Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Der maronitische Patriarch des Libanon, Kardinal Boutros Bechara Rai, wird in den kommenden Wochen Saudi-Arabien besuchen. Dies bestätigt das maronitische Patriarchat. Der Besuch könnte, wie Bischofsvikar für Süd-Arabien Camillo Ballin hofft, „der Beginn einer neuen Haltung von Saudi-Arabien gegenüber anderen Religionen sein”. Zu dem Besuch wurde Kardinal Rai von Walid Bukhari von der saudischen Botschaft im Libanon eingeladen. Bei seinem Besuch in Saudi-Arabien soll Kardinal Rai nach Angaben von Bukhari auch König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman begegnen. (fides u. rv v. 3. 11. JA v. 12. 11.)

 

Papst Franziskus hat am 8. November den Großscheich der al-Azhar-Universität von Kairo im Vatikan empfangen. Es war schon seine dritte Begegnung mit Ahmad al-Tayyeb, der zu den führenden Stimmen im sunnitischen Islam gehört. Im Mai letzten Jahres hatte Franziskus an einem Religionsgipfel an der al-Azhar-Universität in der ägyptischen Hauptstadt teilgenommen. Über den Inhalt des Gesprächs teilte der Vatikan zunächst nichts mit. Die al-Azhar-Universität und der Vatikan haben im Februar nach längerer Unterbrechung wieder einen offiziellen Dialog aufgenommen. (rv v. 7. 11.)

 

In einem Interview in der Zeitung „Die Furche“ vom 9. November spricht sich die indonesische muslimische Theologin Fatima Husein für einen Islam aus, dessen Koran historisch interpretiert werden muss: „Der Koran wurde vor 1400 Jahren geoffenbart und er wurde als Antwort für bestimmte Umstände geoffenbart. […] Damit der Koran und die Hadithe aber für uns aussagekräftig sind, müssen wir sie in unserem eigenen Kontext verstehen […] So werden wir befähigt, daraus die wahre Botschaft abzuleiten. Die ideale Moral [des Koran] kann in die jeweilige Zeit übergeführt werden. Es geht also nicht um eine überzeitliche Sicht. […] Um die Aussagen des Koran praktikabel und anwendbar zu machen, muss man sie kontextualisieren. […] In der Stadt Semarang in Zentraljava stehen eine riesige Pagode, ein monumentaler Konfuzius-Schrein, ein großer Hindu-Tempel und eine der größten Moscheen in Indonesien an einem Ort nebeneinander – nicht als Museum, sondern als Orte des Gebets. Das ist Indonesien“, sagt Frau Husein. (Die Furche v. 9. 11.)

 

Das Internationale Katholisch-Muslimische Dialogforum hat seine vierte Dialogsitzung abgehalten, diesmal in Berkeley (USA). Thema war die ganzheitliche Entwicklung des Menschen: „Wachstum an Würde“. Die Delegation aus dem Vatikan und ihre muslimischen Gesprächspartner stellten, wie eine Erklärung unterstreicht, große Schnittmengen zwischen dem römisch-katholischen und muslimischem Denken fest. „Wir bekräftigen die gleiche Würde und den gleichen Wert aller Menschen, ohne Ansehen von Rasse, Geschlecht, Religion oder sozialem Status“, so die Erklärung. „Gewissens- und Religionsfreiheit [seien] die wichtigsten Menschenrechte überhaupt“. (rv v. 10. 11.)

 

Auf dem Gelände der Universität von Faisalabad entsteht derzeit die erste römisch-katholische Universitätskirche in Pakistan. Bei der Grundsteinlegung im vergangenen Mai bezeichnete der Bischof der Stadt, Joseph Arshad, den Bau als einen „bedeutenden“ Schritt gegen die Benachteiligung der römisch-katholischen Minderheit: „Dieses seltene Beispiel von interreligiöser Harmonie wird unser Land besser darstellen. Andere Universitäten sollten das Gleiche tun“, sagte der Bischof. (CSI-Zeitung 11/2017)

 

Das muslemisch dominierte Pakistan prägt 50.000 Gedenkmünzen zu Ehren der im vergangenen August verstorbenen Ordensfrau Ruth Pfau. Die auch als „Mutter Teresa von Pakistan“ bekannte deutsche Ärztin hatte ihr Leben der Bekämpfung von Lepra in Pakistan gewidmet. Die Regierung habe die Zentralbank von Pakistan angewiesen, die Gedenkmünzen im Wert von je 50 Rupien, umgerechnet etwa 0,41 Euro, zu prägen, berichtete die katholische Presseagentur UCANews am 12. November. Pakistan hatte die am 10. August im Alter von 87 Jahren gestorbene Ruth Pfau mit einem Staatsakt in der römisch-katholischen Kathedrale von Karachi geehrt. Staatsbegräbnisse gibt es in Pakistan normalerweise nur für gefallene Soldaten und für Regierungsmitglieder. (ucan u. rv v. 12. 11.)

