Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben 17 christliche Kirchen und Kapellen sowie einen Hindu-Tempel offiziell als Kultstätten anerkannt. In einem Festakt im Herrscher-Palast am 21. September unter dem Titel „Ein Ruf zur Harmonie“ setzte das Department of Community Development (DCD) einen neuen rechtlichen Rahmen für Religionsgemeinschaften in Kraft. Dieser sichert gleiche Rechte im Rahmen der geltenden Gesetze zu. Vertreter der indischen Communiy in den VAE würdigten den Schritt als weiteres Zeichen für ein Klima der Toleranz und des Dialogs. Der Vorsitzende des DCD, Mugheer Al Khaili, erklärte, die Emirate seien ein „Platz für alle“. Abu Dhabi sei ein führendes Modell der Toleranz und Koexistenz. Angesichts der Tatsache, dass der Großteil der Bevölkerung aus Ausländern bestehe, seien die VAE um die Einheit des Landes und die Inklusion aller bemüht, die zu seiner Entwicklung beitragen, so Al Khaili. (kna u. vn v. 1. 10.)

 

An das wichtige Treffen zwischen dem heiligen Franz von Assisi und Sultan al-Malik al-Kamil vor genau 800 Jahren in Damiette erinnern die Franziskaner in Israel mit einer eigenen Gedenkwoche. Von Vatikanseite aus nahm der Kurienkardinal und Präfekt der Ostkirchen-Kongregation, Leonardo Sandri, teil. Er sprach darüber, wie man dieses historische Treffen ins Heute übertragen kann. Als weiterer Höhepunkt der Konferenz ist eine Begegnung mit dem Großmufti von Jerusalem, Muhammad Ahmad Hussein, im Inneren der Al-Aksa-Moschee geplant. Historische Quellen sprechen davon, dass die Begegnung der beiden Glaubensmänner zwar keine „Bekehrung“ bewirkt habe, aber dennoch von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei. Und genau dies ist der Zweck, den die Franziskaner mit ihrer mehrtägigen Konferenz verfolgen, betont Bruder Francesco Patton, der Kustos im Heiligen Land. Der heilige Franziskus und der Sultan hätten mit ihrem Treffen gezeigt, „dass es möglich ist, sich brüderlich zu begegnen. Und auf dieselbe Weise schlägt Papst Franziskus heute dieses Paradigma der Begegnung und des Dialogs vor.“ Der Dialog wird in Israel sehr konkret gelebt etwa durch die von den Franziskanern betriebenen und sehr geschätzten Schulen, in denen Muslime und Christen gemeinsam die Schulbank drücken. Schüler, Lehrer und Familien kommen auf diese Weise zusammen und tauschen sich auf sehr konkrete Weise miteinander aus. (vn v. 2. 10.)

 

Mit dem ersten „Tripolis-Tag der menschlichen Brüderlichkeit“ soll der interreligiöse Dialog im Libanon gestärkt werden. Die für den 6. Oktober geplante Veranstaltung steht unter dem Motto „Zukunft der christlich-muslimischen Beziehungen nach Papst Franziskus' Mission nach Abu Dhabi“, wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete. Unter anderem geplant sind ein interreligiöses Jugendforum mit sunnitischen, alawitischen und christlichen Studierenden vom Nordlibanon sowie ein Treffen religiöser Entscheidungsträger, darunter der Großmufti des Landes, Scheich Abdul Latif Derian. Die Veranstaltung solle im Geist der in Abu Dhabi von Papst Franziskus und al-Azhar-Großimam Ahmed al-Tayyeb unterzeichneten „Erklärung über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ stehen. Es gehe darum, Koexistenz und Kooperation zwischen Christen und Muslimen im Nordlibanon zu fördern. Zu den Trägern der „Tripolis-Tages“ zählen diverse staatliche, kirchliche und zivile Organisationen. (kap u. vn v. 3. 10.)

