Zusammenarbeit und Dialog mit den (Welt-)Religionen: (Islam u.a.)

Dubai, die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate, bekommt am 1. November erstmals einen Gemeinderabbiner. (JA v. 1. 11.)

 

Bei Christen, Juden und Muslimen gibt es bereits weibliche Geistliche, die römisch-katholische Kirche hinkt jedoch leider hinterher, kritisiert die deutsche Theologin Julia Enxing, Professorin für Systematische Theologie an der TU Dresden, auf der theologischen Feuilleton-Plattform „feinschwarz.net“. Wenn es um die Frage nach der Öffnung der Weiheämter für Frauen geht, herrschen in der römisch-katholischen Kirche „Scheuklappen“ und „Starrheit“ vor. Sie appelliert an die Bischöfe: „Wagt euch hinaus in die Welt der Religionen und lernt, die eigne Starrheit zu hinterfragen.“ Kritik äußerte die Theologin vor allem an „Argumenten aus der Mottenkiste“, die bei der Frage nach der Öffnung der Weiheämter ständig wiederholt würden. Diese Argumente hätten die theologische Ebene längst verlassen, stellte die Wissenschaftlerin fest. Die „Frauenfrage“ sei zur Stellvertreterdebatte für das Thema „Macht“ in der Kirche geworden. Als Einwand gegen Frauenpriestertum und -diakonat gilt laut Enxing besonders die Sorge um die Einheit der Kirche. Der Rekurs auf die Einheit der Weltkirche sei aber „ein Scheinargument in einer Debatte, der es gerade nicht um die Weltkirche geht und die einen weiteren argumentativ-kümmerlichen Versuch darstellt, die letzte Bastion des Patriarchats zu retten“. Längst gebe es altkatholische Priesterinnen, Imaminnen oder evangelische Pastorinnen. Dies mache deutlich, dass „nicht-katholische Gläubige weltweit auf dem Vormarsch in Sachen Frauenordination sind“. Die römisch-katholische Kirche hinke hinterher. Enxing empfahl den Bischöfen, bei den „Frauen der Weltkirche“, bei jungen Leuten sowie in den Hauskirchen Amazoniens nachzufragen und von ihnen zu lernen. (JA v. 1. 11.)

 

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) plante im Rahmen des Freitagsgebets am 6. November Trauer-Gottesdienste für die Opfer des Terroranschlags in der Wiener Innenstadt vom 2. November. Zutiefst „betroffen, erschüttert und fassungslos“, zeigte sich IGGÖ-Präsident Ümit Vural, der den Opfern des Attentats und deren Angehörigen sein Mitgefühl ausdrückte. „Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt.“ Wichtiger denn je erscheine nun der gesellschaftliche Schulterschluss, der Zusammenhalt und die Solidarität, betonte Nadim Mazarweh, Leiter der Kontaktstelle für Extremismus-Prävention und Deradikalisierung der IGGÖ in einer Aussendung. „Jeder Schritt, der uns als Gesellschaft entzweit, ist ein Sieg für die Verbrecher, die diesen Anschlag verübt haben“. Nötig seien nun Einheit und Respekt, die zu einer friedlichen Gesellschaft führten, „die sich resilient zeigen kann gegen solche abscheulichen Spaltungsversuche“. Auch der Verband muslimischer Gemeinschaft Italiens (UCOII) verurteilte den Anschlag in Wien: „Wir sind mit den Wienern solidarisch, denn dieser Angriff trifft auch uns und unsere Werte als europäische Muslime", schrieb UCOII-Präsident Yassine Lafram laut der Nachrichtenagentur APA. „Wir müssen gemeinsam auf den Hass reagieren. Wir verurteilen all jene, die Tod und Terror verbreiten", so Lafram per Twitter. (kap u. vn v. 3. 11.)

 

Das multireligiös besetzte Leitungsgremium des Wiener Internationalen Dialogzentrums KAICIID hat den islamistisch motivierten Terroranschlag in Wien vom 2. November scharf verurteilt. „Wir unterstreichen erneut die bedingungslose Achtung und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens in allen Glaubensrichtungen, sowie unsere Ablehnung von jeglichem Missbrauch der Religion und des Glaubens zur Rechtfertigung von Gewalt“. Das steht in einer Erklärung des neunköpfigen Gremiums, Vertreterinnen und Vertreter der großen Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum: „Wir sprechen den Familien und allen Angehörigen jener, die von dieser abscheulichen Tat betroffen sind, unser tiefstes Mitgefühl aus“. (kap u. vn v. 4. 11.)

