Innerkirchliche Reformansätze: (Frauen, Zölibat, wiederverheiratet Geschiedene, Moral ..)

Zum ersten Mal seit 1983 ändert ein Papst das kirchliche Gesetzbuch „Codex Iuris Canonici“ (CIC) substantiell. [P. W.: 1983 bis 2017 gab es nur unwesentliche Änderungen.]: Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, als Lektorinnen oder Akolythinnen im Altarraum einen offiziellen Dienst zu tun, streicht Papst Franziskus ein Wort, und zwar: „männlich“: Somit beginnt der Satz in CIC c. 1024 jetzt nur mehr mit „Laien, die das Alter und die Begabung haben…“  [P. W.: Es gäbe noch zahlreiche Stellen des CIC, wo „männlich“ bzw. „Mann“ gestrichen werden sollte!] (Wir-sind-Kirche-Zeitung Nr. 109/2021)

 

Erstmals in der Geschichte des Bistums Mainz soll eine Frauenkommission installiert werden. Die zwölf Frauen für dieses Gremium sollen bei einer digitalen Frauenversammlung am 19. Juni bestimmt werden. Als Aufgabe der neuen Frauenkommission nennt das Bistum unter anderem „Reflexion und Ausarbeitung von Schritten" darüber, wie sich eine „Beteiligung von Frauen sowie Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen und in den Strukturen fördern und umsetzen lässt". Die Kommission geht auf Vorschläge aus der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und dem Katholischen Deutschen Frauenbund an Bischof Peter Kohlgraf zurück. Das Gremium wird für zwei Jahre gewählt und soll Bischof und Diözesanpastoralrat beraten. (welt.at u. sz.at v. 8. 4.)

 

Der Augsburger Bischof Bertram Meier spricht sich für das Diakonat von Frauen als eigenes Amt in der römisch-katholischen Kirche aus: „Darin sehe ich die Zukunft: eine Beauftragung für den diakonischen Dienst für Frauen, aber auch geformt mit eigenem Profil“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“. Beim Diakonat für Frauen gebe es mehr Spielraum für Reformen als bei der Priesterweihe für Frauen. „Wir müssen die Ungleichzeitigkeit in dieser römisch-katholischen Kirche sehen.“ Seit 1968 können auch verheiratete Männer zu „Ständigen Diakonen“ geweiht werden. (kna u. vn v. 11. 4.)

 

Der Erzbischof von München/Freising, Kardinal Reinhard Marx, fordert einen anderen Umgang Vatikans mit den deutschen Bischöfen. „Die Art und Weise der Kommunikation muss grundsätzlich anders werden. Sie irritiert doch sehr", sagte er im Interview mit der Zeitschrift „Publik-Forum". „Da bekommt man knapp vorher eine Information, dass ein Schreiben der Glaubenskongregation zum Verbot der Segnung homosexueller Paare veröffentlicht wird. So geht das nicht. Wir Bischöfe sind nicht einfach der verlängerte Arm der Glaubenskongregation, wir sollten auch gehört werden." Der „Synodale Weg" sei eine wichtige Antwort auf die bekannt gewordenen Fälle sexueller Gewalt. Außerdem sei er wichtig, um Vertrauen wieder herzustellen. Aus dem Vatikan wünscht er sich mehr Offenheit: „In Rom müsste die weltbeste Fakultät für Theologie sein. Referentinnen und Referenten auf Kongressen dürften nicht danach ausgesucht werden, ob sie nur ‚auf Linie‘ liegen oder nicht", so Marx (dpa u. sz v. 28. 4.)

 

Das Erzbistum Paderborn hat sich durch den Frauen-Karriere-Index (FKi) extern bewerten lassen wie es in einer Presseerklärung heißt. „Damit setzen wir ein Zeichen für die bereits bestehenden Initiativen, um Frauen in der Entfaltung ihres Potenzials zu unterstützen“, freut sich Erzbischof Hans-Josef Becker. „Gleichzeitig wollen wir bei diesem gesellschaftlich wichtigen Thema weiter mutig vorangehen. Unsere Zielrichtung ist klar: Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen bringen.“ Laut Bewertung des Frauen-Karriere-Index ist das Erzbistum Paderborn insgesamt auf einem guten Weg. Der Anteil von Frauen in Führung liegt bei knapp 29 Prozent. Der Gesamtfrauenanteil unter den Beschäftigten in Paderborn ist mit 65 Prozent bereits hoch. Der „Frauen-Karriere-Index“ wird vorwiegend in der Wirtschaft genutzt, um die Förderung von Frauen in Führung zu evaluieren. (vn v. 29. 4.)

 

Für den Frauendiakonat hat sich der Basler Bischof Felix Gmür in einer Twitter-Botschaft ausgesprochen: „Vielen Frauen verdanken wir, dass die Kirche für andere Menschen da ist. […] Auch das spricht für das Frauendiakonat“, so Gmür. Die heilige Katharina von Siena sei eine „Diakonie-Ikone“. Sie stehe deshalb für alle Frauen, die heute kirchliche Diakoniearbeit leisteten, ohne dass sie zur Diakonin geweiht seien. In Anspielung auf die Amazonas-Synode 2020 meinte ein Sprecher der Diözese, diese verbinde sich mit der Hoffnung, „dass die Weltkirche dereinst vielleicht gebiets- und kulturspezifische Lösungen akzeptiert“. (kath.ch u. vn v. 30. 4.)