 

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die Einheit von palästinensischen Christen und Muslimen betont. „Unser Volk sucht den Frieden, und wir wollen Frieden und Sicherheit in der Region schaffen“, sagte er bei einem Treffen mit einer Vatikan-Delegation unter Leitung des Präfekten der Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, in Ramallah. Abbas begrüßte den Besuch der Delegation in der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem als ein wichtiges Zeichen. Sandri seinerseits dankte dem Präsidenten für die Unterstützung der christlichen Präsenz in Palästina. Bei einem Besuch des Tempelbergs und der Al-Aksa-Moschee hatten die Kirchenvertreter zuvor den Generaldirektor der Jerusalemer islamischen Wakf-Behörde, Scheich Azzam Khatib, getroffen. Dabei betonten die Teilnehmer des Treffens unter anderem ihr Festhalten an einer Zwei-Staaten-Lösung mit Ostjerusalem als Hauptstadt eines palästinensischen Staates. (kna u. vn v. 4. 10.)

 

Der muslimische Sekretär des Hohen Komitees für die Umsetzung der „Erklärung über die Geschwisterlichkeit unter den Menschen“ von Abu Dhabi ist mit einer hohen päpstlichen Auszeichnung geehrt worden. Wie der Osservatore Romano berichtet, hat der Substitut des vatikanischen Staatssekretariats, Edgar Peña Parra, in einer Zeremonie den muslimischen Richter Mohamed Mahmoud Abdel Salam, der auch Berater des Großscheichs von Al-Azhar war, mit dem Piusorden ausgezeichnet zur Anerkennung für seinen Einsatz „in der langen Vorbereitungsphase“ des Dokuments. Unter der Leitung des designierten Kardinals Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präsident des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, bemüht sich das achtköpfige Hohe Komitee, dem neben Katholiken und Muslimen auch ein Jude angehört, darum, die dem Dokument zugrundeliegenden Ziele möglichst konkret ins Leben der Gesellschaft zu überführen. (or u. vn v. 5. 10.)

 

Anlässlich der jüdischen Feiertage von Rosch Ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot hat Papst Franziskus dem Rabbiner von Rom, Riccardo di Segni, ein Glückwunschschreiben geschickt. Er wünsche allen Juden, „dass diese Feste reichlich Segen vom Ewigen bringen und eine Quelle inniger Freude sein werden. […] Möge der Allerhöchste in seiner ewigen Barmherzigkeit überall unsere Bande der Freundschaft und den Wunsch, den ständigen Dialog zum Wohle aller zu fördern, stärken. Shalom Alechem!“ (vn v. 7. 10.)

 

Eine Koalition religiöser Organisationen hat sich am Sitz der UNO-Organisationen in Wien konstituiert. Auf einer Podiumsdiskussion forderten Vertreter christlicher, jüdischer und muslimischer Gemeinschaften, die Religionen künftig in Konfliktlösungen einzubinden. In der Debatte über das Thema „Spiritualität und Justiz - Kooperationsfelder?“ betonten die Referenten die Bedeutung des Dialogs. Der evangelische Pfarrer und Gefangenenseelsorger Markus Fellinger bezeichnete das Gefängnis als „multikulturellen Ort“. Bis in die Hafträume hinein seien dort diverse Kulturen vereint. Dzemal Sibljakovic, Leiter der islamischen Gefängnisseelsorge in Österreich und früherer Lehrer, meinte: „Als multikultureller Ort kommt eine Schule oft nahe an eine Haftanstalt heran.“ Der gebürtige Bosnier plädierte für die „Rechtmäßigkeit der Religion in einem Rechtsstaat“. Aiman Mazyek, der Präsident des Zentralrates der Muslime in Deutschland konnte wegen einer Erkrankung nicht nach Wien kommen. John Clark von der Jüdischen Liberalen Gemeinde in Wien (Reformsynagoge) legte ein Plädoyer für den Dialog ab. Die einzelnen Gemeinschaften sollten ihre Individualität behalten, doch zugleich miteinander einen Dialog führen, so Clark, der anstelle des Rabbiners Schlomo Hofmeister auf dem Podium den jüdischen Standpunkt darlegte. Die Bedeutung des Dialogs hob auch der Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft, Gerhard Weissgrab, hervor. Er rief zum Miteinander auf: „Bei Problemen gibt es keine Alternative zum Dialog.“ Dass mehrere Religionen existieren und unterschiedliche Aspekte aufweisen, sei zu akzeptieren. Zur Religionsfreiheit gehöre auch der Atheismus, also die Freiheit von Religion. Namens der Katholiken erinnerte Weihbischof Franz Scharl an Worte von Papst Franziskus, das Seelische und das Geistige müssten sich entwickeln, in der Realität aber in konkrete Dinge umgesetzt werden. Der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner bezeichnete „das Recht als eine geerdete Form der Liebe“. Recht und Spiritualität gehörten zusammen. Nach den Worten von Renata K. Nelson, Vertreterin des Wiener „König Abdullah Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog“ (KAICIID), wird im KAICIID ein Aktionsplan für Religionsführer ausgearbeitet. Es gehe hierbei um Ideen „von unten nach oben“ sowie den Austausch von Erfahrung. (religion.ORF.at u. APA v. 8. 10.; JA v. 20. 10.)

