Zusammenarbeit und Dialog mit den Weltreligionen: (Islam u.a.)

Religiöse Würdenträger sollen stets Beispiele für Toleranz und Respekt auch Andersgläubiger sein. Das haben römisch-katholische und jüdische Vertreter bei der 14. Tagung der bilateralen Kommission des Großrabbinats von Israel und des Heiligen Stuhles festgehalten. Das Treffen in Rom stand unter dem Generalthema „Frieden fördern in einem Kontext der Gewalt im Namen der Religion“. Die „tragischen Irrtümer der Vergangenheit“ werden beklagt, die im Namen der Religion begangen wurden, heißt es im gemeinsamen Schlusskommunique. (www.de.radiovaticana.va v. 1. 12.)

 

In Pakistan verbietet die Provinz Sindh die Zwangskonvertierung Minderjähriger zum Islam. Wer dies tut, muss künftig mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen, berichtet der asiatische katholische Pressedienst Ucanews. (JA v. 11. 12.)

 

Die muslimische Journalistin Mahassen Haddara kritisiert den terroristischen Teil der Muslime: „Terrorismus greift die Wurzel der Menschlichkeit an […] Im Namen der Menschlichkeit, der himmlischen Bücher – Thora, Bibel und Koran – werde ich das Judentum verteidigen, […] das Christentum vor allem Übel schützen, damit ich mich als wahre Muslima fühlen kann“, postete die libanesische Journalistin auf facebook. (KircheIn 12/2016)

 

Der Großimam der Kairoer al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tayyib, hat dem Oberhaupt der Kopten, Tawadros II, persönlich sein Beileid für die Toten beim jüngsten Anschlag geäußert. Al-Tayyib traf den Kopten-Papst mit einer Delegation der sunnitischen Lehranstalt al-Azhar. Bei einem Anschlag auf die koptische Markuskathedrale in Kairo am 11. Dezember kamen mindestens 26 Menschen ums Leben. Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich zum Anschlag. Das Ziel des Anschlags sei das gesamte ägyptische Volk gewesen, betonte Scheich al-Tayyib. Die Terroristen würden nicht zwischen Christen und Muslime unterscheiden, beide Religionsgemeinschaften seien gleichermaßen von den Terroristen betroffen. (www.de.radiovaticana.va v. 15. 12.; JA v. 25. 12.)

 

Papst Franziskus hat am 16. Dezember privat den Oberrabbiner der sephardischen Juden von Buenos Aires, Isaac Sacca, empfangen. Das berichtet der Rabbiner, der auch den Verband „Menora“ leitet, auf seiner Internetseite. Er habe mit dem Papst etwa eine Stunde lang über den interreligiösen Dialog und natürlich über Argentinien gesprochen. Als früherer Erzbischof von Buenos Aires hat Franziskus viele Kontakte zu den dortigen jüdischen Gemeinden, vor allem zum Rabbiner Abraham Skorka, mit dem er u.a. ein Gesprächsbuch herausgegeben hat. (www.de.radiovaticana.va u. cath.ch v. 18. 12.)

 

Geburtstagsfeiern für Jesus und Mohammed in Rom und Lahore: Die muslimisch-christlichen Beziehungen basieren auch auf der gegenseitigen Teilnahme an den wichtigsten Festen der jeweils anderen Religion. Deshalb veranstalteten die Franziskaner in Lahore eine interreligiöse Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed, in deren Rahmen Christen und Muslime auch Weihnachtsglückwünsche austauschten. Dies berichtet Pater Victor Sawera OFM, der die Feier organisierte. „Wir lasen Auszüge aus der Bibel und aus dem Koran. Muslimische Religionsvertreter beteten das Abendgebet in der Kapelle des Zentrums der Franziskaner. Anwesend waren auch verschiedenen Imame, darunter Syed Abdul Khabir Azad von der königlichen Moschee in Lahore, die die Feiern zum Geburtstag des Propheten in einem christlichen Haus sehr schätzten. Damit wollten wir Vorbild für alle Bürger Pakistans sein”, so Pater Sawera, der daran erinnerte, dass der „interreligiöse Dialog und die Förderung von Frieden und Harmonie in der DNA der franziskanischen Spiritualität verankert sind“. Derselbe Geist inspirierte eine Weihnachtsfeier, die in den vergangenen Tagen in der pakistanischen Botschaft in Rom stattfand: Botschafter Nadeem Riyyaz lud zu einer Feier ein, an der Priesterseminaristen, Schwestern und Ordensleute aus Pakistan teilnahmen, die in Rom studieren, und ebenso Vertreter von Orden, die in Pakistan Niederlassungen haben. Pater Robert McCulloch, Generaloberer der Missionsgesellschaft vom heiligen Kolumban, dankte dem pakistanischen Botschafter für dessen Bereitschaft, als Gastgeber zu einer Weihnachtsfeier einzuladen und gratulierte zum Eid-e-Milad-ul-Nabi, dem Geburtstag des Propheten Mohammed. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 21. 12.)

