Ökumene

Papst Franziskus hat der orthodoxen Kirche ein ganz besonderes Geschenk gemacht: Neun Reliquien des hl. Petrus. Eine orthodoxe Delegation war – wie gewohnt – zum römischen Patronatsfest Peter und Paul (29. Juni) im Vatikan. Nach der Festmesse nahm der Papst den griechisch-orthodoxen Bischof Job Getcha von Telmessos mit in den Apostolischen Palast. Dort griff er zu einem bronzenen Reliquiar, das sein Vorgänger Paul VI. 1971 hier aufgestellt hat. „Einige Knochen, die im Hypogäum der Vatikanbasilika gefunden wurden und für Knochen des hl. Apostels Petrus gehalten werden“, steht in lateinischer Sprache darauf. Der griechisch-orthodoxe Bischof war überrascht, als der Papst ihm dieses Reliquiar überreichte. Patriarch Bartholomäus I. reagierte mit großer Freude, als er davon erfuhr, und bedankte sich öffentlich während des Gottesdienstes zum Apostelfest in der orthodoxen Kirche seines Amtssitzes in Istanbul. „Das ist für uns ein außergewöhnliches und unerwartetes Ereignis […] Das ist ein Riesenschritt hin zur konkreten Einheit“, sagte Bischof Job. Nun befinden sich neun Stück der Knochenreste, die im 20. Jahrhundert bei Ausgrabungen unter der Peterskirche an der Stelle des mutmaßlichen Petrusgrabes gefunden wurden, nicht mehr im Vatikan, sondern in Istanbul. (vn v. 1. 7.)

 

In der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz AACC herrscht Aufbruchsstimmung mit Blick auf ihren neuen Fünfjahres-Strategieplan. In dem ambitionierten, aus sechs Säulen bestehenden Plan hat der Dachverband von protestantischen, anglikanischen, orthodoxen und indigenen Kirchen neue Arbeitsfelder für sich entdeckt. Laut AACC-Generalsekretär Fidon Mwombeki sollten sich die AACC und ihre Mitglieder näherkommen, so Mwombeki, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania, der das Amt des Generalsekretärs im Jänner übernommen hat. Dem AACC gehören 193 Mitglieder an, darunter Kirchen, nationale Kirchenräte, theologische Ausbildungs- und Laienschulungszentren und andere christliche Organisationen aus 42 afrikanischen Ländern. Die in Nairobi ansässige Organisation repräsentiert etwa 140 Millionen Christinnen und Christen in Afrika. Nach Angaben Mwombekis wird die Strategie für die Jahre 2019 bis 2023 bereits in Teilbereichen umgesetzt, besonders in Form von Aktivitäten im Bildungsbereich. Theologie, interreligiöse Beziehungen und Entwicklung kirchlicher Führung, Genderfragen, Frauen und junge Erwachsene, Frieden, Diakonie und Entwicklung und Advocacy-Arbeit bei der Afrikanischen Union sind wichtige Bestandteile der Programmarbeit. Mit Blick auf die junge Generation plant die AACC eine Kampagne mit dem Titel „Afrika, meine Heimat, meine Zukunft". Höhepunkt soll ein afrikanischer Jugendkongress mit rund 10.000 Teilnehmern sein. (kna v. 11. 7.)

 

Die römisch-katholische und die russisch-orthodoxe Kirche wollen ihre Zusammenarbeit für die Unterstützung der Christen im Nahen Osten stärken. Das war die zentrale Botschaft eines zweitägigen Treffens von Vertretern des Moskauer Patriarchats bei der internationalen Zentrale der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not" in Rom. Den im Februar 2016 in Havanna getätigten Aufruf von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill zu gemeinsamen Hilfsprojekten in Syrien und im Irak gelte es weiterhin nachzukommen. Konkret geplant wurden gemeinsame Initiativen, die den Jugendlichen in Syrien und im Irak – unabhängig von ihrer Konfession – eine Zukunft ermöglichen sollen. Diese Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch" sein, so die Teilnehmer der Begegnung. Der russisch-orthodoxen Delegation gehörten u.a. an: der Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Stefan (Igumnov), die Direktorin des Moskauer Hilfsfonds „Poznanie", Ekaterina Myazdrikova sowie der Prorektor des Moskauer Postgraduierteninstitutes, Hieromonach Ioann (Kopeykin). (kap v. 19. 7.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Konkrete Maßnahmen gegen Hassreden, will das „Internationale Dialogzentrum König-Abdullah“ (KAICIID) in Wien setzen. Dafür werden knapp 1,5 Millionen Euro im Jahr 2020 zur Verfügung gestellt. Das gab der Generalsekretär des KAICIID, Faisal Bin Muaamar, in einer Aussendung bekannt. Unterstützt werden Projekte in Europa und dem Nahen Osten, in Myanmar, Nigeria und der Zentralafrikanischen Republik. Die Initiative ist auf einer KAICIID-Tagung zum Thema „The Power of Words“ in Wien ins Leben gerufen worden. An der Tagung haben mehr als 150 Führungspersönlichkeiten aus den Bereichen Religion, Politik, Kultur und Medien teilgenommen, darunter der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ayuso Guixot. (kap u. vn v. 1. 11.)

     

  • Die Grundform des priesterlichen Dienstes in der römisch-katholischen Kirche wird die ehelose Lebensform bleiben, betonte Kardinal Christoph Schönborn in einem Fernsehinterview. Er habe sich trotzdem bei der Amazonien-Synode für die Weihe bewährter verheirateter Männer zu Priestern in Ausnahmefällen ausgesprochen und für diesen Vorschlag im Schlussdokument votiert. (kap u. vn v. 4. 11.)

     

  • Es ist eine ökumenische Premiere in Österreich: Erstmals tagen die Mitglieder der römisch-katholischen sowie der orthodoxen Bischofskonferenz gemeinsam. Das Treffen findet ab 4. November im Wiener Erzbischöflichen Palais statt. Nach einem Austausch über Themen, die für beiden Kirchen relevant sind, wird um 18.30 Uhr eine gemeinsame Vesper in der griechisch-orthodoxen Kathedrale (Fleischmarkt 13, 1010 Wien) gefeiert, zu der alle Gläubigen eingeladen sind. Der gemeinsame Teil der Tagung endet mit einem Empfang des griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenois (Kardamakis), der auch Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich ist. Danach diskutierte der rein römisch-katholische Episkopat u. a. die Ergebnisse der Amazonien-Synode, an der Kardinal Schönborn teilgenommen hatte. (kap u. vn v. 3. 11.)

     

Artikelempfehlungen

Dies äußerte sie in einer Rede am 26. August auf der „Medef Summer 2015“-Universitäts-Konferenz in Jouy-en-Josas in...
die Absätze Nr. 52 und 53 über Wiederverheiratete Geschiedene und den Absatz Nr. 55 über Homosexualität. Damit sind...