 

Muslimische Freiwillige der Gruppe „Sawaed al Museliya“ („Die Hände Mossuls“) reinigen christlichen Kirchen in Mossul, damit sie wieder zugänglich sind. Wie die italienische Nachrichtenagentur „AsiaNews“ schreibt, wolle die Organisation „die Spuren des islamischen Staates damit verwischen und Menschen in Not Hilfe bringen“. Die Gruppe richtete auch einen Appell an die geflohenen Familien: „Kehrt zurück, Mossul ist ohne euch nicht vollständig!“ Der „Islamische Staat“ hatte von 2015 bis zum Sommer 2017 eine Schreckensherrschaft inne, verwüstete und zerstörte religiöse Kultstätten wie z. B. die al-Nouri-Moschee oder die Kirche von Al-Saa („Unsere Liebe Frau der Stunde“). „Wir wollen damit ausdrücken, dass die Christen zu diesem Land gehören. Sie haben hier eine reiche und wertvolle Geschichte hinter sich“, so einer der Verantwortlichen der Freiwilligen. Bisher sind nur etwa fünfzig christliche Familien nach Mossul zurückgekehrt, obwohl jeden Tag Hunderte aus der Ebene von Ninive und den christlichen Dörfern zum Studium und zur Arbeit nach Mossul kommen. (asianews u. vn v. 5. 11.)

 

Vertreter der verschiedenen Religionen haben bei einem gemeinsamen Gedenkmarsch der Opfer des Wiener Terroranschlags vom 2. November gedacht. An dem Marsch durch die Wiener Innenstadt beteiligten sich neben Kardinal Schönborn u. a. der Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka. Auch Imame sowie muslimische Religionslehrerinnen und Religionslehrer, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist und Gerhard Weißgrab, der Präsident der buddhistischen Religionsgesellschaft, waren dabei. Die Initiative dazu ging von Schlomo Hofmeister aus. Wenn Hass, Hetze und Gewalt im Namen von Religion ausgeübt werden, müssten Religionsvertreter die Ersten sein, die dies verurteilten und klar machten, „dass es so etwas nicht gibt; es gibt keinen Hass und keine Gewalt im Namen Gottes", sagte er. Auch die Vertreter der anderen Religionen betonten erneut, es sei nun besonders wichtig zu zeigen, „dass Religionen nicht gegeneinander stehen, sondern sich miteinander für das Wohl und den Frieden in dieser Stadt und diesem Land einsetzen", erklärte Superintendent Hennefeld. Außerdem gab es in vielen weiteren Diözesen Österreichs interreligiöse Trauer-Feiern. (kap u. vn v. 6. 11. u. viele Medien ab 6. 11.)

 

Nach jahrelanger Verzögerung wurde die erste Moschee in Athen eröffnet, wie cath.ch berichtet. Insgesamt leben fast 650.000 Muslime in Griechenland, mehrheitlich Sunniten, erklärte Naïm el Gadour, Präsident der Muslimischen Union Griechenlands. Dabei handelt es sich um Migranten der letzten 20 Jahre. Die mit staatlichen Mitteln errichtete Moschee bietet Platz für bis zu 350 Personen. Die offizielle Einweihung wird jedoch aufgrund der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Einschränkungen erst später stattfinden, sagte Zaki Sidi Mohammed, der marokkanische Imam der Moschee. (cath.ch u. vn v. 6. 11.)

 

In einem Schreiben an die Hindus anlässlich des am 14. November beginnenden Divali-Festes stellt der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, fest, dass Katholiken und Hindus vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie gemeinsam daran arbeiten können, eine sichtbare Kultur der Hoffnung aufzubauen. Leidenserfahrungen und Verantwortungsgefühl füreinander hätten unsere Gemeinschaften in Solidarität zusammengeführt. Der spanische Kardinal unterstreicht weiter, wie solche Zeichen der Solidarität zu einem tieferen Verständnis der Bedeutung der Koexistenz geführt hätten. Es sei Tatsache, dass wir voneinander abhängig seien. Das Wort Divali bedeutet eine Anreihung von Lampen. Es erinnert an die Rückkehr von König Rama und seiner Frau Sita, die er vor dem Dämon Ravana gerettet hat, in die Hauptstadt Ayodhya. Die Bewohner hätten auf dem Rückweg überall Lampen aufgestellt, um seinen Sieg zu feiern. Das Fest, das sehr beliebt ist, dauert insgesamt fünf Tage. (cath.ch u. vn v. 6. 11.)

