Ökumene

In herzlichen Worten hat der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in einem Kondolenzbrief an den serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej sein Mitgefühl und seine Trauer über den Tod des Metropoliten von Montenegro, Amfilohije (Radovic), bekundet. Dieser habe ein „tiefes Verständnis“ für die römisch-katholische Kirche gehabt und sei mit vielen Katholiken befreundet gewesen. Metropolit Amfilohije war am 30. Oktober im 83. Lebensjahr an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Er war 2003 in offizieller Mission in Rom gewesen und wurde von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in Audienz empfangen. Schließlich habe er 2013 die serbisch-orthodoxe Kirche bei der Amtseinführung von Papst Franziskus repräsentiert, mit dem er drei Tage später eine „brüderliche Begegnung" hatte. (kap u. vn v. 6. 11.)

 

Römisch-katholische, evangelische und orthodoxe Kirche wollen am 8. November im Klagenfurter Dom der Opfer des Anschlags von Wien gedenken. Auch die islamische Glaubensgemeinschaft will sich beteiligen. An der Feier werden laut Angaben der Diözese Gurk u. a. der evangelische Superintendent Manfred Sauer, der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Kärnten, Adnan Gobeljic, und der rumänisch-orthodoxe Pfarrer Visarion Viorel Ipati teilnehmen. Nach dem Sprechen von Friedensgebeten und Fürbitten wird eine Kerze mit vier Dochten entzündet, heißt es über den Ablauf der Feier. (kap u. vn v. 6. 11.)

 

Der Limburger Bischof Georg Bätzing will sich weiter für eine Einheit der christlichen Kirchen einsetzen, „die auch als Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft erfahrbar sein wird“. In einer Video-Botschaft an die digital tagende Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begrüßte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dass die Debatte über die noch offenen Fragen weitergingen. „Ich werde mich in der Bischofskonferenz und auch im Gespräch mit Rom dafür einsetzen, dass darüber ein intensiver Diskurs geführt wird und Ergebnisse der ökumenischen Dialoge gesichtet und rezipiert werden“, betonte der Limburger Bischof. In seinem Grußwort dankte er der Vorsitzenden der Synode, Irmgard Schwaetzer, und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm für ihre „starke ökumenische Perspektive“. „Ich erinnere gern an die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation, die wir in vielen Projekten und Initiativen auch miteinander gestaltet haben“. Weiter erklärte der Bischof, er wünsche sich, „dass die Kirchen über diese Entwicklungen in regem Austausch bleiben, einander begleiten und stärken und auch darin die Verbundenheit in der einen Kirche Jesu Christi erfahren“. (kna u. vn v. 8. 11.)

 

Der anglikanische Primas Justin Welby beurteilt die Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus positiv: Der Text stelle Christus in die Mitte und entwerfe „eine ehrgeizige und mutige Vision einer künftigen, besseren Welt“, sagte er in einem Interview mit Vatikanmedien. Er ermunterte auch dazu, in den ökumenischen Bemühungen nicht nachzulassen. „Die Menschen haben eine Tendenz dazu, Barrieren zu errichten und ihr Territorium abzustecken. Das passiert in der Kirche, aber auch in der Politik. Die ökumenische Bewegung tut nichts anderes, als diese Barrieren allmählich zu schleifen.“ Er würdigte die „Gemeinsame Erklärung der Kirchen zur Rechtfertigungslehre“, die vor zwanzig Jahren erreicht wurde, als ausgesprochen wichtigen Schritt. (vn v. 17. 11.)

 

In Deutschland planen Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), am Heiligen Abend in München einen ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel. „Wir wollen damit eine Gelegenheit bieten, die wunderbare Weihnachtsbotschaft mit einer größeren Anzahl Menschen zu feiern, als die Corona-Schutzmaßnahmen in einer Kirche erlauben würden", sagte der EKD-Chef. Kardinal Marx betonte, das Ziel einer sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit sei für beide Kirchen „sehr attraktiv und nicht unrealistisch". (kap u. kna v. 20. 11.)

 

Die katholischen Bistümer Limburg und Mainz sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) rufen ihre Mitglieder zum gemeinsamen Gebet auf. Nach eigenen Angaben wollen die Kirchen mit der ökumenischen Aktion unter dem Titel „Miteinander und füreinander beten!“ in der Adventszeit positive Impulse setzen. „Gott ist bei uns, anders, als wir denken“, schreiben die Kirchen. Der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Limburger Bischof Georg Bätzing rufen dazu auf, in der Adventszeit jeden Abend um 19.30 Uhr ein Licht in das Fenster zu stellen und „miteinander und füreinander zu beten“. Die Aktion ist Teil der bundesweiten Kampagne „Fürchtet euch nicht. Gott ist bei euch!“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). (www.welt.de v. 27. 11.)

