Ökumene

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet worden. Bei einem Festakt in Jerusalem rief der Ökumenische Patriarch am 6. Dezember zum vertieften Dialog der Religionen und einer Kultur der Solidarität auf. Interreligiöser Dialog könne „Vorurteile abschaffen und zu gegenseitigem Verständnis sowie friedlicher Konfliktlösung beitragen“, sagte der 77-Jährige. Die Welt habe in den vergangenen Jahren „eine ernsthafte wirtschaftliche, soziale und politische, mit dem Prozess der Globalisierung und ihren Auswirkungen verbundene Krise erlebt“. Den Herausforderungen könne nur gemeinsam begegnet werden. „Wir brauchen einander, wir brauchen eine gemeinsame Mobilisierung, gemeinsame Bemühungen, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Geist“, so der Patriarch wörtlich. Die gegenwärtige komplexe Krise sei daher „eine Gelegenheit, Solidarität zu üben“. (kna u. rv v. 7. 12.)

 

Nach dem gemeinsamen Reformationsgedenken darf der ökumenische Wagen jetzt nicht auf den Rastplatz rollen. Das sagte Papst Franziskus am 7. Dezember bei einer Audienz für die Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbunds. „Im geistlichen wie im kirchlichen Bereich gilt: Wer stillsteht, der kehrt in Wirklichkeit um.“ Er denke noch gerne an seine Teilnahme am Reformationsgedenken im schwedischen Lund vor einem Jahr zurück, sagte Franziskus. Damals hatte er als erster Papst in der Geschichte an der Feier eines Reformationstages teilgenommen. „Es war wichtig, dass wir uns vor allem im Gebet getroffen haben. […] Und im Geist Jesu, in dem wir beten, erkennen wir, dass wir Geschwister sind. Das ist der Ausgangspunkt, immer. Von hier aus blicken wir auch auf die Geschichte, die hinter uns liegt, und danken Gott dafür, dass die Spaltungen der Jahrhunderte bei allem Schmerz jetzt doch zusammengeflossen sind in einen Weg der Gemeinschaft. […] Das hat uns dazu gebracht, die alten Vorurteile aufzugeben, etwa die über Martin Luther oder über die Lage der katholischen Kirche in jener Zeit. […] Darum können wir uns nie wieder erlauben, Gegner oder Rivalen zu sein. Natürlich lässt sich die Vergangenheit nicht ändern – aber die Zukunft fordert uns gemeinsam heraus. Wir können uns jetzt der Aufgabe nicht entziehen, eine größere Gemeinschaft in der Liebe und im Glauben zu suchen und voranzubringen!“ (rv v. 7. 12.)

 

In Stuttgart hat Mitte Oktober offiziell das erste Zentrum Europas für chaldäische Christen eröffnet. Die chaldäisch-katholische Gemeinschaft „Mar Shimaon Bar Sabbai“ feierte dieses Ereignis mit einem Festgottesdienst in der Hauptstadt Baden-Württembergs mit mehr als 500 Gläubigen. Insgesamt zählt die chaldäische Gemeinde ca. 6000 Gläubige. (CSI-Zeitung 12/2017)

 

Mit einem ökumenischen Fackelzug von der Oper durch die Wiener Innenstadt bis zum Stephansdom haben am 12. Dezember hunderte Vertreter der verschiedenen christlichen Kirchen und Organisationen auf die weltweite Christenverfolgung aufmerksam gemacht. Außenminister Sebastian Kurz versprach in einem Grußwort, sich künftig im Rahmen der heimischen Politik wie auch auf EU-Ebene verstärkt für weltweite Religionsfreiheit einzusetzen. (JA v. 24. 12.)

