Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der aus Deutschland stammende Bischof des brasilianischen Amazonas-Bistums Obidos, Johannes Bahlmann, kann sich verheiratete Männer als Priester vorstellen. In seiner rund 182.000m² großen Diözese gebe es Gemeinden, die „nur zwei- oder dreimal im Jahr die Messe feiern können", sagte er der Wochenzeitung „Kirche & Leben". Es sei aber wichtig, dass es Priester vor Ort gebe. Ihr Dienst beschränke sich nicht auf die Feier der Eucharistie, sondern umfasse auch Nächstenliebe und Glaubensstärkung. Bei der Amazonas-Synode im Oktober in Rom müsse auch über Gemeindeleitung durch Nicht-Priester gesprochen werden. In seinem Bistum habe er gute Erfahrungen damit gemacht. Dort leiteten zu 80 Prozent Frauen Gemeinden mit bis zu 3.000 Gläubigen. Jede Pfarrei bestehe aus rund 150 Gemeinden. Da sei es „unmöglich, dass der Priester in jeder Gemeinde Verantwortung übernimmt". Bahlmann nimmt an der von Papst Franziskus einberufenen Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober teil. (kna u. vn v. 4. 9.; JA v. 15. 9.)

 

Nach dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wurde „durch die Präsenz von Frauen während der Beratungen der Bischofskonferenz und Bischofssynoden aufgebrochen, dass Nichtgeweihte dann auch mit abstimmen. Das lässt Kirchenrecht wahrscheinlich [noch] nicht zu. Doch es ändert ja schon die Perspektive, wenn zuvor Frauen und Männer gemeinsam diskutiert haben. Hier sehe ich noch erheblichen Spielraum.“ In dem Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zeigt sich der Erzbischof von München und Freising auch offen für eine Einschränkung der Zölibatspflicht. Er könne sich „durchaus vorstellen, dass man zu dem Ergebnis kommen kann, dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen“. Auf der Amazonas-Bischofssynode im Oktober soll über eine regional begrenzte Zulassung verheirateter Priester beraten werden. (fas u. vn v. 8. 9.)

 

Eine höhere Gewichtung des Engagements von Laien als Träger des Evangeliums hat der Abt des Benediktinerstifts Göttweig, Columban Luser, gefordert. „Ich denke, dass die Priester-Zentrierung der Kirche aufs Gesamte gesehen nicht guttut", sagte er in einem Interview mit den „Niederösterreichischen Nachrichten" anlässlich seines 10-Jahre-Jubiläums als Abt des Stifts. „Ich bin überzeugt davon, dass die Kirche morgen eine ganz andere als die heutige sein wird." (kap v. 11. 9.)

 

Österreichs Kirchenreform-Bewegungen erwarten von der vom 6. bis 27. Oktober anstehenden Bischofssynode zu Amazonien auch für die Kirche in Europa relevante Ergebnisse: Eine Öffnung in der Frage des Zölibats und des Priestertums für Frauen sei zwar „nicht unwahrscheinlich", so die Einschätzung des Obmanns der „Pfarrer-Initiative", Helmut Schüller. Einige Bischöfe aus Brasilien unter der Führung des aus Vorarlberg stammenden Bischof Erwin Kräutler werden dem Papst ein vom Missionsbischof Fritz Lobinger und dem Theologen Paul M. Zulehner entwickeltes Modell für die Beauftragung von Gemeindemitgliedern zur Feier der Eucharistie vorschlagen. Aufgrund des Mangels an Priestern in der Amazonas-Region werde die Kirche nicht umhinkommen, neue Formen für die Versammlung der Gemeinden zu finden. Worauf er hoffe, sei zumindest eine Öffnung für eine Region „ad experimentum". Werde der Vorschlag abgeschmettert, werde der Druck weltweit steigen. In österreichischen Pfarrgemeinden werde man dann zur „Selbsthilfe" greifen und „Männer und Frauen vorschlagsreif auf priesterliche Dienste vorbereiten". Martha Heizer, die Vorsitzende von „Wir sind Kirche - Österreich" erwartet eine Bewegung in der Kirche hinsichtlich der Frage des Frauenpriestertums. Frauen seien in Amazonien die wichtigsten Träger für das Gemeindeleben und müssten daher von der Kirche Aufwertung und Anerkennung als vollwertige Mitglieder erfahren. Auch der „Priester ohne Amt"-Vorsitzende Herbert Bartl sowie der „Laieninitiative"-Vorsitzende Peter Pawlowsky stimmten in ihren Statements diesen Hoffnungen zu. (kap v. 12. 9.; JA v. 22. 9.)