 

Der Synodale Weg ist ergebnisoffen, aber er muss sich dem Heiligen Geist, dem Gebet und der Stille öffnen, um mehr zu sein als ein Kirchen-Parlament, sagte Papst Franziskus zu Angehörigen der Katholischen Aktion Italien. Denn Italiens Kirche nimmt in Kürze ihren eigenen „Synodalen Weg“ auf. In seinen Ausführungen erklärte der Papst, was er unter „Synodalität“ versteht: „Synodalität ist nicht nur die Diskussion von Problemen, von verschiedenen Dingen, die in der Gesellschaft sind. Es ist mehr als das. Synodalität bedeutet nicht, eine Mehrheit zu suchen. […] Was die Diskussion, das Parlament, die Suche nach Dingen zur Synodalität werden lässt, ist die Anwesenheit des Geistes: Gebet, Stille, Unterscheidung all dessen, was wir miteinander teilen. Es kann keine Synodalität ohne den Geist geben, und es gibt keinen Geist ohne Gebet. […] Eine Synode zu machen, heißt […] hinter dem Herrn her und auf die Menschen zuzugehen, unter der Führung des Heiligen Geistes. […] Nicht um die Realität so zu lassen, wie sie ist, nein, […] sondern um zu versuchen, auf sie einzuwirken, sie in der Linie des Heiligen Geistes wachsen zu lassen, die Realität nach den Plänen des Reiches Gottes umzugestalten.“ (vn v. 30. 4.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Zum vom Vatikan ausgesprochenen Segnungsverbot für Homosexuelle haben Vertreter der römisch-katholischen Kirche eine Unterschriftenliste von 200 Menschen an Bischof Helmut Dieser und Birgit Mock übergeben, den beiden Vorsitzenden des Synodal-Forums „Sexualität und Partnerschaft“. „Wir verbinden damit die Erwartung, dass gleichgeschlechtliche liebende Paare künftig nicht nur die Möglichkeit einer kirchlichen Segnung erhalten, sondern volle Anerkennung erfahren", sagte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose bei der Übergabe im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Unter den Unterstützern sind Priester, Ordensleute, Theologen, Seelsorger sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Mit ihrer Unterschrift erklären sie sich bereit, weiterhin homosexuelle Paare zu segnen. (sz.de v. 28. 3.)

     

  • Paul Jacques Marie Desfarges, der Erzbischof von Algier, hat die Geschwisterlichkeit am Osterfest betont und sieht darin eine Chance für den interreligiösen Dialog. In einem Brief an seine Diözese stellt er eine Verbindung zwischen Ostern und der Irak-Reise des Papstes im März 2021 her: Jesus Christus habe sich allen „zum Bruder gemacht“, Gott selbst sei „unser geschwisterliches Band mit allen Menschen“. Der Papst habe bei seiner Irak-Reise auf diese Bedeutung der Geschwisterlichkeit in Ur, der Ursprungsstadt Abrahams, hingewiesen, „indem er zu seinen Brüdern der verschiedenen muslimischen Konfessionen, der großen schiitischen und sunnitischen Traditionen und der verschiedenen Minderheiten, der Jesiden, Mazdäer, Sabäer und anderen“ gegangen sei. Desfrages wies darauf hin, dass dies auch die Berufung der algerischen Kirche sei. Ein besonderer Moment, um diese Geschwisterlichkeit zu leben, sei der Fastenmonat Ramadan (13. 4. – 12. 5.): „Diese Zeit der spirituellen Erneuerung für unsere muslimischen Brüder und Schwestern ist eine Gelegenheit, uns mit unseren Herzen mit ihren Gebeten zu verbinden.“ (vn v. 3. 4.)

     

  • Zum ersten Mal seit 1983 ändert ein Papst das kirchliche Gesetzbuch „Codex Iuris Canonici“ (CIC) substantiell. [P. W.: 1983 bis 2017 gab es nur unwesentliche Änderungen.]: Um den Frauen die Möglichkeit zu geben, als Lektorinnen oder Akolythinnen im Altarraum einen offiziellen Dienst zu tun, streicht Papst Franziskus ein Wort, und zwar: „männlich“: Somit beginnt der Satz in CIC c. 1024 jetzt nur mehr mit „Laien, die das Alter und die Begabung haben…“  [P. W.: Es gäbe noch zahlreiche Stellen des CIC, wo „männlich“ bzw. „Mann“ gestrichen werden sollte!] (Wir-sind-Kirche-Zeitung Nr. 109/2021)

     

  • Die Schweizer Kirchen starten ab Ostern mit einer neuen Initiative: Auf www.lichtschenken.ch kann man virtuell Lichter anzünden und so ein Lichtermeer der Solidarität bilden. Ökumenisch gemeinsam veröffentlichen die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz dafür eine dreisprachige Gedenkseite. Die Pressesprecherin der SBK, Encarnación Berger-Lobato, dazu im Gespräch mit Radio Vatikan: Wegen Corona „war es der SBK und anderen christlichen Kirchen wichtig, eine ökumenische Solidaritätsaktion zu starten und so ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen. […] Diese Kerzen werden uns vom Karsamstag bis zum Pfingstmontag begleiten und uns immer wieder daran erinnern, dass Jesus Christus das Licht in unserem Leben ist und dass nicht der Tod die Pandemie besiegen wird, sondern das Leben und die Hoffnung.“ Was von vornherein klar war: Es sollte ein ökumenisches Projekt sein. Für Rita Famos, Präsidentin der EKS, ist es wichtig, das Osterlicht, das das Leben symbolisiert, weiterzugeben. „Lichtschenken.ch wird eine ganz andere Art von Corona-Demonstration sein: Eine Demonstration unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.“ (vn v. 3. 4.)

     

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