 

Papst Franziskus hat einen guten Draht zu evangelikale Kirchen. Das bestätigen auch Vertreter der Weltweiten Evangelischen Allianz, die am 14. Dezember den Papst im Vatikan getroffen haben. Der deutsche Theologe Thomas Schirrmacher ist stellvertretender Generalsekretär der Allianz und war beim Treffen dabei: „In der heutigen Audienz unseres Generalsekretärs (Bischof Efraim Tendero) mit Papst Franziskus geht es um einen Vorschlag des Papstes, ein ständiges Komitee zu haben, das die ganzen Arbeiten und Gespräche koordiniert. […] Während auf der einen Seite unsere Theologen gründlich aufarbeiten, was wir gemeinsam haben und was uns noch trennt, gibt es andererseits eine große Kooperation im Bereich sozialer Fragen und Menschenrechte. […] Die Kontakte zwischen der Weltweiten Evangelischen Allianz und dem Vatikan sind sehr alt, andererseits muss man sagen, dass sich unter Papst Franziskus durchaus etwas geändert hat. Das hat jedoch vor allem im praktischen Bereich Folgen: Früher mussten wir monatelang auf eine Papstaudienz warten, jetzt können wir praktisch ein- und ausgehen. Damit kann man auch sehr niederschwellige Angelegenheiten sehr schnell besprechen. Dazu kommt, dass sich generell in vielen Ländern das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den Evangelikalen entspannt hat“, sagte Schirrmacher im Interview mit Radio Vatikan. (rv [=de.radiovaticana.va] v. 14. 12.)

 

Papst Franziskus und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. würdigen das Basler Taizé-Jugend-Treffen und seine ökumenische Ausrichtung. Papst Franziskus bittet in einem Grußwort, der Heilige Geist möge den evangelischen, römisch-katholischen und orthodoxen Jugendlichen helfen, „dass ihr euch an der Verschiedenheit der von Christus all seinen Jüngern geschenkten Gaben freut und euch durch sie bereichern lässt, um damit zu zeigen, dass die Freude des Evangeliums uns über alle Wunden unserer Trennungen hinweg vereint.“ Bartholomaios I. zeigte sich erfreut, dass die christliche Jugend jedes Jahr einige Tage lang „die Erfahrung einer - wenn auch unvollkommenen - Gemeinschaft macht, nach der wir uns sehnen“. Er bezeichnete Taize als einen Ort der geistlichen Ökumene und „Schmelztiegel der Versöhnung“. An diesem Ort würden nach der beeindruckenden Vision von Frère Roger Schutz, seinem Gründer, Christen zueinander finden. Der Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche der Stadt Basel, Lukas Kundert, bezeichnete es als „besonders bedeutungsvolles Zeichen, das Reformationsjahr mit einem ökumenischen Treffen beenden zu können, das besonders das Verbindende und nicht das uns Trennende hervorhebt“. Auch der Dekan der römisch-katholischen Kirche von Basel, Stefan Kemmler, betonte die Wichtigkeit, dass sich Christen verschiedener Herkunft einander kennenlernen. (kap u. vn [=www.vaticannews.va] v. 15. 12.)

 

London bekommt eine Bischöfin: Sarah Mullally, bislang anglikanische Bischöfin von Crediton, wurde am 18. Dezember zur Nachfolgerin von Richard Chartres (70) ernannt, der Anfang 2017 in den Ruhestand trat. Die 55-jährige frühere Krankenschwester und verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder ist damit die höchstrangige Amtsträgerin in der Geschichte der anglikanischen Staatskirche von England, die Nummer drei in der anglikanischen Hierarchie nach den Erzbischöfen von Canterbury und York. Sarah Mullally war mehr als 30 Jahre lang im Gesundheitsdienst tätig. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. Die anglikanische Generalsynode hatte Ende 2014 die Rechtsvorschriften für die Weihe von Bischöfinnen gebilligt. Ein Drittel des anglikanischen Klerus in England ist inzwischen weiblich. (JA v. 31. 12.)

 

Eine hohe Ökumene-Auszeichnung erhalten Kardinal Reinhard Marx (München) und der bayrische evangelische Bischof Heinrich Bedford-Strohm. Mit dem Ökumenischen Preis der Katholischen Akademie in Bayern werde zum Ende des Reformationsgedenkjahres das „leidenschaftliche Bemühen“ und das „außerordentliche Engagement“ der beiden Spitzenvertreter ihrer Kirchen um die Ökumene gewürdigt. Neben Buß- und Bittgottesdiensten, Tagungen, Besuchen und Begegnungen hätten sich vor allem die gemeinsamen Gebete eingeprägt, so die Begründung der Akademie. Durch gemeinsame Auftritte seien die höchsten Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Deutschland zu „ökumenischen Symbolgestalten“ geworden. Beim Festakt in der Münchner Akademie wurde der mit 10.000 Euro dotierte Preis am 18. Dezember überreicht. (vn v. 18. 12.)