 

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx ist offen für eine Änderung der Zölibatspflicht. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es sinnvoll sei, „unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Darüber soll in der Amazonien-Synode im Vatikan (6. – 27. Oktober) beraten werden. Das Vorbereitungsdokument stellt fest, „dass in vielen Gemeinden wegen des Priestermangels keine regelmäßigen Eucharistiefeiern möglich" seien. Damit eng verbunden ist die Frage, wie weit Ortskirchen eigene Wege gehen könnten, ohne die Einheit der Kirche in Frage zu stellen. Marx plädiert hier für mehr Entscheidungsbefugnisse der Ortskirchen. (www.sueddeutsche.de v. 8. 9.)

 

Die Franziskanerinnen-Oberin Katharina Ganz kritisiert eine asymmetrische Kommunikation „von oben nach unten“ innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Die Deutungshoheit über das, was Kirche sei, hätten leider nur geweihte Männer, sagte sie im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und fragt: „Warum soll die geschlechtliche Männlichkeit eine notwendige Bedingung sein, um den Mann Christus zu repräsentieren, wenn umgekehrt die Kirche die Braut des Bräutigams Christi sein soll? Dann dürfte die Kirche doch nur aus Frauen bestehen.“ Wer meine, aus symbolischer Sprache Machtverhältnisse ableiten zu können, sei nicht gut beraten. Der Ausschluss von Frauen von der Ordination sei kein Dogma. „In zahlreichen Ländern wirken sich die gegenwärtigen Zulassungsbedingungen so aus, dass es kaum noch junge Priester gibt. Das verändert die Kirche vielleicht viel grundlegender als manches, was Frauen denken und wollen“, sagte sie. „Die Kirche marginalisiert sich selbst.“ (kna u. vn v. 13. 9.; JA v. 29. 9.)

 

Unter dem Motto „Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche!“ will sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) u. a. für den „Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern“ in der Kirche einsetzen. Zeitgleich mit der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda von 23. bis 26. September will die kfd – der mit 450.000 Mitgliedern größte römisch-katholische Frauenverband in Deutschland – „vor Ort die deutschen Bischöfe zum Handeln auffordern“. Online und auf der Straße sollen dafür Unterschriften gesammelt werden. Außerdem ist ein großer Demonstrationszug zum Tagungsort der Bischöfe geplant. Die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns mit diesem Thema, das die gesamte Gesellschaft bewegt, auseinandersetzen. Da bricht im Moment etwas auf.“ (vn u. religion.ORF.at u. kna v. 17. 9.)

 

Die Benachteiligung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche sei an den Hochschulen nicht mehr vermittelbar, erklärte die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral in Deutschland (KHP). Es brauche „eine Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf allen Ebenen der Kirche". Dies betreffe „insbesondere den Zugang zu allen Weiheämtern". Dass Frauen von der Spendung von einigen Sakramenten ausgeschlossen sind, habe eine starke Symbolwirkung, hieß es. Studentinnen wünschten sich „eine Kirche, mit der sie sich als emanzipierte junge Frauen identifizieren können". Dazu brauche es ein „neues Frauenbild im Lehramt". Auf einer KHP-Frauentagung in Würzburg erklärte die an der Universität Regensburg lehrende Kirchenrechtlerin Sabine Demel: „Sowohl theologisch-inhaltlich als auch formal-rechtlich spricht alles dafür und so gut wie nichts dagegen.“ Die KHP vertritt eigenen Angaben zufolge alle hauptamtlich tätigen pastoralen MitarbeiterInnen in den rund 125 römisch-katholischen Hochschulgemeinden in Deutschland. (vn u. kna v. 19. 9.)

 

Die Laienvertretung im Bistum Hildesheim hat der Protestbewegung „Maria 2.0“ bei ihrem Ruf nach grundlegenden Reformen in der römisch-katholischen Kirche den Rücken gestärkt. Der Diözesanrat unterstützet die Forderung nach einem Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, der Aufhebung des Eheverbots für Priester, der Modernisierung der Sexualmoral und einer uneingeschränkten Kooperation mit der Justiz bei Missbrauchsfällen. „Wir sind der Meinung, dass diese Forderungen wegweisend sind, wenn die römisch-katholische Kirche im Bistum Hildesheim und in Deutschland eine Zukunft haben will.“ (dpa u. www.welt.de v. 19. 9.)

