Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die italienische Post würdigt das historische Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik zum 800. Jahrestag mit einer Sonderbriefmarke. Die Briefmarke bildet einen Ausschnitt aus dem Giotto zugeschriebenen Fresko in der Basilika von Assisi ab, auf dem der Heilige und der Sultan auf dem Thron zu sehen sind. Die begleitende Erläuterung zur Briefmarke nennt das Treffen „einen der entscheidenden Momente in der Menschheitsgeschichte, nicht nur des Heiligen von Assisi. Zur Zeit des Fünften Kreuzzuges, als Christentum und Islam keine Berührungs-, sondern nur Konfliktpunkte hatten, bot Franziskus der Welt ein Beispiel dafür, wie menschliche Beziehungen geführt und aufrechterhalten werden sollten.“ (vn v. 1. 3.)

 

Vor acht Jahrhunderten traf sich in der ägyptischen Hafenstadt Damiette mitten in der Zeit der Kreuzzüge der heilige Franz von Assisi mit dem muslimischen Sultan Malik al-Kamil. Aus heutiger Sicht war das die Geburtsstunde des Dialogs zwischen Christentum und Islam. An das Treffen vor 800 Jahren erinnerten Christen und Muslime in Ägypten mit Feiern und Festakten. Dazu ist als Vertreter von Papst Franziskus auch Kurienkardinal Leonardi Sandri angereist. Der Franziskaner-Kustos im Heiligen Land, Francesco Patton, traf sich in Kairo mit dem Großscheich der renommierten sunnitischen al-Azhar-Universität, Ahmad Mohammad al-Tayyeb. Letzter hat vor einem Monat zusammen mit Papst Franziskus in Abu Dhabi eine Erklärung über eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Islam und katholischer Kirche unterzeichnet. Patton warb auf der Konferenz, die von al-Azhar und den Franziskanern gemeinsam ausgerichtet wurde, für mehr Dialog und Begegnung zwischen Katholiken und Muslimen. Die Schulen der Franziskaner in Ägypten seien „ein konkretes Beispiel dieser Geschwisterlichkeit, dieses Dialogs und dieser gemeinsamen Anstrengung, eine Kultur und Erziehung des Friedens zu schaffen.“ Er bedankte sich bei al-Tayyeb für dessen Engagement im interreligiösen Gespräch und für einen toleranten Islam. (vn v. 3. 3.)

 

Der Jüdische Weltkongress (WJC) und die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßen die Archivöffnung zu Papst Pius XII. und damit die Möglichkeit einer „objektiven und offenen Forschung“ über die Haltung des Vatikans zum Holocaust. In einem Brief dankt WJC-Präsident Ronald S. Lauder dem Papst für seine Bemühungen, die Erinnerung an die Schoah wachzuhalten. Franziskus hatte angekündigt, am 2. März 2020 alle Dokumente der vatikanischen Archive bis 1958 für die Forschung zugänglich zu machen. Schon die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. haben in den letzten Jahrzehnten Teile des Materials freigegeben. (kap u. vn v. 5. 3.)

 

Es waren deutliche Worte, die Papst Franziskus am 8. März, dem Internationalen Frauentag, an die Delegation des „American Jewish Committee“ (AJC) gerichtet hat: Wenn wir von einer friedlichen Zukunft träumen wollen, müssen wir den Frauen mehr Raum geben: „Wir müssen die Welt mit den Augen der Mütter betrachten, und somit mit dem Blick des Friedens“, sagte der Papst. Das AJC ist eine der ältesten Organisationen im Dienst des jüdisch-katholischen Dialogs. In seiner Rede ging der Papst auf die Bedeutung der Frauen und ihren Blick auf die Welt ein und betonte: „Sie bringen ihr die Gnade, die die Dinge neu macht, die Umarmung, die einschließt, den Mut zur Selbsthingabe. Der Frieden ist Frau. […] Ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Hass und Antisemitismus ist der interreligiöse Dialog, der darauf abzielt, das Engagement für Frieden, gegenseitige Achtung, Schutz des Lebens, Religionsfreiheit und den Schutz der Schöpfung zu fördern. Juden und Christen teilen auch ein reiches geistliches Erbe, das es ihnen ermöglicht, viele gute Dinge gemeinsam zu tun“, sagte der Papst. (vn v. 8. 3.)