 

Am Fest des heiligen Andreas, des Schutzpatrons des Patriarchats von Konstantinopel, wandte sich der Papst handschriftlich an seinen „geliebten Bruder“ Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie. An der feierlichen Göttlichen Liturgie zum Hochfest des Apostels im Phanar nahm traditionsgemäß eine Vatikandelegation unter der Leitung des Kurienkardinals Kurt Koch teil. In seiner Botschaft an den Patriarchen erinnert sich der Papst „mit großer Freude“ an die letzte gemeinsame Begegnung aus Anlass des ökumenischen und interreligiösen Friedenstreffens in Rom am vergangenen Oktober: „Konflikte und Gewalt werden niemals aufhören, solange nicht alle Menschen zu einem tieferen Bewusstsein gelangen, dass sie als Brüder und Schwestern eine gegenseitige Verantwortung tragen.“ Vor diesem Hintergrund hätten die christlichen Kirchen gemeinsam mit anderen religiösen Traditionen die „vorrangige Pflicht“, ein „Beispiel für Dialog, gegenseitigen Respekt und praktische Zusammenarbeit“ zu geben. Er erinnerte daran, dass eine Enzyklika des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zur Ökumene schon vor hundert Jahren an die Kirchen in aller Welt gesendet worden war. „Wenn die einzelnen Kirchen von der Liebe inspiriert sind und diese bei ihrem Urteil über andere über alles andere setzen“, zitiert Franziskus aus dem historischen Schreiben, „können sie die bestehenden Unstimmigkeiten, anstatt sie zu verstärken, verringern. […] Auch wenn Hindernisse bestehen bleiben“, vertraue er darauf, dass das Ziel „einer Wiederherstellung der vollständigen Einheit“ zu erreichen sei, „die sich durch die Teilnahme am selben eucharistischen Altar ausdrückt“. Die römisch-katholischen Besucher unter der Leitung des Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Kurt Koch nahmen in der Patriarchalkirche des heiligen Georg im Phanar an der Göttlichen Liturgie teil, die der Ökumenische Patriarch leitete. (vn v. 30. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Als erstes islamisches Land der Welt hat Pakistan den Brauch der Mitgift quasi verboten. Dem neuen Gesetz zufolge wird die Mitgift deutlich beschränkt, wenn auch nicht völlig abgeschafft. Die Regierung habe damit eine „historische Entscheidung" getroffen, die „wichtig für die Ärmsten der Nation" sei, sagte der Bischof von Hyderabad, Samson Shukardin, laut der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Ausgaben für die Mitgift würden oft auf Kosten der täglichen Bedürfnisse gehen und besonders arme Familien nicht selten in Schulden stürzen. „Darüber hinaus ist materieller Reichtum sicherlich nicht der zentrale Aspekt der Ehe", betonte Shukardin. Er drängte das zuständige Ministerium, bei der Umsetzung des Gesetzes ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, „dass keine Frau Gewalt ausgesetzt ist, weil sie keine ausreichende Mitgift mitgebracht hat". In Pakistan waren bisher Geschenke und Mitgift in der Heiratsurkunde dokumentiert sowie festgeschrieben, wie im Falle einer Scheidung zu verfahren wäre. Vor Pakistan haben in den vergangenen Jahren bereits Indien wie auch das säkular verfasste Bangladesch die Praxis des Forderns und Annehmens von Mitgift verboten. In traditionell orientierten Teilen der Gesellschaft wird sie jedoch weiterhin im Geheimen praktiziert. (fides u. kap u. vn v. 1. 12.)

     

  • Die „Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz“ (RKZ), der Zusammenschluss der römisch-katholischen Kantonalkirchen, tritt offiziell für die Zulassung zum Priesteramt ein unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Auf Antrag der Landeskirche Baselland hat die Plenarversammlung der RKZ diese Zielsetzung in ihre Strategieplanung für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen. Im gleichen Passus des Dokuments setzt sich die RKZ dafür ein, dass die Kirche den Frauen aufgrund ihrer gleichen Würde auch gleiche Rechte einräumt und das Volk Gottes an Entscheidungen beteiligt. Die Zustimmung der am 28. November per Videokonferenz abgehaltenen Plenarversammlung zu dem Antrag der Landeskirche Baselland erfolgte mit gut zwei Dritteln der Stimmen, teilte Landeskirchenratspräsident Ivo Corvini der Baselbieter Synode mit. Die Landeskirche Baselland ist seit ihrer Gleichstellungsinitiative von 2014 durch ihre Kirchenverfassung verpflichtet, sich für dieses Anliegen einzusetzen. (www.kirche-heute.ch v. 2. 12.)

     

  • Der theologische Dialog zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche sollte von Initiativen des gemeinsamen Zeugnisses begleitet werden. Das betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. nach Angaben der Stiftung „Pro Oriente“ in der Liturgie zum Andreas-Fest im Istanbuler Phanar. Bei diesen „Initiativen des Zeugnisses" gehe es um Aktionen in gegenseitigem Vertrauen. An dem Gottesdienst in der St. Georgskathedrale nahm auch eine „brüderliche Delegation" aus dem Vatikan mit Kardinal Kurt Koch teil. Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Gang gekommene Dialog schreite mit „Beharrlichkeit, Realismus und vollem Vertrauen in die Göttliche Vorsehung" auf jenem Weg voran, der zum Ziel der so sehr ersehnten vollen Einheit führen werde. Das werde trotz der Einwände jener geschehen, die entweder den Wert der Theologie gering schätzten oder die Ökumene für eine Utopie hielten. Die jüngsten „tragischen Ereignisse der Gewalt im Namen Gottes und der Religion" machten den Wert und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich. Der Patriarch ist überzeugt, dass die Ausarbeitung einer allgemein akzeptierten christlichen Anthropologie eine wichtige Unterstützung für die Beziehungen von orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bedeuten würde. Denn erst dann werden die Kirchen auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe, den Quellen wahren Lebens und wahrer Freiheit in Christus, voranschreiten. (kap v. 2. 12.)

     

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