 

Ein deutliches Plädoyer für die Diakonatsweihe von Frauen kommt kurz vor dem Beginn der Amazonien-Synode im Vatikan vom österreichischen Amazonasbischof Erwin Kräutler. „Die Synode für Amazonien muss nicht nur die pastorale Arbeit der Frauen würdigen, sondern Frauen zur Diakonatsweihe zulassen,“ sagte er im Interview mit dem Adveniat-Magazin „Blickpunkt Lateinamerika“. Es brauche eine grundlegende Veränderung in der Kirche. „Frauen spielen eine untergeordnete Rolle, obwohl die allermeisten Basisgemeinden in Amazonien von Frauen geleitet werden. [… Sie] stehen dem Sonntagskult vor, legen Lesungen und das Evangelium aus, bereiten als Katechetinnen ihre Gemeindemitglieder auf Taufe, Erstkommunion, Firmung und Hochzeit vor. Und kommt ein Priester, sind sie es, die die Eucharistiefeiern vorbereiten.“ So wie Frauen in Politik als Ministerinnen oder Präsidentinnen Verantwortung übernehmen, müsse auch die Kirche sich der Emanzipation öffnen. Es sei ein „kircheninternes Ärgernis“, dass 90 Prozent der ländlichen Gemeinden im Amazonasgebiet nur ein, zwei, drei oder vier Mal im Jahr Eucharistie feiern könnten. „Und es verstößt gegen den ausdrücklichen Willen des Herrn: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘ Wenn wir weiterhin von der Eucharistiefeier als ‚Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens‘ predigen, dann darf der Zugang zum Weihepriestertum nicht länger auf zölibatäre Männer beschränkt bleiben“, betont Bischof Kräutler. Ein weiteres Thema des Interviews war der neue Präsident Brasiliens, der Amazonien den multinationalen Konzernen für weitere Zerstörungswellen überlassen will. (vn v. 20. 9.)

 

Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz plant einen „Prozess zur Erneuerung der Kirche". Das hat der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Felix Gmür, zum Abschluss der dieswöchigen Vollversammlung der Schweizer Episkopats in St. Maurice bestätigt. Ziel des Prozesses sei es, die aktuelle Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden, sagte Gmür laut dem Portal „kath.ch". Die Schweizer Bischöfe schlagen folgende Themen zur Behandlung vor: Glaube und Glaubensweitergabe, Rolle der Frauen, Zölibat und „viri probati", sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch. SBK-Generalsekretär Erwin Tanner verwies auf den „Sensus ecclesiae", den gemeinsamen Glaubenssinn der Kirche, den auch Papst Franziskus in seinem Ende Juni veröffentlichten Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland" mehrfach angemahnt hatte. (kath.ch u. kap v. 20. 9.; vn v. 22. 9.)

 

Die internationale Initiative "Voices of Faith" (VdF) hat ein Stimmrecht für Ordensfrauen bei Bischofssynoden gefordert. Nachdem bei den Bischofstreffen 2015 und 2018 im Vatikan auch Ordensleute, die Nichtpriester waren, abstimmen durften, sollten bei der Amazonien-Synode (6.-27. Oktober) Ordensfrauen das gleiche Recht haben, forderte die Initiative. „Bei den vergangenen beiden Synoden wurde das Stimmrecht auch auf nicht geweihte Katholiken ausgeweitet. Das heißt, dass Priesterschaft nicht länger ein Kriterium ist – das Geschlecht scheint aber nach wie vor eine Rolle zu spielen", so die VdF. Sie will mit zwei Veranstaltungen in Rom vor der Amazonien-Synode Aufmerksamkeit schaffen: am 1. Oktober eine Pressekonferenz und am 3. Oktober lädt die Organisation zu einer Veranstaltung unter dem Titel „And You Sister...What do you say" in die Vallicelliana-Bibliothek. Dort soll der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, der Basler Bischof Felix Gmür, über Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche berichten. Auf der Rednerliste steht auch die deutsche Theologin und ehemalige Ordensfrau Doris Wagner. (kap v. 20. 9.)

 

Die Münsteraner Theologin Dorothea Sattler hält es für theologisch möglich, dass Gott auch als Frau hätte Mensch werden können, sagte sie im Interview mit welt.de. Allerdings sei es angesichts der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor rund 2.000 Jahren von Gott klug gewesen, als Mann Mensch zu werden. Sattler leitet mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode beim geplanten „Synodalen Weg“ das Forum zum Thema Frauen. Mit Blick auf die Erlösungslehre im Christentum spielt für Sattler das Geschlecht Jesu keine Rolle: „Da ging es immer um die Menschwerdung Gottes, nicht um sein Mannwerden. Die Frage nach der Geschlechtlichkeit hatte in der Traditionsgeschichte überhaupt keine erlösungstheologische Relevanz.“ Die Tatsache, dass Jesus ein Mann und keine Frau war, spielt erst ab der kirchlichen Debatte über die Möglichkeit einer Priesterweihe für Frauen eine Rolle. (kna u. vn v 23. 9.)