 

„Kein Friede ohne Begegnung“ lautet der Titel einer Stellungnahme der beiden Vorsitzenden des Vereins „Plattform Christen und Muslime“, der Muslima Tarafa Baghajati, und der emeritierten evangelischen Professorin für Praktische Theologie an der Universität Wien, Susanne Heine. Darin wird der mutige Einsatz der Polizei und die nachfolgenden Maßnahmen der Justiz gewürdigt, aber auch kritisiert, dass nun dem „politischen Islam“ Einhalt zu gebieten sei. Es sei doch unbestritten, dass jede Religion – auch das Christentum – vor allem in ihrem Einsatz für soziale Gerechtigkeit und ein respektvolles Miteinander immer „politisch“ sein müsse. Dies bedeute aber auch: „Feinde unserer Gesellschaft müssten beim Namen genannt werden – dazu zählten jene, die gegen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, gegen eine andere Religion als die eigene oder gegen Minderheiten und Geschlechtergerechtigkeit auftreten.“ Die christlichen Kirchen in Österreich ruft die Plattform dazu auf, „neue Initiativen zum permanenten Gespräch“ mit dem Islam zu setzen, „um die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wirklich zu beheimaten und so den Extremisten langfristig ihren Boden zu entziehen“. (religion.ORF.at u. kap v 17. 11.)

 

In einem Tweet hat Papst Franziskus über ein Telefongespräch berichtet, das er mit dem Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tayyeb, geführt hat. Es sei Franziskus ein Anliegen gewesen, den Wert der Geschwisterlichkeit gegen alle Formen der Gewalt neu herausstreichen. Franziskus betonte in dem Tweet, Religionen hätten nichts mit Hass zu tun. In dem Tweet, der auf Arabisch und Englisch veröffentlicht wurde, bezeichnet Franziskus es als „eine Freude“, mit seinem Bruder Scheich Ahmed al-Tayyeb gesprochen zu haben, der seinerseits kurz darauf von seinem Twitter-Profil antwortete, indem er seine „anhaltende Unterstützung für menschliche Brüderlichkeit als Mittel zur Beseitigung von Gewalt, Diskriminierung und Hass“ bekräftigte. (vn v. 21. 11.)

 

Als römisch-katholische Kirche öffentlich gegen antisemitische Äußerungen vorzugehen, ist „manchmal mit Ärger verbunden”, aber unerlässlich. Das sagte im Gespräch mit Radio Vatikan der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr. Aus dem Interview hier einige Passagen: Es ist „gar nicht weit, von einer Verharmlosung des Antisemitismus und auch des gewalttätigen Antisemitismus weiterzukommen zu einer Gutheißung, dass so etwas geschieht. […] Ja, der Antisemitismus hat christliche Wurzeln. Es gab auch Wegbereiter des Antisemitismus und Holocaust unter Christen, katholischen wie evangelischen. Hier ist es auch nötig, Geschichte aufzuarbeiten. […] Ich bin dankbar, dass es seit dem II. Vatikanischen Konzil die vatikanische Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum gibt. Hier sind große Fortschritte erzielt worden, und 60 Jahre nach der Konzilserklärung ‚Nostra aetate‘ wurde 2015 eine wichtige Erklärung dieser Kommission veröffentlicht, in der steht, dass Gott seinen Bund mit dem Volk Israel niemals aufgekündigt hat, sondern dass dieser Bund weiterbesteht. […] Deswegen sollen wir die Juden als unsere älteren Schwestern und Brüder bezeichnen, wie es auch Johannes Paul II. getan hat. [… Das Aufklärungs-]Anliegen verfolgen wir auf vielen Ebenen. Deshalb haben wir gerne die Initiative aufgegriffen, die eigentlich eine Idee der evangelischen Kirche in Berlin war, bei der dann die deutschen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen mitgemacht haben, weil es schön ist, mit kurzen Plakaten und prägnant darüber nachzudenken, was das Gemeinsame und Unterschiedliche ist zwischen Ostern und Pessach, zwischen Pfingsten und Sukkot und Sonntag und Sabbat. […Es ist] eine grundsätzliche Herausforderung für die Gesellschaft zu zeigen, wie die Juden unter uns leben, und zum Ausdruck zu bringen, wir sind froh, dass Juden unter uns leben, dass wir ihre Kultur unter uns haben, die uns bereichert!...“ (vn v. 23. 11.)