 

„Buddhisten und Christen gemeinsam auf dem Pfad der Gewaltlosigkeit“: Das war das Thema des vom Vatikan organisierten 6. buddhistisch-christlichen Dialogforums, das am 15. November in Taiwan zu Ende ging. Der Dialog habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, aber es bleibe noch viel zu tun, betonten die Teilnehmer an dem Treffen in ihrer Abschlussbotschaft. Es sei nötig, eine Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit zu fördern, in der auch der Schutz der Umwelt Priorität habe. Konflikte und Gewaltbereitschaft machten heutzutage auch vor nationalen Grenzen nicht halt, sodass lokale Probleme auch globale Auswirkungen hätten. Deshalb sei ein gemeinsamer Einsatz von Buddhisten und Christen nötig, um „das Mitgefühl Buddhas“ und „die Liebe Christi“ in die Welt zu tragen. Das Treffen fand auf Initiative des Päpstlichen Dialogrates in Zusammenarbeit mit der (national-)chinesisch-regionalen Bischofskonferenz sowie der Ling Jiou Mountain Buddhist Society statt. (rv v. 17. 11.)

 

Die Polizei in Bangladesch hat Anklage gegen einen mutmaßlichen Katholikenmörder erhoben. Ein 72-jähriger römisch-katholischer Ladenbesitzer war im Juni 2016 in der Nähe einer Kirche in Natore im Norden des Landes von zwölf Mitgliedern der radikalislamischen Gruppierung „Jamaat-ul Mujahedin Bangladesh“ umgebracht worden. Der Mord führte landesweit zu Protesten der römisch-katholischen Minderheit. Der bislang einzige festgenommene Täter habe die Tat gestanden, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews am 18. November. Der zuständige Ortsbischof Gervas Rozario von Rajshahi sieht das Geständnis kritisch, weil erst ein einziges Mitglied der militanten Gruppe festgenommen worden sei, sagte er Ucanews. Mit einem Anteil von 0,3 Prozent sind Christen in dem 160 Millionen-Einwohner-Land eine sehr kleine Minderheit. (kna u. ucan v. 18. 11.)

 

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) Wien/Krems bildet künftig auch buddhistische Religionslehrer aus. In Österreich ist die buddhistische Religion seit 1983 staatlich anerkannt. Eine jüngst unterzeichnete, europaweit einmalige Kooperationsvereinbarung zwischen der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) und der KPH regelt die künftige Aus- und Weiterbildung buddhistischer Religionslehrer in Österreich, teilte die Hochschule am 21. November mit. Für Buddhisten sei das „eine gute Basis im Konzert der Religionen in Österreich“, so der Präsident der ÖBR, Gerhard Weißgrab, gegenüber Kathpress. Weißgrab betonte das gute interreligiöse Klima in Österreich. Die KPH Wien/Krems ist Österreichs größte private Pädagogische Hochschule mit fünf Standorten in Wien und Niederösterreich. In den Hochschulbetrieb sind sieben christliche Kirchen (römisch-katholische Kirche, evangelische Kirche A. und H.B., griechisch-orientalische Kirche, drei orientalisch-orthodoxe Kirchen sowie die altkatholische Kirche) eingebunden. Zusätzlich kooperiert die KPH mit den Freikirchen, der Islamischen sowie der Alevitischen Glaubensgemeinschaft, der Israelitischen Religionsgesellschaft und jetzt auch mit der Buddhistischen Glaubensgemeinschaft. (religion.ORF.at u. kap v. 21. 11.; JA v. 3. 12.)