 

Die Regierungen von Mali, Mauretanien, Niger, Burkina Faso und Tschad wollen gemeinsam gegen religiösen Extremismus vorgehen. Dazu gründen sie in jedem der fünf Sahelstaaten „Alarmzentren“. Sie sollen Anlaufstellen für Verbände und auch Religionsvertreter sein, die Anzeichen von religiösem Extremismus in der Gesellschaft wahrnehmen. Der malische Minister für religiöse Angelegenheiten, Amadou Omar Hass Diallo, spricht auch von einer Einigung auf mehr Präventionsmaßnahmen. Diallo hatte sich kürzlich bei einem Besuch in Burkina Faso mit dem Erzbischof von Ouagadougou, Philippe Ouedraogo, darüber beraten. (cath.ch u. www.de.radiovaticana.va v. 22. 12.)

 

Kirchenführer in Israel haben die Autoritäten des Landes zum Schutz und Respekt aller Religionen und religiösen Rituale aufgerufen. „Der bestehende religiöse Status der heiligen Stätten und der kirchlichen Institutionen schützt die verletzliche und delikate Situation“ in Israel, heißt es in einer gemeinsamen Weihnachtsbotschaft, die das arabischsprachige Nachrichtenportal „Abouna“ am 23. Dezember veröffentlichte. Gleichzeitig riefen die Kirchenführer die politisch Verantwortlichen auf, den „Weg des Friedens mit Gerechtigkeit und Versöhnung für das Allgemeinwohl aller“ zu gehen. Die heiligen Stätten und Pilgerzentren bezeichneten die Kirchenführer als „Quellen der Kraft und der Hilfe“, die zugleich zum gegenseitigen Respekt der verschiedenen Gemeinschaften beitragen. Unterzeichnet wurde die Weihnachtsbotschaft unter anderen vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., dem Verwalter des Lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, sowie vom Franziskanerkustos Francesco Patton. (www.de.radiovaticana.va v. 24. 12.)

 

Das Ägyptisches Fatwa-Amt ermuntert Muslime, den Christen zum bevorstehenden Weihnachtsfest zu gratulieren. Das Zentrum für islamische Rechtsfragen in Ägypten betont, dass ein solches Verhalten, liturgische Feste und Feierlichkeiten anderer Religionen zu respektieren, zum friedlichen Zusammenleben einer Gesellschaft dazugehöre. Das Zentrum veröffentlichte diese Verlautbarung, weil in den letzten Tagen Salafisten-Prediger den Muslimen verboten haben, Christen zu Weihnachten zu gratulieren. Das Fatwa-Amt hingegen bezeichnet eine Gratulation als ein religiöses Gebot. (fides u. www.de.radiovaticana.va v. 24. 12.)

 

Zu Weihnachten haben rund 45.000 Hindus das „Jesuskind“ von Bhubaneshwar besucht. Der Ort ist die Hauptstadt des ostindischen Bundesstaates Odisha, wo vor wenigen Jahren eine mehrmonatige Christenverfolgung stattfand. Das „Jesuskind“ ist in der römisch-katholischen Kathedrale von Bhubaneshwar ausgestellt, wie der Pfarrer der Kathedrale St. Vincent, P. Prasanna Pradhan, erläuterte. Noch 2008 seien in jener Region über hundert Christen getötet und über 300 Kirchen zerstört worden, erinnerte der Pfarrer. Mit dem Besuch der Hindus werde der interreligiöse Dialog und die Versöhnung gefördert, fügte er hinzu. (rv www.de.radiovaticana.va 28.12.2016 mg)

 

 

Weitere aktuelle Hoffnungszeichen

  • Nach dem Nein des Vatikan zu einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität". Die bloße Wiederholung der „Wertung von Homosexualität auf naturrechtlicher Basis" werde heute nicht mehr verstanden und auch nicht mehr akzeptiert, schreibt er in einem Brief an alle Pfarreien. Gerade in den Zuschriften vieler SeelsorgerInnen komme „eine offene Ablehnung der lehramtlichen Position zum Ausdruck, die nicht mehr ignoriert werden darf". Bei aller Wertschätzung von Schriftzeugnis, Lehramt und Tradition müsse es um eine „Übersetzung der Zeichen der Zeit" gehen. Die gesamte Tradition sei „als ein lebendiges Geschehen zu begreifen". Gerade die Segensfeiern seien entstanden aus der seelsorglichen Begleitung der betroffenen Menschen. „Über das Gute ihres Lebens einen Segen zu sprechen, der nicht einer Trauung ähnelt, wohl aber Zeichen der Begleitung ist, soll doch zeigen: Im Namen der Kirche ist Gott in dieser Beziehung gegenwärtig." Ähnlich 2600 Geistliche in Deutschland, zahlreiche Priester in Österreich, sowie die österreichischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Markets (Gurk-Klagenfurt), Hermann Glettler (Linz) und der Antwerpener Bischof Johan Bonny. (kna u. zahlreiche Medien ab. 20. 3.)

