Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Im Zeichen der Erinnerung an die vor fünf Jahren in Libyen ermordeten „koptischen Märtyrer“ sind in der oberägyptischen Stadt Samalut ein Denkmal sowie ein Museum eröffnet worden. (JA v. 1. 3.)

 

Jüdische, christliche und islamische Theologen der deutschen Universität Münster sprechen sich für einen pluralistischen Religionsunterricht an Schulen aus. Keine Religionsgemeinschaft dürfe mehr die Auffassung vertreten, nur die eigene Religion besitze die Wahrheit, sei anderen überlegen. (JA v. 1. 3.)

 

Ein noch ungewohntes Podium für interreligiöse Treffen kam in Rom zusammen: normalerweise männliche Vertreter der Weltreligionen. Heute waren es die Frauen, die zu Wort kamen. Die Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) und Frauen weiterer Religionen haben die christlich-muslimische „Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen“ von Papst Franziskus und Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Ahmad Al-Tayyeb, vom Februar 2019 gewürdigt. Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung unter dem Titel „Frauen – Protagonistinnen der menschlichen Geschwisterlichkeit“ sichern in ihrem Schlussstatement ihre Unterstützung für die Umsetzung der Erklärung zu: „Wir Frauen des Glaubens stimmen, ausgehend von unseren verschiedenen religiösen Perspektiven, darin überein, uns selbst und andere zu einer geschwisterlicheren Welt hin zu bilden.“ Die Erklärung vom Februar 2019 sei „ein einzigartiges Dokument“. Sie betont die Rechte von Frauen, Kindern, Jugendlichen, „aber vor allem der gesamten Menschheitsfamilie“ und unterstreicht, dass „Pluralismus und die Vielfalt der Religionen, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Rasse und der Sprache“ von Gott gewollt seien. Es werden auch „konkrete Aktionen“ angekündigt. Alle Gläubigen und alle, „die sich wünschen, in Frieden und Gerechtigkeit zusammenzuleben“, seien gerufen, sich dem interreligiösen Statement der Frauen anzuschließen. „Frauen können mehr als nur Frauenthemen. Wir brauchen ihren Input in allen Belangen, besonders im interreligiösen Dialog“, ließ der Präsident des Päpstlichen Dialogrates, Kardinal Miguel Angel Ayuso, in seinem anfangs verlesen Grußwort mitteilen. WUCWO hat gemeinsam mit dem Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog diese internationale Veranstaltung organisiert. (vn v. 3. 3.)

 

Ein junger Christ wurde in Punjab (Pakistan) brutal ermordet. Die Nationale Kommission für interreligiösen Dialog und Ökumene (NCIDE) und die Kirche von Pakistan verurteilen die Tat mit deutlichen Worten und fordern Gerechtigkeit. Nach Informationen des vatikanischen Fides-Dienstes kamen angesichts dieser religiös motivierten Gewalttat in Lahore mehrere christliche und muslimische Religionsführer zusammen, um über ein gemeinsames Vorgehen in dieser Angelegenheit zu beraten. Den Mord an Saleem Masih nannten sie ein „barbarisches, unmenschliches und grausames Verbrechen“. Francis Nadeem, Provinzial des Kapuzinerordens in Pakistan, erklärte gegenüber Fides: „Es liegt in der Verantwortung des Staates, allen Bürgern des Landes Sicherheit ohne jegliche Diskriminierung zu bieten.“ Christliche wie muslimische Religionsführer verurteilten die Verfolgung der Christen in Pakistan, so Nadeem weiter. Gleiches gelte für die Diskriminierung von Muslimen in Indien. Diskriminierende Gesetze und Verhaltensweisen müssten endlich abgeschafft werden. (fides u. vn v. 6. 3.)