 

Die römisch-katholische Laiengemeinschaft Sant'Egidio erhält den diesjährigen Moshe-Rosen-Preis der „Konferenz der Europäischen Rabbiner“. Die Auszeichnung wird am 24. Oktober in Rom an den Gründer von Sant'Egidio, Andrea Riccardi, übergeben. „Damit soll sein und der langjährige Einsatz von Sant'Egidio gegen Antisemitismus, Hass und Intoleranz sowie das Engagement für Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog ausgezeichnet werden“, hieß es in einer Mitteilung. Sant'Egidio ging aus einer Initiative des damals 18 Jahre alten Schülers Riccardi und einiger Freunde hervor, die sich 1968 in Rom zu sozialem Engagement und Gebet zusammenschlossen. Heute zählt Sant'Egidio nach eigenen Angaben mehr als 60.000 Anhänger weltweit. Die Konferenz der Europäischen Rabbiner vertritt nach eigenen Angaben über 700 Rabbiner von Dublin bis Wladiwostok. (kap u. vn v. 8. 10.; JA v. 3. 11.)

 

Deutsche Kirchenvertreter sind entsetzt über den Angriff auf die Synagoge in Halle (Saale) am 9. Oktober, bei dem zwei Menschen getötet worden sind. Mehrere Täter versuchten am Jom-Kippur-Feiertag in das jüdische Gotteshaus einzudringen, in dem sich bis zu 80 Menschen aufhielten. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zeigte sich erschüttert: „Beten wir für die Opfer und ihre Angehörigen und arbeiten wir gemeinsam daran, dass Juden in Deutschland nie wieder Angst haben müssen!“, schrieb er auf Twitter. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte: „Wir werden nicht zulassen, dass Hass gleich welcher Art, insbesondere aber der Hass auf das Judentum, sein Ziel erreicht, unsere Gesellschaft zu spalten!“ (kna u. vn v. 9. 10.)

 

Zum hinduistischen Diwali-Lichter-Fest hat der Vatikan die Hindus zum gemeinsamen Einsatz für ein friedliches Zusammenleben aufgerufen. In einer veröffentlichten Grußbotschaft bekundete der Päpstliche Rat für interreligiösen Dialog zugleich Sorge über „Gleichgültigkeit und sogar Hass unter einigen Religionsanhängern“. Der Leiter des Dialog-Rates, Kardinal Miguel Angel Ayuso, erinnerte an den vor 150 Jahren geborenen Mahatma Gandhi. „Wir tun gut daran, uns von seinem Beispiel eines friedlichen Zusammenlebens inspirieren zu lassen“. Weiters zitierte er die Grußbotschaft aus dem „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“, das Papst Franziskus und Großscheich Ahmad Al-Tayyeb im Februar in Abu Dhabi unterzeichnet hatten. Es gelte, „die unverletzliche Würde und die unveräußerlichen Rechte anderer zu respektieren, ohne ungerechtfertigte Vorurteile gegenüber ihrem Glauben oder ihrer Kultur“. Mit dem Lichterfest Diwali feiern Hindus den Sieg der Wahrheit über die Lüge und des Lebens über den Tod. (kap u. vn v. 21. 10.)

