Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Der Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, setzt Hoffnungen auf den gestarteten „Synodalen Weg“ zur Erneuerung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Er sei „zuversichtlich, dass die katholische Kirche am Ende eine andere sein wird als jetzt“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“-Zeitung. „Die Kirche der Zukunft wird deutlich partizipativer und weiblicher sein. […] Wir brauchen das Zusammenspiel von männlicher und weiblicher Perspektive“. Als Beispiel verwies er auf sein Bistum Hildesheim, wo er die Leitung der Pfarrgemeinden umstellen werde. „Wir wollen in Teams unterwegs sein. Es ist nicht mehr nur der Pfarrer, der alles entscheidet.“ Damit es nie wieder zu sexualisierter Gewalt durch Kleriker komme, brauche die Kirche „Gewaltenteilung und eine Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit und dem Staat“. Der Bischof regte insbesondere ein Überdenken der hartnäckigen Vorstellung von der Kirche als „perfekter Gesellschaft“ an. Denn diese Vorstellung habe dazu beigetragen, „dass bestimmte Dinge nicht sein durften und man sie unter den Tisch gekehrt hat: Bloß nicht darüber reden, um nicht das Image der Kirche zu beschädigen!“ (Augsburger Allgemeine u. vn v. 2. 12.)

 

Der Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche macht eine Erneuerung ihrer Sexualmoral und zugleich eine Neubewertung des Themas Homosexualität aus kirchlicher Sicht notwendig: Das hat der Frankfurter Jesuit und Neutestamentler Prof. Ansgar Wucherpfennig in Wien unterstrichen. In seinem Vortrag im Rahmen der 14-teiligen Ringvorlesung an der Katholisch-Theologische Fakultät zum Thema „Sexueller Missbrauch von Minderjährigen: Verbrechen und Verantwortung" stellte er die These auf, dass eine solche Neuorientierung auch die „Risikogruppe" jener Kleriker verkleinern würde, die einen „zynischen", weil selbstverleugnenden Zölibat leben würden. Er erteilte zugleich der von „rechts-katholischen" Kreisen und auch im Vatikan verbreiteten These eine Absage, die homosexuelle Orientierung von Priestern sei als neurotisch zu verstehend. Freilich bestehe ein innerkirchlicher Druck, dass Priester ihre Sexualität verleugnen und damit in diesem Bereich unreif bleiben. Der Theologe zitierte dazu Daten, wonach die Opfer sexueller Übergriffe von Klerikern zu fast zwei Drittel männlich sind – ganz anders als im außerkirchlichen Kontext. Beim Thema Homosexualität bezieht sich das kirchliche Lehramt in seiner Ablehnung vor allem auf Passagen in Paulusbriefen, in denen von „widernatürlichen" Beziehungen zwischen Männern die Rede ist. Doch in Bezug auf die Geschlechterrollen bediene sich Paulus „stereotyper Werturteile, die er aus der Thora und seiner jüdisch-hellenistischen Umwelt übernahm". Das Fazit des Neutestamentlers: „Natürliche" bzw. „widernatürliche" Sexualität bei Paulus dürfe nicht mehr als Basis für ein lehramtliches Urteil über Homosexualität herangezogen werden. Im Katechismus der Katholischen Kirche werde immerhin eine homosexuelle Orientierung als nicht selbst gewählt anerkannt. Der deutsche Theologe nahm dann eine andere Stelle aus dem Römerbrief als Grundlage einer möglichen Neuausrichtung der katholischen Sexualmoral: So sei im Römerbrief (Röm 2,14f) die Rede davon, dass das Gesetz Gottes auch in die Herzen von Nichtjuden, von Heiden eingeschrieben sein könne. Eine homosexuelle Orientierung gehöre dann zur Natur derjenigen Menschen, die gleichgeschlechtliche Liebe als „in ihr Herz eingeschrieben" erfahren. Das bedeute freilich auch einen verantwortungsvollen Umgang damit: Wucherpfennig nannte Gewaltlosigkeit, Einvernehmlichkeit, Gegenseitigkeit und Verbindlichkeit als Werte, die unabhängig von Homo- oder Heterosexualität verpflichten. Und für eine Neuformulierung ihrer Sexualmoral brauche die Kirche auch die modernen Humanwissenschaften sowie die Erfahrungen der Gläubigen als zu berücksichtigenden "locus theologicus". (kap v. 3. 12.)