 

Ein Workshop mit dem Titel „Eine Methode für einen trilateralen Dialog zwischen Juden, Christen und Moslems“ findet am 7. und 8. März 2019 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien statt. Der Workshop hat zum Ziel, die Methode des „Scriptural Reasoning“ besser kennen zu lernen. Er wurde initiiert vom Café Abraham. Das Café Abraham ist eine Initiative von Studierenden der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Evangelisch-Theologischen Fakultät, der Islamischen Religionspädagogik sowie der Judaistik. Das Institut für Praktische Theologie fungiert als Gastgeber. Kooperationspartner und Sponsoren sind die Katholisch-Theologische Fakultät, die Evangelisch-Theologische Fakultät, das Institut für Judaistik, sowie der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Hauptfinancier ist die Kardinal König Stiftung. Scriptural Reasoning ist eine Methode des interreligiösen Dialoges zur Auslegung Heiliger Schriften. Prof. Daniel Weiss (University of Cambridge) wird in die Methodologie einführen, Dr. Clarissa Breu (Institut für Neutestamentliche Wissenschaft, Evangelisch-Theologische Fakultät, Wien) und Mag. Amena Shakir (Sigmund-Freud Universität, Wien) werden zu christlicher bzw. islamischer Schriftauslegung referieren. (kathpress v. 9. 3.)

 

Anlässlich des 30. Jahrestages ihres monatlichen Gebetsdienstes an der Klagemauer wollten die Frauen der Gruppe „Neschot Hakotel“ (Frauen der Mauer) am 8. März, dem Weltfrauentag, wie Männer mit Gebetsschal und singend an der Klagemauer beten, berichten israelische Medien. Das missfiel vielen strenggläubigen Juden. Es kam zu Tumulten. Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Nach der Trennung durch die Polizei konnten die Frauen ihr Gebet im südlichen Bereich der Klagemauer fortsetzen. (kap u. vn v. 9. 3.)

 

Papst Franziskus hat den Leiter der Mormonen, Russell Nelson, am 9. März in Privataudienz empfangen. Nähere inhaltliche Angaben zum Gespräch wurden nicht gemacht. Der 94-jährige Russell steht der „Kirche Jesu Christi, der Heiligen der Letzten Tage“ seit Januar 2018 als Präsident vor. Anlass des Besuchs war die Einweihung des ersten Mormonen-Tempels in Rom. Das am Stadtrand gelegene, 2010 begonnene Gotteshaus ist mit einer Grundfläche von 3.700 Quadratmetern der größte Tempel Europas und der erste auf italienischem Boden. Die Mormonen zählen nach eigenen Angaben weltweit rund 16 Millionen Mitglieder. (kap u. vn v. 9. 3.)

 

In Nürnberg hat die diesjährige „Woche der Brüderlichkeit“ begonnen. Es geht um die größte christlich-jüdische Begegnungsinitiative in Deutschland. Zur Eröffnung der Woche sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dass Gläubige und Nichtgläubige gemeinsam gegen Antisemitismus kämpfen sollten. Dem stimmte auch der Bischof von Münster, Felix Genn, zu: „Antisemitismus ist überall, aber gerade in Deutschland unerträglich. Ich komme aus der Nachkriegsgeneration, wir haben uns geschworen: Das nie wieder!“ Am 11. März steht eine Begegnung zwischen Christen, Juden und allen Freunden der christlich-jüdischen Zusammenarbeit im Rathaus von Münster auf dem Programm. Seit 1952 veranstalten die Gesellschaften für christlich- jüdische Zusammenarbeit im März die „Woche der Brüderlichkeit“ mit Veranstaltungen in allen Teilen des Landes. Im Rahmen der Eröffnungsfeier wird die Buber-Rosenzweig-Medaille an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich im christlich-jüdischen Dialog außerordentliche Verdienste erworben haben. (vn v. 11. 3.)

 

Auf einer Pressekonferenz in Casablanca äußerten die römisch-katholischen Bischöfe Marokkos ihre Zuversicht, der Papstbesuch Ende März könnte Fortschritte bezüglich der Gewissensfreiheit bewirken. Cristóbal López Romero, Bischof der Diözese Rabat, und Santiago Angelo Martinez, Bischof der Diözese Tanger, sind „sehr dankbar“, dass sie ihre Religion frei ausüben dürfen, wären aber noch zufriedener, wenn Gewissensfreiheit herrschte und „man nicht seine Religion wechseln müsste, um Marokkaner zu werden“. Die religiösen Minderheiten Marokkos (Christen, Juden, Bahai und Schiiten) stellen weniger als 1% der Bevölkerung. Nach Papst Johannes Paul II. im Jahr 1985 wird Papst Franziskus am 30. und 31. März der zweite Papst sein, der Marokko einen Besuch abstattet. (cath.ch u. vn v. 11. 3.)

