Ökumene

Am 10. Dezember fand wieder der alljährliche „Lichtermarsch für verfolgte Christen“ in Wien statt. Diesmal stand der Schweigemarsch im Zeichen des 70. Jahrestags der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“. Vertreter vieler katholischer und orthodoxer Kirchen nahmen daran teil. Der syrisch-orthodoxe Chor sang das Vaterunser in Aramäisch, der Sprache Jesu. (Christen in Not 01/2019)

 

In Frankfurt haben die Vorbereitungen zum dritten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) im Jahr 2021 begonnen. Die evangelische ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg betonte, vom dritten ÖKT solle ein „Zeichen der Hoffnung für diese Welt“ ausgehen. Der römisch-katholische ÖKT-Präsident Thomas Sternberg nannte den Kirchentag „das wohl größte kirchliche Ereignis der kommenden Jahre in Deutschland.“ Dabei stehe nicht nur der Dialog zwischen den christlichen Konfessionen im Vordergrund. Es gelte auch, im Austausch mit dem Judentum ein „klares Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus“ zu setzen, so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Auch müsse das Gespräch mit den Muslimen „einen bedeutenden Platz“ beim ÖKT bekommen. Das bundesweite Christentreffen wird vom ZdK sowie vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) veranstaltet. Die beiden Präsidenten dämpften jedoch die Hoffnungen auf eine gemeinsame eucharistische Mahlfeier. „Diese Frage ist wichtig, und sie wird weiter zu bearbeiten sein […] Wir haben bereits Zwischenlösungen und werden für die volle Gemeinschaft im Herrenmahl arbeiten“, so Sternberg. Limperg erklärte, die theologischen Differenzen in dieser Frage seien Laien nur „schwer vermittelbar“. (kna u. vn v. 11. 12.)

 

Kardinal Christoph Schönborn hat am 11. Dezember im Wiener Erzbischöflichen Palais die Patriarchen der größten Kirchen Syriens und des Iraks getroffen. Die Delegation besteht aus Kardinal-Patriarch Louis Raphael Sako (Bagdad), Patriarch Ignatius Aphrem II. (Damaskus) und Patriarch Ignatius Yousef III. Younan (Beirut) sowie zwei Weihbischöfen. Sako und Younan leiten jeweils katholische Ostkirchen (Chaldäer und Syrer), Aphrem leitet die ökumenisch ausgerichtete syrisch-orthodoxe Kirche. Die Lage im Irak sei zuletzt von Verbesserungen gekennzeichnet gewesen, sagte Kardinal Sako gegenüber der Presse. Ausschlaggebend sei die Offenheit der irakischen Staatsführung, die „nach Reformen strebt“. Größte Herausforderungen seien allerdings der extremistische politische Islam und die Abwanderung der Christen. Die Abwanderung der Christen sei auch in den Augen der moderaten Muslime eine negative Entwicklung. Wichtig seien deshalb die Wiederaufbauprojekte, etwa das „Österreich-Dorf“ Telskof in der Ninive-Ebene. Patriarch Aphrem pflichtete seinem Bagdader Amtsbruder bei und erläuterte, warum die Christen gegen einen Regimewechsel in Syrien sind: „Die jetzige Regierung ist eine säkulare Regierung. Für uns Christen ist eine säkulare Regierung das Beste. Unsere größte Angst ist, dass mit einem Wechsel eine religiöse Regierung an die Macht kommt.“ Die Patriarchen betonten ihre ökumenische Einheit im Sinne der von Papst Franziskus hervorgehobenen Ökumene des Märtyrertums bzw. „Ökumene des Blutes“. Er hob hervor, dass die Christen gemeinsam Projekte ihrer Kirchen, die von Hilfswerken finanziert werden, für Muslime öffneten. „Ungefähr 60 bis 70 Prozent der Hilfe geht in der Regel an muslimische Familien.“ Damit junge Menschen im Lande bleiben, ist im Oktober eine neue christliche Universität mit künftig fünf Fakultäten eröffnet worden. Sie ist auch offen für Muslime. (kap u. vn v. 11. 12.)

 

Trotz der Turbulenzen innerhalb der Orthodoxie liegt der Dialog der römisch-katholischen Kirche mit der russisch-orthodoxen Kirche laut Kurienkardinal Kurt Koch nicht auf Eis, sagte der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates in einem Interview auf katholisch.de. Der Konflikt entzündete sich an der Schaffung einer eigenständigen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche. Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, billigte den Schritt. Der Moskauer Patriarch dagegen verurteilte die für 15. Dezember geplante Gründung mit scharfen Worten. Wie Koch betonte, bliebe der Vatikan hier strikt neutral, er beziehe keine Position. Man halte zu allen Seiten Kontakt. (katholisch.de u. kna u. vn v. 12. 12.)

