Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Bei einem Besuch in der Kustodie der Franziskaner in Jerusalem dankte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin den versammelten Kirchenoberhäuptern für ihren Dienst und äußerte die Hoffnung auf ein weiteres Zusammenleben in Partnerschaft und Frieden. Israel sei allen Religionsgemeinschaften verpflichtet. An dem Treffen nahmen die Oberhäupter der Orthodoxen, der Armenier und der Lateiner im Heiligen Land teil. Die Begegnung des israelischen Staatsoberhaupts mit den Christenführern gehört seit Jahren zu den festen Terminen im Frühjahr. (kap u. vn v. 4. 6.)

 

Dr. Saiful Malook kämpft erneut gegen ein Todesurteil in einem Blasphemie-Prozess in Indien. Wie Ucanews berichtet, waren der behinderte Shafqat Emmanuel und seine Frau Shagufta Kausar 2013 mit dem Vorwurf verhaftet worden, beleidigende Textnachrichten über den Propheten Mohammed ausgetauscht zu haben. Sie wurden zum Tod durch Hängen verurteilt. Malook wird das christliche Paar bei einer Berufungsanhörung vor dem Hohen Gericht in Lahore vertreten. Ihm war es bereits im Fall der Christin Asia Bibi gelungen, ihr Todesurteil erfolgreich anzufechten. Ein Prediger hatte das Ehepaar angezeigt und behauptet, es hätte ihm und anderen Muslimen die blasphemischen Textnachrichten gesendet. (ucanews u. vn. v. 11. 6.)

 

Mehr als 85.000 Indonesier haben in einer Online-Petition gefordert, dem Islamistenführer Muhammad Rizieq Shihab, dem Vorsitzenden der oft gewaltsam auftretenden Islamic Defenders Front (FPI), die Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Die Begründung in der Petition auf der Internetseite „change.org“: „Wir alle wissen, dass der FPI-Führer Rizieq Shihab sehr gefährlich ist und in Verbindung mit dem Islamischen Staat steht“. Er sei der „Rädelsführer hinter all den Provokationen [während der Präsidentenwahlen].“ Shihabs Vereinigung FPI ist dafür berüchtigt, dass sie religiöse Minderheiten gewaltsam angreift. Dem Initiator der Petition geht ein Verbot der FPI nicht weit genug, denn Shihab könnte, so die Befürchtung, „eine andere Organisation unter anderem Namen, aber mit demselben Ziel, gründen.“ Die FPI wurde vor über 20 Jahren als Vereinigung zugelassen. Diese Erlaubnis läuft am 20. April 2020 aus. (ucanews u. vn v. 11. 6.)

 

Erstmals findet die Weltversammlung der „Religions for Peace" (RfP) in Deutschland statt. Das Treffen vom 20. bis zum 23. August in Lindau am Bodensee wird von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet werden. Rund 900 Teilnehmer werden erwartet. Seit 1973 ist diese Allianz als Nicht-Regierungsorganisation bei den Vereinten Nationen akkreditiert und beschäftigt sich mit der Konflikttransformation, sozialem Zusammenhalt, wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz. Der frühere evangelische Osloer Bischof und Ehrenpräsident von RfP, Gunnar Stalsett, betonte, es versammelten sich dort viele hochrangige Religionsvertreter, die sich gemeinsam um friedliche Lösungen in Konfliktgebieten wie unter anderen Myanmar, der Demokratischen Republik Kongo und Südsudan bemühten. Ein Schwerpunktthema werde dabei die Rolle und die spezifischen Fähigkeiten von Frauen in Friedensprozessen sein. Der Generalsekretär von RfP, William F. Vendley, erklärte, religiöse Menschen trügen zur Beilegung von Konflikten und der Förderung gerechter Gesellschaften bei. Von den gewaltsamen Konflikten in Bosnien-Herzegowina und Sierra Leone bis hin zu den heutigen Herausforderungen in Myanmar und der Zentralafrikanischen Republik seien Religionsgemeinschaften unersetzliche Friedensstifter. Seit fast 50 Jahren setze RfP dieses Prinzip um. Der sogenannte „Ring for Peace“, das Symbol der zehnten Weltversammlung und eines dauerhaften Symbols des Friedens zwischen den Religionen, ist ein 7,5 Meter hoher hölzerner Ring in Form eines Möbiusbandes auf der Insel im Luitpold-Park. Er besteht aus Hölzern verschiedener Regionen der Welt. (kna u. vn v. 17. 6.)