 

Ein positives Fazit zieht der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Boutros Rai nach seinem Besuch in Saudi-Arabien: Die Begegnung mit dem saudischen König und mit Kronprinz Mohammed bin Salman beschreibt der Beiruter Patriarch gegenüber Radio Vatikan als Türöffner für eine mögliche Erweiterung der Religionsfreiheit. Dabei trugen Rai und einige Geistliche, die ihn begleiteten, gut sichtbar ihre Brustkreuze. Der Kronprinz Mohammed habe grundsätzlich Offenheit und Dialogbereitschaft signalisiert, lobt der libanesische Christenführer: „Angesichts der Globalisierung und der Präsenz des Islam in allen Teilen der Welt brauche es eine Politik der Öffnung gegenüber allen, sagte mir der Prinz – gegenüber den Religionen und den Kulturen. Ich hatte ein Memorandum mit Fragen zur Religionsfreiheit präsentiert und in diesem Kontext auch die Rolle des Wiener König-Abdullah-Dialogzentrums (KAICIID) angesprochen. Dem Prinzen liegen diese Dinge am Herzen – ich denke, dass unser Treffen und der freundschaftliche Empfang in Riad eine Tür geöffnet haben, um in Fragen der Religionsfreiheit, des Dialoges und des Respektes weiterzukommen. Fragen des Staates und der Politik sollte man da zunächst zurückstellen; denn das Klima und die Atmosphäre waren sehr gut, und dort versuchen wir weiterzumachen!“ (rv v. 21. 11. u. JA v. 26. 11.)

 

Das ägyptische Parlament wird über ein Gesetz beraten, das die Diffamierung historischer und religiöser Symbole in den Medien unter Strafe stellt. „Eine Person, die eines der religiösen Symbole des Landes beleidigt, könnte zu fünf bis sieben Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe von 100.000 Ägyptischen Pfund verurteilt werden“, erläutert Omar Hamroush, Generalsekretär des Ausschusses für religiöse Angelegenheiten des ägyptischen Parlaments. Das Gesetz soll auch verhindern, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Religionen in den Medien diskreditiert werden.  (cath.ch u. rv v. 21. 11.)

 

Papst Franziskus ist entsetzt über den jüngsten Terroranschlag auf eine Moschee in Ägypten, bei dem mehr als 230 Muslime ermordet wurden. In einem Beileidstelegramm drückte er seine Solidarität mit dem ägyptischen Volk aus. Er verurteilte den „Akt der Brutalität gegen unschuldige Bürger, die zum Gebet versammelt waren". Die Opfer empfahl Franziskus der Barmherzigkeit Gottes an, ihren Familien wünschte er Gottes Trost. Der Anschlag galt der Al-Rawdah-Moschee auf dem Nord-Sinai und geht mutmaßlich auf das Konto des sogenannten „Islamischen Staates“. „Nichts kann ein solches Massaker rechtfertigen“, sagte Kardinal Jean Louis Tauran, der Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Wir werden niemals aufhören zu wiederholen, dass der Terrorismus eine perverse und grausame Wahl ist. Umso verwerflicher, wenn die Opfer Menschen im Gebet sind, an einem Kultort!“ Der Botschafter des Vatikan in Ägypten, Erzbischof Bruno Musarò, freute sich gegenüber der Agentur SIR, dass die erste Verurteilung der islamistischen Terrorattacke von der für den sunnitischen Islam wichtigen Al-Azhar-Universität gekommen sei. (rv v. 25. 11.)

 

Kardinal Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun ist der erste Kardinal in der Geschichte des asiatischen Landes Laos, der sich um interreligiösen Dialog in Laos bemüht. Die große Mehrheit der Einwohner dort sind Buddhisten. Um zu verstehen und verstanden zu werden, müssen wir in engem Kontakt miteinander stehen und müssen wirklich einen Dialog führen, fordert der Kardinal. Die römisch-katholische Kirche wächst. Viele Katholiken leben in den Städten am Mekong-Fluss, aber viele leben in entlegenen Gebieten, wo es oft gar keine Kirche gibt. (ucan u. rv v. 25. 11.)

 

Vertreter des Hinduismus, Buddhismus, Islam, des Christentums, des Judentums und der Baha’i trafen sich zum „Empfang der Religionen“ in der Kollegienkirche der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Der Gottesdienst mit Gebetstexten aller Religionen stand diesmal im Zeichen der Schiiten. Beim offiziellen Empfang gab der iranische Diplomat Mohammad Keiarishi einen authentischen Einblick in Geschichte und Theologie der Schiiten. (JA v. 26. 11.)