 

Jegliche Form der Ausgrenzung von Frauen ist intellektuell und geistlich nicht zu verantworten. Das sagte die Professorin für Dogmatik Margit Eckholt im gemeinsamen Interview mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Das Wiener theologische Online-Magazin „feinschwarz.net“ hatte die beiden zum deutschen „Synodalen Weg“ befragt. Ausgrenzung von Frauen sei „nicht zu verantworten. […] Diese Engführung der Argumentation auf die Geschlechtlichkeit des Menschen als Ausschlusskriterium im Blick auf das Sakrament der Weihe führt dazu, dass die kirchliche Argumentation immer weniger Plausibilität und Akzeptanz im Volk Gottes hat, und das betrifft nicht nur die Kirchen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, sondern auch die Kirchen des Südens.“ Sie verwies auf „die in der Gottebenbildlichkeit grundgelegte gleiche und gemeinsame Würde, die Frauen und Männern zukommt, jeglicher Diskriminierung den Riegel vorlegt und die Berufung aller – auch zu einem Dienst in Gestalt eines sakramentalen Amtes – begründet.“ Das sei die „Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Bischof Bode ergänzte, er erwarte vom „Synodalen Weg“, „dass wir zu echten Veränderungen in unserer Kirche in Deutschland kommen, besonders bezüglich einer Kirche der Beteiligung und möglichst neuer Formen für Frauen in Diensten und Ämtern, bezüglich verschiedener Fragen des priesterlichen Dienstes und der unterschiedlichen Lebensformen der Menschen.“ (feinschwarz.net u. vn v. 4. 12.)

 

Papst Franziskus hat sich einmal mehr dafür ausgesprochen, dass die Kirche an der Seite von Geschiedenen und Wiederverheirateten stehen sollte. Es gehe um einen „Weg der Begleitung und der geistlichen Unterscheidung, um Lösungen zu finden“, wie das der „großen moralischen Tradition der Kirche“ entspreche. Das sagte er bei einem Treffen mit Jesuiten während seiner Reise nach Thailand. Franziskus bezog sich ausdrücklich auf sein Schreiben „Amoris laetitia“. In einer Fußnote des achten Kapitels wird dort Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, in Ausnahmefällen die Teilnahme an der Kommunion erlaubt. (vn v. 5. 12.; JA v. 1. 12.)

 

Die Schweizer Bischöfe haben in der Stadt Lugano getagt. Es ging unter anderem um den Erneuerungsprozess in der römisch-katholischen Kirche ihres Landes. Auch wird der Westschweizer Weihbischof Alain de Raemy als Beobachter beim „Synodalen Weg“ in Deutschland an vier Synodalversammlungen teilnehmen, so der Präsident der Bischofskonferenz, der Basler Bischof Felix Gmür, im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Prozess, den die Schweizer Bischöfe unter dem Motto „Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche“ angekurbelt haben, wird zwar in den kommenden Monaten die römisch-katholische Kirche in der Schweiz prägen, doch soll dies zunächst auf lokaler Ebene geschehen und dann in den Bistümern, die mitmachen wollen. Weitere Punkte bei den Gesprächen waren das Thema „Seelsorge und assistierter Suizid“ sowie der Missbrauchsskandal. (vn v. 5. 12.)

 

Der zukünftige Kärntner Bischof Josef Marketz möchte Spaltungen überwinden und die Diözese Gurk-Klagenfurt wieder einen. Das sagte der Priester im Gespräch mit der „Kleinen Zeitung“. Er werde sich sehr für Versöhnung einsetzen und erwarte sich eine Entschuldigung von seinem Vorgänger Alois Schwarz, der als Bischof nach St. Pölten gewechselt war. Schwarz müsse „einsehen, dass manche Dinge bei Menschen anders angekommen sind, als er es erlebt hat […] Da muss man dann die Größe haben und sich entschuldigen." (vn v. 7. 12.)

 

Der römisch-katholische Moraltheologe der Universität Fribourg (Schweiz), Daniel Bogner, fordert mehr Freiraum für Laien-Beteiligung in der Kirche. Von ihrer Verfassung her habe die Kirche „die Struktur einer absolutistischen Monarchie“, sagte er in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das sei „die Ursache für so viele Probleme, auch im Zusammenhang mit dem Missbrauchs- und Vertuschungsskandal“. Vertuschung sei „nur möglich, weil Macht in der katholischen Kirche nicht kontrolliert wird“. Er fordert „verbindliche Formen der Beteiligung und Mitentscheidung“ von Laien. Die „Zweiklassengesellschaft von Laien und Klerikern und auch die Geschlechterdiskriminierung“ müssten endlich überwunden werden. Die Debatte über eine Priesterweihe von Frauen sollte „mit offenem Visier, nicht mit angezogener Handbremse“ angegangen werden. „Wie will man es sich länger leisten, die Hälfte der Gläubigen und deren Talente per se auszuschließen aus dem Amt?“ (vn v. 15. 12.)