 

Vor der konstituierenden Sitzung des Nationalrates haben die neugewählten Parlamentarier am 23. Oktober in der Wiener Hofburgkapelle einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Unter den rund 100 Mitfeiernden waren Abgeordnete aus allen Fraktionen mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) an der Spitze. In der Predigt unterstrich der neue evangelische Bischof Michael Chalupka seinen Respekt für all jene, „die sich mit großem Engagement für demokratisch verantwortete politische Überzeugungen einsetzen“. (JA v. 3. 11.)

 

Der Vatikan, das Oberrabbinat von Israel und eine muslimische Organisation aus Indonesien haben am 27. Oktober gemeinsam ein Dokument unterzeichnet, das dezidiert gegen den „assistierten Suizid und die aktive Sterbehilfe“ Stellung bezieht. Das menschliche Leben ist eine Gabe Gottes und muss bis zu seinem natürlichen Ende der macherhaften Verfügung des Menschen entzogen bleiben. Das ist die gemeinsame Grundüberzeugung von Juden, Christen und Muslimen, die dieses Dokument unterzeichnen. Veranstaltet wurde dieses interreligiöse Treffen von der „Päpstlichen Akademie für das Leben“, dessen Leiter Erzbischof Vincenzo Paglia das Dokument im Auftrag von Papst Franziskus unterschrieben hat. Von jüdischer Seite wurde die Verlautbarung von einem Vertreter des Oberrabbinats Israels und von muslimischer Seite von einem Vertreter der Ulema Indonesiens ratifiziert. Auch weitere Vertreter der drei Religionen setzten ihre Unterschrift unter das Dokument. Was das Gespräch mit dem Judentum betrifft, so hatte man im Dialog zwischen der vatikanischen „Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum“ und dem Oberrabbinat Israel bereits im Februar 2006 folgende gemeinsame Grundüberzeugung zum Ausdruck gebracht: „Wir bestätigen die Prinzipien unserer jeweiligen Tradition, dass Gott der Schöpfer und Herr alles Lebens, und deswegen das menschliche Leben heilig ist, wie es die Bibel lehrt: die menschliche Person ist nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen (vgl. Gen 1,26-27). Weil das Leben ein Geschenk Gottes ist, sollte es respektiert und erhalten werden. Wir verwerfen klar die Idee, dass das Leben Eigentum des Menschen ist, sowie das Recht jeder menschlicher Partei, über dessen Wert oder Länge zu entscheiden. Daher weisen wir das Konzept einer aktiven Euthanasie (das so genannte „mercy killing“) als eine illegale menschliche Anmaßung zurück.“ (vn v. 28. 10.; JA v. 10. 11.)

 

Papst Franziskus hat am 31. Oktober eine Kalligraphie-Ausstellung in Rom eröffnet. Die Schau im Atrium der Päpstlichen Lateran-Universität steht unter dem Titel „Kalligraphie für den Dialog: Frieden durch Kultur und Kunst fördern“. Sie zeigt Werke des saudischen Künstlers Othman Al-Khuzaiem und wurde von der Saudischen Botschaft in Rom gemeinsam mit der UNO-Friedensuniversität (UPEACE) in Costa Rica organisiert. Die Werke Al-Khuzaiems bezeichnete Papst Franziskus als „Werkzeuge, um Wege des Friedens zu öffnen und Rechte anzumahnen“. (JA v. 10. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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