 

Ägypten hat die Legalisierung weiterer 156 Kirchen gutgeheißen. Damit wurden laut Berichten bisher 783 Kirchenbauten legalisiert. Anträge von knapp 3.000 Kirchen sind noch offen. Bereits im Jänner hatte Ägyptens Wohnungsministerium nach muslimischen Angriffen den Christen die Nutzung von Kirchenbauten gestattet, deren Legalisierung noch ausstehend war. (JA v. 17. 3.)

 

Der Jordanische König Abdullah II. wird für seinen Einsatz zur Förderung der Menschenrechte sowie der „Harmonie zwischen unterschiedlichen Glaubensvorstellungen“ vom Franziskanerorden in Assisi mit der „Lampe des Friedens“ geehrt. Zur Übergabe der Auszeichnung soll die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Assisi reisen. Die Friedenslampe der Franziskaner ist eine Nachbildung der gläsernen Öllampe, die am Grab des heiligen Franz von Assisi (1181-1226) brennt. In früheren Jahren ging die Lampe unter anderen an Lech Walesa, Jassir Arafat, Michael Gorbatschow und Shimon Peres. König Abdullah II. hatte sich des öfteren dazu bekannt: Christen gehörten von Anfang mit zum Nahen Osten und sie müssen da auch bleiben können. (JA v. 17. 3.; vn v. 30. 3.)

 

„Die Papstreise nach Marokko wird dem Dialog mit dem Islam helfen“, ist der römisch-katholische Erzbischof von Rabat, der Spanier Cristóbal López, überzeugt. Die Reise von Papst Franziskus nach Marokko am 30. und 31. März werde zwei Kernbotschaften enthalten: den Dialog zwischen Christentum und Islam und die Sorge um Migranten. Er stellt in ein Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur Efe fest, dass in Marokko mehr katholische MigrantInnen als marokkanische KatholikInnen leben und erinnert daran, dass „der Papst in Bezug auf den Islam immer darauf besteht, Brücken zu bauen“, weil „Muslime und Christen keine Feinde oder Gegner sind; wir sind Geschwister, die an einen wahren Gott glauben“. Die Tatsache, dass Franziskus in kurzer Zeit gleich zwei Reisen in muslimische Länder unternehme – die erste Reise Anfang Februar in die Vereinigten Arabischen Emirate –, verstehe er als „klare Absicht des Papstes“, den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu fördern. Zur Lage der Christen in Marokko sagte López: „Ich bin zufrieden, dass wir Christen in Marokko in Frieden und Ruhe leben und unseren Glauben in völliger Freiheit praktizieren können.“ (efe u. rv v. 18. 3.)

 

Weniger die Religion als vielmehr die Politik entzweit die Gesellschaft, sagte die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak bei einer interreligiösen Begegnung für JüdInnen, MuslimInnen und ChristInnen in Linz. Polak berief sich dabei auf die von ihr mit ausgewertete Europäische Wertestudie: Gegenüber Schlagzeilen, die Religionen als grundsätzlich gefährlich oder zumindest problematisch darstellen, erinnerte die Theologin an die Werte Gemeinschaftsbildung und Sinnstiftung als wesentliche Beiträge der Religionen für das Wohl einer Gesellschaft. Der Glaube an Gott und ihm gegenüber zu verantwortende ethische Haltungen seien in Judentum, Christentum und Islam untrennbar miteinander verbunden und daher eine Basis für interreligiöse Verständigung. Die Offenbarungsreligionen würden auch Hoffnung gegen Unterdrückung, Zwang und Bedrohungen spenden. „Hoffnung befreit zu einem angstfreien Leben und stärkt und ermutigt zum Handeln für die Menschen und die Gesellschaft", sagte Polak. Ein weiteres Plus seien die sozialen Gemeinschaften in Moscheen, Kirchengemeinden und Synagogen. Diese Gemeinden seien „neben den Familien das Feld, wo Solidarität gelernt werden kann". (kap u. vn v. 22. 3.)

 

Papst Franziskus wird den vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als ranghohen persönlichen Vertreter zu den Krönungsfeierlichkeiten des thailändischen Königs Rama X. vom 4. bis 6. Mai entsenden. Thailands neuer König folgt auf seinen Vater Bhumibol Adulyadej, der am 13. Oktober 2016 starb. Die römisch-katholische Kirche in Thailand ist eine Minderheit von rund einem halben Prozent der Bevölkerung. (kap u. vn v. 23. 3.)