 

Wie die Diözese Eisenstadt mitteilte, wird nun doch – wie von Anfang an geplant – in St. Andrä am Zicksee das erste orthodoxe Kloster in Österreich gebaut. Metropolit Arsenios (Kardamakis) teilte dem neuen Bürgermeister von St. Andrä, Andreas Sattler, diese Entscheidung in einem Schreiben am 6. Dezember mit. Für die Diözese Eisenstadt sprach Bischof Ägidius Zsifkovics von einem „großen Tag für die Ökumene, das Burgenland und Europa“. In einer neuerlichen Volksabstimmung der Region sprachen sich rund 60 Prozent der Bevölkerung für das Kloster aus. „Die klar überwiegende Mehrheit der St. Andräerinnen und St. Andräer hat im demokratischen Weg der Volksabstimmung als höchste Instanz der Meinungsbildung dem Projekt ihre Zustimmung erteilt und steht diesem positiv gegenüber“, so der Bürgermeister in einem Schreiben an den Metropoliten. (JA v. 24. 12.)

 

In Italien hat sich erstmals ein „Ökumenischer Rat christlicher Kirchen in Italien“ konstituiert. In Österreich wurde ein Ökumenischer Rat der Kirchen bereits 1958 gegründet. (JA v. 24. 1)

 

Zwei neue Ausstellungen in Moskau und Rom verweisen auf die Annäherung zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche bzw. zwischen Russland und dem Vatikan: In Moskau wird die Ausstellung „Die Romanows und die Päpstlichen Staaten: 1613-1917. Russland und der Vatikan" gezeigt. In Rom ist im Palazzo della Cancelleria die Foto-Ausstellung „Barmherzigkeit in Russland“ zu sehen. Der Leiter des Russischen Staatsarchivs, Andrej Artizow, sagte bei der Eröffnung der Ausstellung, dass die Beziehungen zwischen Russland und dem Vatikan rund 500 Jahre zurückreichen. Es habe zwar immer wieder Unterbrechungen dieser Beziehungen gegeben, aber letztendlich habe der „gesunde Menschenverstand“ und der Wunsch nach Dialog immer die Oberhand behalten. Auch der Apostolische Nuntius in Moskau, Erzbischof Celestino Migliore, meinte, die Ausstellung sei eine Wegmarkierung auch für das heutige Zusammenwirken des Vatikan und der Russischen Föderation. Die Exponate stammen nicht nur aus dem vatikanischen Archiv, sondern auch aus dem Russischen Staatsarchiv, aus den Kreml-Museen, aus der Eremitage und aus dem Historischen Archiv des russischen Außenministeriums. Die Foto-Ausstellung „Barmherzigkeit in Russland“ in Rom geht auf eine gemeinsame Initiative des Charity-Fonds des Heiligen Gregor des Theologen, der Vereinigung „Sophia: Russische Idee, europäische Idee“, der Internationalen Akademie „Sapientia et Scientia“ und der Stiftung „Dialogue of Cultures - One World“ zurück. Nach Angaben der Kuratorin der Ausstellung, Ekaterina Sobolewa, war das von Papst Franziskus proklamierte „Jahr der Barmherzigkeit“ Ausgangspunkt für die Ausstellungsidee: „Wir wollten die karitative Tätigkeit der russisch-orthodoxen Kirche darstellen, unter Berücksichtigung der spirituellen Komponente“. Die Fotos der Ausstellung im Palazzo della Cancelleria stammen aus privaten, staatlichen und kirchlichen Archiven, sowie aus dem Archiv der russischen Nachrichtenagentur TASS und dem Archiv des Moskauer Patriarchats. (vn u. KAP v. 26. 12.; JA v. 7. 1.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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