 

Der designierte Kärntner Bischof Josef Marketz lässt in Interviews mit der „Kleinen Zeitung“ und mit „Kathpress“ aufhorchen. Gegenüber der „Kleinen Zeitung“ äußert er seinen „tiefen Wunsch“, dass es gelingt, die Klüfte und Lager in der Diözese Gurk-Klagenfurt wieder zu schließen und zu einen. Einen Beitrag dazu in Form einer Entschuldigung solle auch sein Vorgänger leisten, der jetzt in St. Pölten amtierende Bischof Alois Schwarz. „Er muss einsehen, dass manche Dinge bei Menschen anders angekommen sind als er es erlebt hat. So ergeht es uns allen immer wieder einmal. Da muss man dann die Größe haben und sich entschuldigen.“ Zur Frage des Pflichtzölibats sieht er „viele Gründe für die Abschaffung des Zölibats. […] Ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist. Ohne eigene Familie wird es ganz schwierig, würdevoll zu leben.“ Gegenüber Jugendlichen dürfe man nicht „mit moralischem Zeigefinger“ agieren. Man sollte sie Lebenserfahrungen machen lassen und die Türen offenhalten. Die Überalterung des Klerus sei eine „große Sorge“ und er setzt darauf, „viel mehr die Laien zu ermächtigen - Männer und Frauen -, in der Kirche Dienste zu übernehmen“. Die Spiritualität eines Laien mit Familie und Berufserfahrungen, die einem Priester fehlen, ist bereichernd. (JA v. 22. 12.; Der Sonntag v. 15. 12.)

 

Papst Franziskus hat das sogenannte „päpstliche Geheimnis“ im Fall von Missbrauch durch Priester aufgehoben. Diese Maßnahme führt jetzt dazu, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen. Außerdem können in Zukunft kirchenrechtlich geschulte Laien in Missbrauchsprozessen als Anwälte auftreten, was bisher Priestern vorbehalten war. Darüber hinaus verfügte der Papst, dass ab sofort der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials mit Opfern im Alter bis zu 18 Jahren zu den schwersten Straftatbeständen zählt. Bisher lag die Altersgrenze bei 14 Jahren. Damit kommt Franziskus einem Anliegen nach, das Fachleute und Bischöfe beim vatikanischen Kinderschutzgipfel im Februar geäußert hatten. Die spezifische kirchliche Geheimhaltungspflicht hatte in Missbrauchsprozessen regelmäßig zu Vertuschungen und Strafvereitelung gegenüber der weltlichen Justiz geführt. (vn v. 17. 12. u. zahlreiche Medien)

 

Für Alternativen zur Zölibatspflicht hat sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ausgesprochen. Priester sollten mit Dispens heiraten können, schlug er im deutschen Sender WDR 5 bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Kirchenreformen vor. „Wir kommen auf Zeiten zu, dass wir viel zu wenige Priester haben.“ Damit stelle sich die Frage: „Wie können wir den Ursprung zu Jesus Christus im Amt sichern?" Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, betonte im Rahmen der Diskussion, es sei wichtig, dass die Gemeinden Messen feiern können. „Wenn wir die nicht mehr feiern können, weil es nicht mehr genügend Priester gibt, dann müssen wir fragen, wie wir an Menschen kommen, die dieser Eucharistie vorstehen können. Können das nicht auch Menschen sein, die vielleicht einen anderen Beruf haben, aber in den Gemeinden leben und dafür geweiht werden?“ Der Zölibat habe auch seine guten Elemente, sei jedoch nicht das Zentrale – das sei die Eucharistie in den Gemeinden. Sternberg verwies auf das allgemeine Priestertum der Gläubigen, das auf Taufe und Firmung beruhe und sprach sich gegen Klerikalismus aus. „Wir haben ein Kirchenbild entwickelt, als gäbe es Hirten und darunter Schafe. In den alten Mosaiken in Rom sind auch die Apostel als Schafe dargestellt. Wenn wir uns klar machen, wir sind alle Schafe des einen Hirten Jesus Christus, ergibt das ein ganz anderes Bild", betonte der Kirchenhistoriker. Overbeck verteidigte auch den „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland zu den Themen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und die Rolle von Frauen in der Kirche. Die Kirche müsse sich daran messen lassen, ob sie das Heil zeitgemäß verkünde, betonte Maria Mesrian, Theologin und Mitinitiatorin der Protestinitiative Maria 2.0. „Es ist Aufgabe der Kirche, die Zeichen der Zeit zu erkennen: dazu gehören Gleichberechtigung, Gerechtigkeit in ihren Strukturen, Machtkontrolle. Wenn sie das tut, dann ist Kirche auf der Spur Jesu", so die Theologin. Sie plädierte für einen Dialog und konstruktive Kritik in der Kirche. „Wir müssen lernen, mit dem Anderen reden zu können, ohne ihm sein Katholisch-Sein sofort absprechen zu müssen“. (vn v. 20. 12.)

