Ökumene

Die römisch-katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland wollen mit einem ökumenischen Glockenläuten ein Zeichen der Zuversicht in Zeiten der Corona-Pandemie setzen. Am Abend des Palmsonntags sollen zu Beginn der Karwoche um 19.30 Uhr alle Kirchenglocken in Deutschland ebenso läuten wie am Ostersonntag um 12.00 Uhr. Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, soll das Läuten Hoffnung vermitteln, im Sinn der Osterbotschaft: „Der Tod hat keine Macht über das Leben“. „Läuten wir, um die Herzen der Menschen zu erreichen“, sagt der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. (vn v. 3. 4.)

 

„Pro Oriente“-Präsident Alfons M. Kloss und sein Stellvertreter, Domdekan Univ.-Prof. Dr. Rudolf Prokschi, betonen in einem österlichen Wort an die ökumenischen Dialogpartner den Auftrag, „die tiefe Einheit in so vielen wesentlichen Dimensionen unseres Menschseins und Glaubens, die uns mit Christinnen und Christen in den orthodoxen und orientalischen Kirchen verbindet, noch intensiver zum Leben und zum Leuchten zu bringen. […] Wir wissen uns in diesem Sinne in großer Solidarität mit unseren orthodoxen und orientalischen Schwestern und Brüdern verbunden. […] So können wir auf bekannten, aber vielleicht auch neuen Wegen entdecken, was und wer uns gemeinsam trägt. In Zeiten der Krise soll die frohe Botschaft des Evangeliums noch deutlicher unser gemeinsamer Leitfaden sein, soll uns das Gebet noch mehr verbinden. Im Glauben an die Auferstehung und das Leben sind wir vereint!“ (pro-oriente.at v. 8. 4.)

 

Ein eindrucksvolles Zeichen der Ökumene war ein ökumenisches Gebet zur Todesstunde Jesu an der historischen „Heiligen Stiege“ im burgenländischen Forchtenstein in Erinnerung an den 75. Jahrestag der Hinrichtung Dietrich Bonhoeffers. Die lange Stiege mit dem oben stehenden großen Kreuz und der Schmerzensmutter wurde auf Initiative von Fürst Paul Esterházy 1713 errichtet. Das Ökumenische Karfreitagsgebet mit dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics und dem burgenländischen Superintendenten Manfred Koch begann mit einer Schweigeminute, die auch daran erinnern sollte, dass der Karfreitag für die österreichischen Evangelischen kein staatlicher Feiertag mehr ist. Bischof Zsifkovics hatte katholischerseits stets vehement gegen die diesbezügliche gesetzliche Regelung protestiert und gesagt, dass er „diesbezüglich ein Protestant sei". Die Heilige Stiege in Forchtenstein ist ebenso wie die in Rom ein Ort des Gebetes. Nach altem Brauch bewältigen die Gläubigen betend die Stufen: in der Mitte auf den Knien oder am Rande stehend. (martinus.at v. 8. 4.; kathpress.at v. 9. 4.)

 

Die Karwoche und Ostern werden dieses Jahr von der Corona-Pandemie überschattet. In dieser Situation haben die Kommission der Europäischen Bischöfe und die Konferenz europäischer Kirchen (KEK) eine gemeinsame Osterbotschaft geschrieben. Das gemeinsame Schreiben verweist auf die christliche Hoffnung: „Mehr denn je erinnern uns die aktuellen Ereignisse daran, wie sehr Hoffnung eine Dimension des Glaubens ist. […] Möge das Osterevangelium diesen Hauch von Hoffnung in den Herzen und Gedanken der Christen wecken, möge der Atem Gottes unsere unerschütterliche Erwartung beseelen, damit die Kirche und jeder Einzelne von uns zu Trägern der Hoffnung und des Lichts in unserer von viel Leid heimgesuchten Welt werden.“ Die KEK vereinigt 114 Kirchen orthodoxer, protestantischer und anglikanischer Traditionen aus ganz Europa. (vn v. 8. 4.)

