sein. Dazu sagte Lala Robin Daniel, Menschenrechtsaktivistin aus Faisalabad, gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“: „Die Stellungnahme des Großmuftis ist von Bedeutung. Die Heiratsurkunde ist zweifellos gefälscht. Die Unterschrift des Imams, der die Trauung angeblich durchgeführt hat, ist falsch. Die bestehende Ehe von Nakash wird nicht erwähnt. All das zeigt deutlich, dass es sich um einen Betrug handelt.“ Der christliche Anwalt der Familie hofft auf eine baldige Wiederaufnahme des Verfahrens. Das Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren. (www.kirche-in-not.de u. vn v. 8.

     

  • Nach einer entsprechenden Ausbildung und der Ermächtigung durch Bischof Josef Marketz (Diözese Gurk-Klagenfurt) können auch Frauen und Männer aus dem Laienstand ab März 2021 Begräbnisse leiten. Der erste „Lehrgang zur Leitung von Begräbnissen für theologisch und pastoral qualifizierte Laien“ soll kommenden Herbst beginnen. „Trauernde zu trösten und Tote zu begraben sind Werke der Barmherzigkeit, die jeder Christin und jedem Christen, aber auch der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, aufgetragen sind“, so Bischof Marketz. Mit der neuen Ausbildung wolle die römisch-katholische Kirche Kärntens einerseits Priester und Diakone in ihrem Dienst unterstützen. Im Erzbistum Wien werden bereits seit längerem Laien mit dieser Aufgabe betraut. (vn v. 2. 7.)

     

  • Ein „historischer Moment“ war laut Katharina Rogenhofer, Sprecherin des österreichischen Klimaschutz-Volksbegehrens, der am 24. Juni bei einer Pressekonferenz in Wien erfolgte Schulterschluss der österreichischen Religionsgemeinschaften und der gemeinsame Aufruf zur Unterzeichnung. Kardinal Christoph Schönborn sagte in seinem Statement, dass er und die weiteren fünf Religionsvertreter die „Zukunft sichern“ wollten. Mit ihm waren am Podium: der lutherische Bischof Michael Chalupka, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic sowie die Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Oskar Deutsch, Ümit Vural und Gerhard Weissgrab. (JA v. 5. 7.)

     

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