 

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer erhofft sich in einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“, dass das nächste Papst-Schreiben im Anschluss an die Amazonien-Synode sowohl eine Weiterentwicklung in Richtung Diakonat für die Frau bringen als auch festhalten wird, „dass bewährte verheiratete Männer Priester werden können“. Schwieriger sei die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. „Das ist eine tiefe Wunde, die ich nicht schließen kann". Er verstehe die Sehnsucht von Frauen und das Verlangen in Kreisen der Kirche. Das Votum der Tradition sage allerdings, es ist nicht möglich. (kap v. 24. 12.)

 

Homosexuelle Paare können laut dem Münchner Kardinal Reinhard Marx in der römisch-katholischen Kirche einen Segen „im Sinne einer seelsorglichen Begleitung“ bekommen. Damit werde aber keine Ehe gesegnet, sagte er in einem Interview mit dem „Stern“. Auch eine Eheschließung sei nicht möglich. „Das Sakrament der Ehe ist auf die treue Beziehung zwischen Mann und Frau ausgerichtet, die offen ist für Kinder.“ Zugleich betonte Marx, dass Homosexuelle in der Kirche willkommen seien. (kna u. vn v. 27. 12.)

 

Die vatikanische Frauenvereinigung „Donne in Vaticano“ (Frauen im Vatikan) fordert mehr Verantwortung und Mitsprache für Frauen in der Kirche. „Es muss nicht über eine Weihe von Frauen gesprochen werden, sondern über die Dringlichkeit, die Mauer der Ungleichheit von Männern und Frauen in der Kirche zu durchbrechen“, schreiben drei Gründungsmitglieder der Frauenvereinigung, darunter die Österreicherin Gudrun Sailer, in einem Artikel der aktuellen Ausgabe des vatikanischen Frauenmagazins „Donne Chiesa Mondo“. Die monatliche Beilage der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ (OS) widmet sich im Januar 2020 der Rolle von Frauen in der römisch-katholischen Kirche. Papst Franziskus habe zwar den Anteil der Mitarbeiterinnen im Vatikan erhöht, dies reiche jedoch nicht aus, heißt es in der OS-Beilage. (kap u. vn v. 29. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Die Christinnen und Muslimas in Deutschland setzen aufs gemeinsame Tun: Zuerst wird beim Karlsruher Religionsdialog das Vaterunser gebetet, dann werden Koransuren vorgetragen, sagt Annette Bernards von der Dialoginitiative Christlich-Islamischen Gesellschaft Karlsruhe (CIGK). „Früher, da war es ganz schwierig, wie man ein gemeinsames Gebet gestaltet“, blickt Annette Bernards im Interview mit Radio Vatikan auf den Beginn der CIGK 1995 zurück. Bei den Friedensgebeten sei das jetzt anders. „Da wird das Vaterunser gebetet, das ist den Muslimen inzwischen vertraut, und wir hören die Koransuren, die gesungen werden. Das ist sehr viel unkomplizierter geworden und auch ein Stück weit mutiger auf beiden Seiten. Annette Bernards leitet gemeinsam mit der gebürtigen Tunesierin Najoua Benzarti die CIGK. Auch Benzarti, die seit 37 Jahren in Deutschland lebt, spricht über viele heute gemeinsame Selbstverständlichkeiten: Ob gemeinsam Kochen oder Fußballspielen, Konferenzen organisieren oder jährlich die städtischen Anti-Rassismus-Wochen gestalten – gemeinsames Tun gehöre heute dazu, so Benzardi: „Wir haben im Rahmen des christlich-muslimischen Dialoges hier in Karlsruhe nachhaltige Traditionen gewonnen.“ Was die Glaubenstraditionen und das Beten betrifft, geht es weder um Missionierung noch darum, die Religionen zu vermischen. Das werde bei der Gestaltung gemeinsamer Gebetsveranstaltungen deutlich. Manchmal würden auch Texte der Friedenstreffen von Assisi gesprochen, ergänzt Benzarti, „eine Bereicherung!“ Und Annette Bernards berichtet: „Es geht sehr oft um den Vergleich von Bibel und Koran, dass wir zum Beispiel Propheten aussuchen und fragen: Kommen die im Koran auch vor? Was haben die gemeinsam, was nicht. […] Auch gemeinsame Ausflüge in Moschee- oder Kirchengemeinden und in eine Synagoge werden organisiert. […] Das ist der Vorteil, dass wir offen für alle Frauen sind, egal, ob sie schiitisch oder sunnitisch, gläubig oder nicht gläubig, evangelisch oder katholisch sind.“ Bestes Beispiel dafür sind die Leiterinnen der CIGK selbst: Die Islamwissenschaftlern Benzarti studierte VWL und ist Mitglied im Migrationsbeirat in Karlsruhe für den Bereich Kultur und interreligiösen Dialog. Die CIGK bemüht sich auch um interregionale Vernetzung und ist Mitglied im Dachverband „Koordinierungsrat des christlich-islamischen Dialogs". (vn v. 2. 2.)