 

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., stellte die am 15. Dezember gegründete ukrainisch-orthodoxe Kirche allen bislang vierzehn eigenständigen orthodoxen Kirchen gleich. Er werde dem neugewählten Oberhaupt, Metropolit Epiphanius (39), die Bulle („Tomos“) über die Anerkennung zum orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar in Istanbul übergeben. Das Ökumenische Patriarchat nehme die „erfolgreiche“ Arbeit des Kiewer Konzils „mit großer Freude und Zufriedenheit“ auf. Epiphanius gehörte bisher der Kirche des Kiewer Patriarchats an, die sich mit einer weiteren orthodoxen Kirche der Ukraine zusammengeschlossen hat. Die russisch-orthodoxe Kirche lehnt die neue ukrainische Kirche strikt ab. In der Kiewer Sophienkathedrale hatten sich am 15. Dezember mehr als 100 Bischöfe, Priester und Laien zu einem Konzil versammelt, um die Kirchenverfassung zu beschließen und wählten Metropolit Epiphanius zum Oberhaupt. (kna u. vn v. 16. 12.)

 

Vertreter des römisch-katholischen „International Catholic Legislators Network“(ICLN) und der orthodoxen „Interparliamentary Assembly on Orthodoxy“ (IAO) tagten in der zweiten Adventswoche im Erzbischöflichen Palais in Wien. Sie beschlossen eine verstärkte Zusammenarbeit bei Themen wie „Schutz für verfolgte Christen“ weltweit oder „Überwindung des säkularen Relativismus als Wurzel ethisch-moralischer Missstände“. Das 2010 von Kardinal Christoph Schönborn mitbegründete ICLN versteht sich als unabhängige Vereinigung von Abgeordneten, die ihre Arbeit dezidiert christlich verstehen. Die IAO wurde 1994 in Griechenland gegründet. (kap u. vn v. 16. 12.)

 

Der für Österreich zuständige syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Dionysios Isa Gürbüz hat am Wiener Leopoldauer Platz den Spatenstich für die erste in Österreich zu errichtende syrisch-orthodoxe Kirche durchgeführt. (JA v. 16. 12.)

 

Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew, kam für einen Ökumene-Besuch nach Italien. Am 18. Dezember feierte er einen Gottesdienst mit russischen Migranten in der St. Nikolaus Basilika von Bari. Im Anschluss daran fand die Präsentation eines von Hilarion verfassten Buches statt, das die mehrwöchige Ausleihung der Nikolaus-Reliquien thematisiert, die 2017 in verschiedenen Kirchen Russlands ausgestellt wurden. Patriarch Kyrill I. bedankte sich bei Papst Franziskus für die Leihgabe der Reliquien. Sie habe sehr zur „Versöhnung von Ost und West" beigetragen, sagte Hilarion. Kardinal Kurt Koch, Ökumene-Verantwortlicher des Vatikan, bezeichnete die Ausleihe der Reliquien als „großes ökumenisches Ereignis“. Die erstmalige Leihgabe an Russland wurde infolge des historischen Treffens von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. in Havanna im Februar 2016 möglich. (kap u. vn. v. 18. 12.)

 

Die katholischen Bischöfe der Ukraine begrüßen die Entstehung der von Moskau unabhängigen autokephalen orthodoxen Kirche des Landes. Der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz, Bischof Bronislaw Bernacki, hat Metropolit Epiphanius seine Glückwünsche übermittelt. In einem Schreiben spricht er von einem „erfolgreichen Abschluss des Vereinigungskonzils“. Auch die griechisch-katholische Kirche der Ukraine wertete die Gründung der neuen orthodoxen Landeskirche positiv. Sie gebe den orthodoxen Gläubigen im Land „letztendlich die Möglichkeiten, ihr kirchliches Leben vollständig zu entfalten“, sagte der Sekretär der griechisch-katholischen Bischofskonferenz, Weihbischof Bohdan Dsjurach. (or u. vn v. 19. 12.; JA v. 30. 12.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

Artikelempfehlungen

Papst Franziskus hat der orthodoxen Kirche ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Neun Reliquien des hl. Petrus. Eine...
Ins Leben gerufen wurde das Gremium vom Präsidenten des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi. Rund 20...
Die katholische und die orthodoxe Kirche wollen einander als „Glieder ein und derselben christlichen Familie betrachten...