 

Der Münchner Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, sagte beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung: „Es wäre es schön, in die Vergangenheit zu reisen, um einen Moment in der Zeit Jesu zu leben. Dann würden wir Zeugen dessen, was Jesus verkündigt hat. Dann könnten wir ihn erleben, wie er aufgebrochen ist, um neue Wege zu gehen". Er erinnerte daran, dass es der Auftrag der Kirche sei, sich immer wieder auf den Anfang zurückzubesinnen. „Die Forderung Jesu lautet: Jetzt ist die Stunde, jetzt ist die Zeit, heute wird getan oder auch vertan worauf es ankommt." Die Bischöfe wollen bei ihrem Treffen die Weichen stellen für den „Synodalen Weg“, der am 1. Dezember 2019 beginnt. Dabei geht es um den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, den Pflichtzölibat und um die Position von Frauen in der Kirche.( www. sueddeutsche.de v. 24. 9.)

 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sucht eine Verständigung mit der auf Kirchenreformen drängenden Initiative „Maria 2.0“ und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Schließlich gehe es um „echte Anliegen“ eines „wichtigen Teiles der Kirche“, erklärte er am Rande des Herbsttreffens der deutschen Bischöfe in Fulda. Maria 2.0 und die kfd kämpfen für die Gleichberechtigung von Frauen in der römisch-katholischen Kirche und für den Zugang zu den Weiheämtern. Becker lobte das Engagement der Frauen. Die „lebendige Weitergabe des christlichen Glaubens und eine menschenfreundliche Kirche“ seien wichtige gemeinsame Ziele. Mit den engagierten Frauen wolle er im Erzbistum Paderborn „ausloten, was wir tun können“. Dazu gehörten neben der Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche Themen wie Machtverteilung, Partizipationsmöglichkeiten, Gestaltung der priesterlichen Lebensform oder Reformen der römisch-katholischen Sexualmoral. (kna u. vn v. 25. 9.)

 

Der Generalsekretär des kirchlichen Pan-Amazonien-Netzwerks „Repam“, Mauricio Lopez, hofft auf einen Wandel durch die bevorstehende Amazonien-Synode im Vatikan. Papst Franziskus wolle „die Peripherie ins Zentrum" stellen, sagte er im Interview mit der katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er wies die Kritik von den Kardinälen Gerhard Ludwig Müller oder Walter Brandmüller zurück, die in der bevorstehenden Synode ein Instrument für einen fehlgeleiteten Umbau der Weltkirche sehen. Denn es gehe nicht primär um die Abschaffung des priesterlichen Zölibats. „Aber wir brauchen daneben neue Formen, um etwas gegen den Priestermangel unternehmen zu können. […] Die entscheidende Frage lautet: Passen wir uns in bestimmten Dingen an, oder entfernen wir uns weiter von den Menschen, denen wir helfen wollen?" (kna u. kap v. 25. 9.)

 

Das internationale Kirchenreform-Netzwerk „ICRN“ (International Church Reform Network) unterstützt die thematischen Schwerpunkte der am 6. Oktober beginnenden Amazonas-Synode. Man sei „voll Hoffnung“, dass die geplanten Themen vollständig umgesetzt werden könnten, heißt es in einer Erklärung des Netzwerks, zu dem auch die deutsche und österreichische Initiative „Wir sind Kirche“ gehören. Dabei stehe man in „fester Solidarität“ zu Papst Franziskus, der sich bemühe, eine synodale Kirche zu schaffen. Das ICRN traf sich jüngst in Warschau zu seiner Jahreskonferenz. Dabei wurde auch beschlossen, Pfarreien zu unterstützen, in denen Frauen und Männer berufen und ausgebildet werden, um Eucharistiefeiern vorzustehen. „Diese Leitung beinhaltet, verantwortlich zu sein für Seelsorge und Sakramente innerhalb der Gemeinde, wie es in der frühen Kirche Brauch war, bevor die priesterliche Weihe eingeführt wurde“, heißt es in der Abschlusserklärung. (www.die-tagespost.de v. 30. 9.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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