 

Das irakische Parlament hat einen Gesetzesentwurf abgelehnt, der das Mindestalter für eine Eheschließung auf neun Jahre herabsenken sollte. Der Weihbischof von Bagdad, Shlemon Warduni, wertet diese Entscheidung als ein positives Zeichen. Die Änderung war von konservativen schiitischen Abgeordneten vorgeschlagen worden. Seit 1959 ist das Mindestalter für eine Heirat auf 18 Jahre festgelegt. Damals hatte der Gesetzgeber beschlossen, die Zuständigkeit für Familienrecht von den religiösen Autoritäten auf den Staat und die staatliche Justiz zu übertragen.  (asianews u. rv v. 27. 11.)

 

Ausschnitte aus der Ansprache, die Papst Franziskus am 29. November im Kaba Aye Center von Rangun (Myanmar) bei der Begegnung mit Buddhisten gehalten hat, in der offiziellen deutschen Übersetzung: „Ich danke dem Präsidenten des Staatlichen Komitees Sangha Maha Nayaka, dem Ehrwürdigen Bhaddanta Kumarabhivamsa, für seinen Willkommensgruß. […] Besonderen Dank sage ich für die Anwesenheit des Ministers für religiöse Belange und Kultur, Seiner Exzellenz Thura Aung Ko. Unser Treffen ist eine wichtige Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und Achtung zwischen Buddhisten und Katholiken zu erneuern und zu festigen. Gleichzeitig können wir auch unseren Einsatz für Frieden, für die Achtung der Menschenwürde und für Gerechtigkeit für jeden Mann und jede Frau bekräftigen. Nicht nur in Myanmar, sondern auf der ganzen Welt brauchen die Menschen dieses gemeinsame Zeugnis der religiösen Führer. […] Auf der Grundlage unserer jeweiligen geistlichen Traditionen wissen wir, dass es einen Weg gibt, um weiterzugehen, einen Weg der Heilung, des gegenseitigen Verständnisses und Respekts. Einen Weg, der auf Mitgefühl und Liebe beruht. Die Worte des Buddha sind für jeden von uns ein Wegweiser: „Besiege die Wut mit der Nicht-Wut, besiege den Bösen mit der Güte, besiege den Geizigen mit der Großzügigkeit, besiege den Lügner mit der Wahrheit“ (Dhammapada, XVII, 223). […] Möge diese Weisheit weiterhin jedes Bemühen beseelen, Geduld und Verständnis zu fördern und die Wunden der Konflikte zu heilen, die im Laufe der Jahre Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und religiöser Überzeugungen getrennt haben. […] Liebe Freunde, mögen Buddhisten und Katholiken gemeinsam auf diesem Weg der Heilung voranschreiten und Seite an Seite für das Wohlergehen eines jeden Einwohners dieses Landes arbeiten. […] Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Einladung, heute bei Ihnen zu sein. Ihnen allen erbitte ich den göttlichen Segen mit den Gaben der Freude und des Friedens.“ (rv v. 29. 11.; JA v. 10. 12.)

 

Papst Franziskus hat dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., zum Andreasfest gratuliert. Das Patriarchat der Orthodoxie begeht am 30. November, dem Gedenktag des heiligen Andreas, sein Patronatsfest. Gegenseitige Besuche von Delegationen des Vatikans und des Patriarchates zu den Patronatsfesten sind seit dem ökumenischen Tauwetter der 1960er-Jahre üblich geworden. Die diesjährige Delegation wird vom Präsidenten des päpstlichen Einheitsrats Kardinal Kurt Koch angeführt. Bei der feierlichen Liturgie in der Istanbuler St.-Georgs-Kathedrale verlas Kardinal Koch die Papstbotschaft. (kap u. rv v. 30. 11.)

 

Mit einem gemeinsamen Appell zum bevorstehenden Internationalen Menschenrechtstag am 10. Dezember haben sich die drei Landeskirchen der Schweiz in die Debatte zu Wort gemeldet: „Völkerrecht und Menschenrechte verhindern, dass Rechtsstaaten ihre Grenzen beliebig abschotten können“, betonen Bischof Charles Morerod, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, und Bischof Harald Rein der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Angesichts ethnischer und religiöser Verfolgung, politischer Unterdrückung, wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und ökologischer Fluchtgründe dürfe der Gedanke der Geschwisterlichkeit und der einen Menschheitsfamilie für Christinnen und Christen nicht dort enden, wo das Recht an seine Grenzen stoße. (rv v. 30. 11.)

 

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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