 

Nach längeren Restaurierungsarbeiten ist auf der Insel Sir Bani Yas in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAR) das älteste christliche Bauwerk des Landes wiedereröffnet worden. Wie AsiaNews meldet, nahmen an der Einweihungsfeier Vertreter aus Regierung und dem Islam sowie römisch-katholische Persönlichkeiten teil. „Nicht einmal ich wusste von der Existenz einer Kirche in den Emiraten, die so weit zurückliegt“, gab der Apostolische Vikar von Arabien, Paul Hinder OFMCap, bei der Einweihung zu. Sicher war er sich aber, „dass die Menschen mehr über diesen religiösen Ort und seine Vergangenheit wissen wollen. Diese Ereignisse öffnen den Geist der Menschen, eine sehr wichtige Tatsache, und fördern die Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen und zeugten von der bemerkenswerten gegenseitigen Toleranz" in der Region. Davon konnte sich auch Papst Franziskus bei seinem apostolischen Besuch im Februar ein Bild machen. Der 1992 wiederentdeckte Ruinenkomplex befindet sich etwa 200 Kilometer südwestlich von Abu Dhabi. Die Restaurierungsarbeiten ermöglichten nun den Zugang zu einer Kirche und einem Kloster, die auf das siebte Jahrhundert zurückgehen – wahrscheinlich nestorianischen Ursprungs. Stolz auf die Kirche sind auch die lokalen muslimischen Behörden, denn im „Jahr der Toleranz“ kommt ihnen die Renovationsinitiative gelegen. zur Einweihung erschienen Muslime und Christen auch der Minister für Toleranz aus Abu Dhabi, Scheich Nahyan bin Mubarak Al Nahyan. (asianews u. vn v. 17. 6.)

 

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II., der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan und der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Rafael Sako, haben am Pfingstmontag in Erbil an der Vereidigung von Nechirvan Barzani, des neuen Präsidenten der kurdischen Region, teilgenommen. (JA v. 23. 6.)

 

Das griechisch-katholische melkitische Patriarchat will das von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar, Ahmed al-Tayyeb, am 4. Februar in Abu Dhabi unterzeichnete Dokument über „Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ vertiefen und verbreiten. Dies wurde bei der melkitischen Synodalversammlung beschlossen, die im libanesischen Ain Traz unter dem Vorsitz von Patriarch Yousef Absi tagte. Es gelte, das Heranwachsen neuer Generationen zu fördern, die in der Lage sind, das häufig durch Konflikte und sektiererischen Extremismus bedrohte Zusammenleben in den Ländern des Nahen Ostens neu aufzubauen. Der Aktionsplan der melkitischen Bischöfe umfasst laut der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ sowohl akademische als auch pastorale Aktivitäten: Das Dokument von Abu Dhabi wird Gegenstand des Studiums in den Schulen des Patriarchats und in theologischen Instituten sein. Der Text soll im Kirchenvolk verbreitet werden u.a. durch Eparchial- und Pfarrversammlungen sowie intensiven Medieneinsatz. Die Priester werden aufgefordert, den Inhalt und die Absichten des Dokuments von Abu Dhabi zum Gegenstand ihrer Predigten zu machen. (vn v. 26. 6.)

 

Der Bischof von Kaya, Theophile Nare, verteidigt die Muslime in Burkina Faso: Diejenigen, die den Krieg gegen Religionen anzetteln, „sind einige radikalisierte Muslime, die alle anderen, die Gemäßigten angreifen. Sie töten auch gemäßigte Muslime. Tappen wir also nicht in die Falle!“ (Christen in Not 6/2019)

 

Die Behörden in Myanmar haben einen Haftbefehl gegen den buddhistischen Hassprediger Wirathu erlassen. Er gilt als der Kopf einer ultranationalistischen Bewegung. Seit Jahren macht er Stimmung gegen die Muslime im Land. Das US-Magazin „Time“ nannte ihn schon 2013 das „Gesicht des buddhistischen Terrors“. Zuletzt kritisierte er auch die Regierung der Friedensnobelpreisträgerin San Suu Kyi. (Christen in Not 6/2019)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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