 

In Ägypten will die koptisch-muslimische Initiative „Salemo Gamee al-Nass“ (Frieden für alle) den Frieden zwischen den Religionen fördern. In den drei Gouvernements Kairo, Qalyubiya und Assiut wurde ein zweijähriges Dialogprogramm lanciert. (JA v. 24. 3.)

 

Angesichts der amerikanischen Jerusalem-Politik sind die Beziehungen des Vatikans mit der arabischen Welt nach Worten des palästinensischen Botschafters beim Vatikan, Issa Kassissieh, wichtiger denn je: „Zusammen können wir die Botschaft von Liebe und Toleranz unserer Religionen hervorheben“, schreibt er in einem Beitrag für das arabischsprachige christliche Portal „Abouna“ zur bevorstehenden Marokkoreise von Papst Franziskus. Dieser Papst habe „vom ersten Moment an realisiert, dass das Bauen von Brücken zwischen Ost und West und das Bezwingen des Bösen seine Hauptaufgabe ist“. Er rief dazu auf, den Dialog zwischen der arabischen Welt und dem Vatikan für einen gerechten Frieden zu stärken. Dieser Friede müsse von Jerusalem ausgehen. (kna u. vn v. 28. 3.)

 

Die römisch-katholischen Bischöfe sowie die evangelischen Kirchen Malis haben dem Präsidenten der Republik Mali wegen des Massakers in Ogossagou, bei dem am 23. März 160 Menschen starben, kondoliert. Für den 31. März rufen sie zu Gebeten und Opfer für die Toten, die Verwundeten und die Familien auf, berichtet die Nachrichtenagentur Fides. Vermutlich Anhänger von radikalen Islamisten, den sogenannten „Dogons“, hatten das Dorf in Zentralmali überfallen und wahllos Alte, Kinder und Schwangere massakriert, angezündet sowie Leichen in Brunnen geworfen. Auch am 24. März beteten die Kirchen in Mali für Opfer des Massakers von Dioura, bei dem am 17. März 23 Soldaten getötet worden waren. Für diesen Angriff wird eine mit Al-Quaida verbundene Gruppe verantwortlich gemacht. Die Kirchenvertreter betonen, den Frieden fördern zu wollen. Gemeinsam appellieren sie an die malische Nation, die Spaltungen zu überwinden. (fides u. vn v. 27. 3.)

 

Vor dem Besuch in Marokko richtete Papst Franziskus am 28. März an das Land und seine Regierung eine Videobotschaft. Hier die offizielle deutsche Übersetzung: „… Dankbar bin ich auch Seiner Majestät König Mohammed VI. für die freundliche Einladung und den marokkanischen Behörden für ihre gute Zusammenarbeit. Ich komme auf den Spuren meines heiligen Vorgängers Johannes Paul II. als Pilger des Friedens und der Brüderlichkeit, welche die Welt so nötig braucht. Als Christen und Muslime glauben wir an Gott den Schöpfer, den Barmherzigen, der die Menschen erschaffen und in die Welt hineinstellt hat, damit sie brüderlich zusammenleben, einander in ihrer Verschiedenheit respektieren und sich gegenseitig in ihren Nöten beistehen; er hat ihnen die Erde, unser gemeinsames Zuhause, anvertraut und ihnen die Verantwortung übertragen, sie zu hüten und für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Es wird mir eine Freude sein, diese Überzeugungen bei unserem Treffen in Rabat direkt mit euch zu teilen. Darüber hinaus wird mir diese Reise die wertvolle Gelegenheit bieten, die christliche Gemeinschaft in Marokko zu besuchen und sie auf ihrem Weg zu ermutigen. Ich werde auch mit den Migranten zusammentreffen, die für uns ein Appell sind zum Aufbau einer gerechteren und solidarischeren Welt. Liebe marokkanische Freunde, ich danke euch schon jetzt von Herzen für eure Gastfreundschaft und vor allem für eure Gebete. Ich versichere euch auch meiner Gebete für euch und euer geliebtes Land. Bis bald!” (vn v. 28. 3.)