 

Botschaften von Balkonen haben in der derzeitigen Coronakrise schon Tradition. Die meisten Kirchen in Tirol und Salzburg werden am Ostersonntag um 9.55 Uhr die Glocken erklingen lassen. Zeitgleich laden die römisch-katholische, die evangelische Kirche sowie andere christliche Kirchen ein, kurz vor 10 Uhr am Vormittag von Balkonen oder Gärten aus den Nachbarn die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu auszurufen: „Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden!“ Erzbischof Franz Lackner, Bischof Hermann Glettler, Superintendent Olivier Dantine sowie Vertreter anderer Kirchen und freier christlicher Gemeinden stehen hinter dieser ökumenischen Aktion. Der alte und in der Orthodoxie bis heute verwendete Gruß am Ostertag lautet: „Christus ist auferstanden!“ („Christos anesti!“) Der Gruß wird erwidert mit: „Er ist wahrhaft auferstanden!“ („Alithos anesti!“) (www.dibk.at v. 11.4.)

 

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat eine kirchliche Soziallehre mit dem Titel „Für das Leben der Welt - Das Sozialethos der orthodoxen Kirche“ veröffentlicht. Der Text geht überraschend ausführlich auch auf die „Erneuerung des Frauendiakonats“ ein, berichtet Vatican News: Es gelte in Zukunft intensiv darüber nachzudenken, „wie Frauen am besten am Aufbau des Leibes Christi teilhaben können, und das schließt auch die Erneuerung des Frauendiakonats mit ein“, heißt es wörtlich. Konfessions- und auch religionsverbindende Ehen werden gebilligt. Auch den Einsatz künstlicher empfängnisverhütender Mittel lässt die orthodoxe Kirche ausdrücklich zu. Am Ideal vorehelicher Enthaltsamkeit halte man dagegen fest. Diskriminierung und Verfolgung wegen der sexuellen Überzeugung sowie jede Art von Kindesmissbrauch seien nicht hinnehmbar. Es war vor allem die US-Diaspora des Ökumenischen Patriarchats unter der Leitung von Erzdiakon John Chryssavgis, die mit der Endredaktion, betraut wurde. Der Text ist bislang in zwölf Sprachen erschienen. Das Dokument beschäftigt sich unter anderem auch mit den Themen Umwelt, Bioethik, Ökumene und Religionsfreiheit. (Ja v. 19. 4.)

 

Papst Franziskus hat in seinem Mittagsgebet der Christen gedacht, die nicht am 12., sondern am 19. April das Osterfest feiern: „Ich wünsche den Brüdern und Schwestern der Ostkirchen, die heute das Osterfest feiern, ein gesegnetes Fest. Gemeinsam verkünden wir: ‚Der Herr ist wahrhaft auferstanden!‘ (Lk 24,34). Gerade in dieser Zeit der Prüfung spüren wir, was für ein großes Geschenk die Hoffnung ist, die aus der Auferstehung mit Christus erwächst! Besonders freue ich mich mit den katholischen Gemeinschaften des Ostens, die aus ökumenischen Gründen Ostern zusammen mit den Orthodoxen feiern.“ (vn v. 19. 4.)

 

Nach sechs Wochen ohne öffentliche Gottesdienste haben die evangelische Pfarrerin in Essen, Hanna Jacobs, und Bernd Wolharn, römisch-katholischer Cityseelsorger am Dom, in einem Autokino vor 180 Autos ein ökumenisches Gebet organisiert. Rund 450 Frauen, Männer und Kinder nutzten die Gelegenheit, um wieder in Gemeinschaft zu beten. Während der Feier sorgten neue Formen für Verbundenheit: Statt Applaus gab es Hup-Konzerte, und anstelle eines winkenden Danks an den lieben Gott bewegen sich am Ende 180 Scheibenwischer-Paare. „Wo ist das Leben in Fülle, wenn man seit sechs Wochen müde ist, weil sich Home-Schooling und Home-Office schlecht vereinbaren?“, fragte Pfarrerin Jacobs in ihrer Predigt und meinte dazu: „Fülle ist genau da, wo wir mehr haben als notwendig, mehr als ich unbedingt zum Leben brauche“. Wolharn sprach von „unheimlichen, verrückten Zeiten. […Aber] als Christen glauben wir, da gibt es einen, der uns Sicherheit gibt: unser wunderbarer Hirt.“ Am Ende fuhren viele Teilnehmer mit ihren Autos an der Bühne vorbei und winkten den beiden Seelsorgern zum Abschied zu. (www.bistum-essen u. vn v. 27. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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