 

Eine Gruppe von Christen und Muslimen in der ägyptischen Provinz Minya schlägt in einer Empfehlung vor, Angaben zur Religionszugehörigkeit aus den ägyptischen Ausweispapieren zu streichen. Eine solche Maßnahme sei ein Beitrag zum friedlichen zivilen Zusammenleben und könnte religiösen Fanatismus und Extremismus entschärfen, der oft religiöse Inhalte und Sprache für seine Propaganda instrumentalisiere, hält die Gruppe fest, der Vertreter der Kopten und lokaler islamischer Gemeinschaften angehören. Atheisten und Agnostikern dürfen seit August 2009 bei der Angabe zur Religionszugehörigkeit einen Strich machen. Das Problem des Religionsbekenntnisses in Ausweispapieren ist u. a. auch in Minya akut, da es in dieser Provinz und ihrer gleichnamigen Hauptstadt - mit großen koptisch-orthodoxen und koptisch-katholischen Gemeinschaften - immer wieder zu interreligiösen Auseinandersetzungen kommt. (kap u. vn v. 24. 11.)

 

Ein hochrangiger Vatikanvertreter hat bei einem Besuch in Saudi-Arabien für den Schutz der individuellen Menschenrechte geworben. Diese seien „für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung und folglich hat jeder die Pflicht, auf dieses Ziel hinzuarbeiten”, sagte Erzbischof Ivan Jurkovič in Dschidda. Jurkovič ist Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf und war zu einer Veranstaltung der Islamischen Weltliga nach Saudi-Arabien gereist. Vor seinen muslimischen Gesprächspartnern sagte er: „Es kann keinen Dialog geben, wenn die Menschenwürde nicht zuerst respektiert wird”. Religionsfreiheit nannte er „eines der grundlegendsten unter den unverletzlichen Rechten” von Menschen, weil sie „dem Bedürfnis von Männern und Frauen nach geistlicher Nahrung” entgegenkomme. Zur Religionsfreiheit gehöre auch die „Förderung von Akzeptanz und Toleranz”. Er schlug seinen muslimischen Zuhörern vor, statt auf bloße Toleranz auf das dynamischere Konzept der Geschwisterlichkeit zu setzen, weil dieses die „Möglichkeit bietet, nicht nur über die erfolgten, sondern auch über die unterlassenen Handlungen Rechenschaft abzulegen. Er verwies auf das Dokument der Geschwisterlichkeit aller Menschen, das Papst Franziskus und der ägyptische Goßimam Al Tayyeb im Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet hatte. Scheich Muhammad bin Abdulkarim Al-Issa, der Generalsekretär der Islamischen Weltliga, hatte den Vatikandiplomaten nach Saudi-Arabien eingeladen. Besuche hoher römisch-katholischer Würdenträger in dem wahhabitischen Königreich sind nach wie vor selten. (vn v. 25. 11.; JA v. 6. 12.)

 

Das Berliner Projekt „House of One“ und ähnliche Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich seien öffentliche Stellungnahmen für eine plurale Gesellschaft, sagte die Vizepräsidentin der Akademie der Weltreligionen an der Universität Hamburg, Anna Körs, bei einer Online-Konferenz. Das Projekt „House of One“ hatte den Austausch mit ähnlichen Einrichtungen in der Schweizer Hauptstadt Bern und den deutschen Städten Hannover, München und Wilhelmshaven organisiert. Aus Österreich stellte die Erzdiözese Wien das Projekt „Campus der Religionen" vor. Ziel sei eine internationale Vernetzung der Projekte, erklärte Pfarrer Gregor Hohberg, Stiftungsrats-Vorsitzende des „House of One", das als „Bet- und Lehrhaus" von Juden, Christen und Muslimen ab dem kommenden Jahr in Berlin errichtet wird. Die Initiativen könnten „weltweit heilend wirken", indem sie „ein respektvolles Gespräch zwischen den Religionen fördern". Dazu gehöre die Grundhaltung, „die eigene Religion nicht für den Mittelpunkt der Welt zu halten". (kap u. kna u. vn v. 26. 11.)

 

Antisemitismus muss mit Entschiedenheit in allen seinen Erscheinungsformen bekämpft werden. „Es darf keinen Platz für Ideen, Worte und Taten geben, die vom Hass gegen jüdische Menschen gespeist werden“, stellte der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Hinblick auf eine jüngste Attacke auf einen Wiener Rabbiner fest. „Es steht fest, dass die Täterin die widerlichsten Versatzstücke aus dem Wortschatz des mörderischen Antisemitismus verwendet hat“, so die ÖRKÖ-Vertreter. Für die Kirchen in Österreich seien Ereignisse wie die Attacke auf den Rabbiner „nicht nur ein Anlass, den jüdischen Menschen und der jüdischen Gemeinde unser Mitgefühl und unsere Solidarität zu bekunden“. Es gehe auch darum, für entsprechende Maßnahmen, vor allem im Bildungsbereich, einzutreten, „um das Gestrüpp der antisemitischen Wahnvorstellungen effektiv zu bekämpfen“. (kap u. vn v. 29. 11.)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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