     

  • Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) haben ihre Gespräche über den Prozess „Gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche“ fortgeführt. Bei der nächsten Sitzung wird erörtert, was genau die Anlauf- bzw. Ombudsstellen für Fragen der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sein und leisten sollen. Der SKF und der Frauenrat der SBK „schätzen das konstruktive Miteinander“ sowie „den spürbaren Willen, gemeinsam für Geschlechtergerechtigkeit innerhalb der katholischen Kirche einzustehen“, heißt es in einer Mitteilung. Die Delegation der SBK vertraten Weihbischof Denis Theurillat sowie Marlies Höchli (Frauenrat SBK). Der SKF wurde durch Vorstandsmitglied Iva Boutellier sowie Präsidentin Simone Curau-Aepli repräsentiert. Viele Katholikinnen in der Schweiz wünschen sich Reformen in ihrer Kirche, ähnlich wie etwa in Deutschland mit seinem „Synodalen Weg“. So schlägt der SKF über die Ombudsstellen für Gleichstellungsfragen hinaus auch Quoten zur Vertretung von Frauen in kirchlichen Leitungsgremien vor. Die SBK hat der SKF vorgeschlagen, Frauen mit beratender Stimme an ihren Vollversammlungen zu beteiligen. Der SKF hat für Frauen auch neue Formen der sakramentalen Sendung für Taufe und Krankensalbung gefordert. (vn v. 3. 2.)

     

  • In der Debatte um die wechselseitige Einladung zur Eucharistie- oder Abendmahlsfeier hat die römisch-katholische Theologin Dorothea Sattler das Votum deutscher Theologen gegen die Kritik Vatikans verteidigt. Der Text des Ökumenische Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK), dessen wissenschaftliche Leiterin auf römisch-katholischer Seite sie ist, sei die Frucht jahrelanger theologischer Studien, sagte sie bei einer Online-Diskussion. Dabei habe es „Fortschritte in der theologischen Wahrnehmung" der jeweils anderen Konfession gegeben. Sie finde es „abgründig traurig", dass die vatikanische Glaubenskongregation dies nicht wertschätze. Die verbleibenden Unterschiede im Amtsverständnis der Kirchen dürften nicht länger als entscheidendes Kriterium für die Kommuniongemeinschaft gelten. Vielmehr sei es heute begründungspflichtig, "warum wir nicht gemeinsam Mahl feiern", sagte die in Münster lehrende Theologin. Auch die Göttinger evangelische Theologin Christine Axt-Piscalar bescheinigte dem ÖAK-Votum, dieses entfalte auf Basis evangelischer Grundlagentexte „sehr valide" ein Verständnis des ordinierten Amtes. Damit wandte sie sich auch gegen die Kritik des Kardinals Kurt Koch, der dem Theologenpapier mit Blick auf eine entgegenstehende Praxis in der evangelischen Kirche in Deutschland eine „mangelnde Erdung" vorgeworfen hatte. (kna u. kap v. 11. 2.)

     

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