 

In der Hauptstadt Ghanas, Accra, wird bald die erste nationale interkonfessionelle Kathedrale entstehen. Es handelt sich um ein Projekt der Regierung und der christlichen Führer des Landes, darunter dem emeritierten Erzbischof von Accra, Charles Palmer-Buckle. Die Bauarbeiten begannen am 6. März, dem 63. Jahrestag der Unabhängigkeit Ghanas. Der erste Baustein stammt aus Jerusalem und wurde dem Präsidenten Ghanas, Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, vom israelischen Botschafter überreicht. An der Zeremonie nahmen die wichtigsten Regierungs- und Religionsbehörden des afrikanischen Landes teil. Die vom ghanaischen Architekten David Adjaye Obe entworfene künftige interkonfessionelle Kathedrale vermischt moderne, von der christlichen Symbolik inspirierte Architekturelemente mit anderen Elementen aus dem lokalen Kulturerbe und wird bis zu 5.000 Menschen aufnehmen können. „Konzipiert als Symbol der Einheit, Harmonie und Spiritualität der Ghanaer“, heißt es auf der Internetseite der Projektverantwortlichen. In dieser Kirche sollen die Gläubigen aller christlichen Konfessionen zu Gottesdienst, Meditation, Liturgien und Begräbnisriten zusammenkommen. (vn v. 10. 3.)

 

Vertreter von acht Kirchen und Religionsgemeinschaften rufen in einem Video anlässlich der Coronakrise zur Solidarität auf über alle religiösen und ideologischen Grenzen hinweg. „Es soll ein freundschaftliches und verbindendes Zeichen sein, wenn acht Religionsgemeinschaften in dieser herausfordernden Zeit gemeinsam die Stimme erheben", so der Initiator der Grußbotschaft, der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist, zum Anliegen des Videos (auf Youtube). Zu sehen und zu hören sind der Wiener römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Superintendentialkuratorin Petra Mandl (Evangelische Kirche), P. Nikolaus Rappert (Orthodoxe Kirche), Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, Imam Ramazan Demir, Walter Hessler (Neuapostolische Kirche), Gursharan Singh Mangat (Sikhs), und Gerhard Weißgrab (Buddhistische Religionsgesellschaft). Die Vertreter der Religionen arbeiten seit rund fünf Jahren im Projekt „Campus der Religionen" in der Wiener Seestadt zusammen. Hier soll in den kommenden Jahren auf einem großen Grundstück ein Campus entstehen mit religiösen Stätten und Versammlungsräumen jeder einzelnen Kirche und Religionsgemeinschaft. (kap u. www.kleinezeitung.at v. 21. 3.)

 

Spitzenvertreter der verschiedenen Religionen und christlichen Kirchen haben in Jerusalem für ein Ende der Corona-Pandemie gebetet. Bei dem beispiellosen Treffen vor den Mauern der Altstadt trugen sie Gebete ihrer jeweiligen religiösen Tradition vor.  „Wir sind alle Söhne Abrahams“, erklärte der Kustos des Heiligen Landes, Franziskanerpater Francesco Patton, in einem Interview mit Radio Vatikan. „Darum haben wir alle in gewisser Weise diese gemeinsame Wurzel, um den Allerhöchsten anzurufen. Wir Christen haben das Vaterunser gewählt, das christliche Gebet par excellence, das mit der Bitte ‚Erlöse uns von dem Bösen‘ endet. […] Wir haben mit den zwei anderen, großen Gemeinschaften – den griechischen und den armenischen Christen – vereinbart, dass die Jerusalemer Grabeskirche weiter ein Ort des Gebets sein soll. Unsere Gemeinschaften, die im Inneren der Basilika leben, setzen also den regulären Gebetsrhythmus fort, beziehungsweise intensivieren ihn noch weiter.“ Aus Sicherheitsgründen dürfen Besucher nur zu einer Liturgie – und nur in begrenzter Zahl – in die Grabeskirche hinein. (vn v. 26. 3.; JA v. 5. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

Artikelempfehlungen

Bei der jüngsten Sitzung des Pastoralrates der Erzdiözese Salzburg rief Erzbischof Franz Lackner die in der Kirche...
Die syrisch-orthodoxen Christen dürfen die römisch-katholischen Kirchen benützen. Weil die Türkei im Vertrag von...