 

Die Papstansprache an das marokkanische Volk am 30. März in offizieller deutscher Übersetzung in Auszügen: „ Ich bin froh, den Boden dieses Landes zu betreten. […] Ich möchte zunächst Seiner Majestät Mohammed VI. meine aufrichtige und innige Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für seine freundliche Einladung und den herzlichen Empfang […] Diese Dankbarkeit bietet eine wichtige Gelegenheit, den interreligiösen Dialog und die gegenseitige Kenntnis unter den Gläubigen unserer beiden Religionen zu fördern, während wir der historischen Begegnung zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik al-Kamil vor achthundert Jahren gedenken. Dieses prophetische Ereignis zeigt, dass der Mut, einander zu begegnen und die Hände zu reichen, dort ein Weg des Friedens und der Harmonie für die Menschheit sind, wo Extremismus und Hass Spaltung und Zerstörung bewirken. […] Für eine Teilnahme am Aufbau einer offenen, pluralen und solidarischen Gesellschaft ist es somit wesentlich, die Kultur des Dialogs als zu gehender Weg sowie die Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verständnis als Methode und Maßstab beständig und ohne Nachlassen fortzuentwickeln und zu übernehmen (vgl. Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, Abu Dhabi, 4. Februar 2019). […] Es ist in der Tat unverzichtbar, dem Fanatismus und Fundamentalismus die Solidarität aller Glaubenden entgegenzusetzen. Hierbei haben wir als unschätzbare Bezugspunkte für unser Handeln die Werte, die uns gemeinsam sind. In dieser Hinsicht ist es mir eine Freude, in Kürze das Institut Mohammed VI. für Imame, Prediger und Predigerinnen besuchen zu dürfen, das nach dem Wunsch Eurer Majestät eine angemessene, gesunde Ausbildung gegen alle Formen von Extremismus anbieten soll. Denn diese führen oft zu Gewalt und Terrorismus und stellen in jedem Fall eine Beleidigung der Religion und Gottes selbst dar. […] In der Tat führt uns der Glaube an Gott unter Achtung unserer Unterschiede dazu, die herausragende Würde jedes Menschen wie auch seine unveräußerlichen Rechte anzuerkennen. Wir glauben, dass Gott die Menschen in Bezug auf Rechte, Pflichten und Würde gleich erschaffen hat und dass er sie berufen hat, als Geschwister zu leben und die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten. Deshalb ist die Gewissens- und Religionsfreiheit – die sich nicht auf die Kultfreiheit allein beschränkt, sondern jedem erlauben muss, entsprechend der eigenen religiösen Überzeugung zu leben –untrennbar mit der menschlichen Würde verbunden. […] So verstanden muss das Bauen von Brücken zwischen den Menschen unter dem Gesichtspunkt des interreligiösen Dialogs im Zeichen des Zusammenlebens, der Freundschaft und noch mehr der Brüderlichkeit erfolgen.“ Außerdem lobt der Papst verschiedene interreligiöse Initiativen in Marokko, warnt vor dem Klimawandel und spricht das Problem der Migration an. Er schließt die Rede mit: „Majestät, sehr verehrte Vertreter des öffentlichen Lebens, liebe Freunde! Nochmals danke ich Ihnen und dem ganzen marokkanischen Volk für Ihren herzlichen Empfang und Ihre freundliche Aufmerksamkeit. Shukran bi-saf! Der Allmächtige, Gütige und Barmherzige beschütze Sie und segne Marokko! Danke“. (vn v. 30. 3.)

 

Der zweitägige Besuch von Papst Franziskus in Marokko wird von Medien des Landes als wichtiger Meilenstein gewertet. Auf den Titelseiten vieler Ausgaben ist das Foto des Papstes zu sehen. Weite Teile der Bevölkerung blickten positiv auf die Reise. Viele Zeitungen betonten, dass ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen in Marokko möglich sei. Fast alle Zeitungen beziehen sich auch auf die Sorge des Papstes um Migranten. Die französischsprachige Tageszeitung „L'Opinion“ titelte: „Papst Franziskus unter uns.“ Der Artikel verweist auf viele Parallelen zwischen dem aktuellen Papstbesuch und der Marokko-Visite von Papst Johannes Paul II. im August 1985. Fernsehsender strahlten die Videobotschaft des Papstes vom 28. März an das marokkanische Volk aus. (kna u. vn v. 30. 3.)

 

Seit kurzem gibt es in Diyarbakir (Osttürkei) wieder einen chaldäisch-katholischen Erzbischof: Es ist Ramzi Garmou, zuvor chaldäisch-katholischer Erzbischof von Teheran. (JA v. 31. 3.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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