     

  • Im Irak tätige religiöse Organisationen haben anlässlich der Papstreise vom 5. bis zum 8. März ein gemeinsames Statement für Solidarität, Geschwisterlichkeit und interreligiösen Dialog unterzeichnet. In der interreligiösen Erklärung verpflichten sich die Organisationen, Diskriminierung und Missionierung abzulehnen, die kulturellen Werte und Überzeugungen anderer zu respektieren, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die Zusammenarbeit bei der Hilfe für Bedürftige zu stärken. Sie rufen zudem die Internationale Gemeinschaft auf, dem irakischen Volk zu helfen, die gegenwärtigen Herausforderungen „in einem wahren Geist der menschlichen Geschwisterlichkeit und Solidarität“ zu bewältigen. Die Erklärung unterschrieben unter anderem mehrere Caritas-Einrichtungen, die christlich-muslimische Adyan-Stiftung, Islamic Relief Worldwide und der Lutherische Weltbund. Schon in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ habe Papst Franziskus daran erinnert, dass sich keiner allein retten könne, heißt es in dem Manifest. Als positives Beispiel interreligiöser Zusammenarbeit verweisen die Unterzeichner auf das Abu Dhabi-Dokument von 2019 zur Brüderlichkeit aller Menschen hin , das Papst Franziskus und Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb unterzeichneten. „Als glaubensbasierte Organisationen schließen wir uns vollständig dieser Botschaft der Geschwisterlichkeit und des Dialogs an“. (vn v. 3. 3.)

     

  • Die Enzyklika „Fratelli tutti“ über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft steht im Zentrum eines Web-Seminars, bei dem weibliche Führungspersönlichkeiten unterschiedlicher Religionen und Kulturen zu Wort kommen. Organisiert wurde das ökumenische und interreligiöse Seminar von der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO) anlässlich des internationalen Weltfrauentags am 8. März. Zwei Vatikangremien wirken dabei mit: der weibliche Beraterstab des päpstlichen Kulturrates und der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog. Neben einer Videobotschaft der ehemaligen UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die als weibliches Mitglied im „Hohen Komitee für die Brüderlichkeit unter den Menschen“ im islamisch-christlichen Dialog engagiert ist, sind Beiträge weiterer Vertreterinnen aus Christentum, Judentum und Islam, Buddhismus und Hinduismus vorgesehen. Das Wort ergreifen etwa die Soziologieprofessorin und Vatikanberaterin Consuelo Corradi, Leiterin des Frauenrates im Päpstlichen Kulturrat, sowie die muslimische Theologin Shahrzad Houshmand, die ebenfalls dort Mitglied ist. Auch sprechen die Präsidentin des Interreligiösen und Interkulturellen Komitees des Internationalen Rates der Jüdischen Frauen, Nadine Iarchy. Weitere Beiträge kommen von Elena Seishin Viviani von der Buddhistischen Union und Svamini Hamsananda Ghiri von der Hinduistischen Union in Italien. Grußworte sprechen Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident der Päpstlichen Kulturrates, und Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, Präfekt des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. „Wir sind dann im Jahr 2020 zu einer gemeinsamen Erklärung gekommen und haben festgestellt, dass es gemeinsame Punkte gibt, um menschliche Geschwisterlichkeit gemäß den vom Papst angegebenen Richtlinien durch Frauen in der Welt zu verwirklichen. In diesem Jahr 2021 hoffen wir, diesen Weg des Dialogs einen Schritt weiterzugehen und zu konkretisieren - es geht jetzt darum, von Erklärungen zu Fakten überzugehen“, sagt die Argentinierin Maria Lia Zervino, Präsidentin der WUCWO, im Interview mit Radio Vatikan. (vn v. 3. 3.)

     

  • Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer fordert eine Neuausrichtung der Priesterausbildung. Es brauche „einen anderen, postklerikalen Geist", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Portal katholisch.de. Angehende Priester müssten „aus ihrer persönlichen Komfortzone heraus“. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe es „durchaus bemerkenswerte Neuansätze" gegeben. Unter dem heutigen Papst ergäben sich neue Möglichkeiten, da Franziskus die Synodalität als gemeinsames Vorangehen aller Getauften propagiere. Bislang führe die Priesterausbildung häufig zu einem „Hineinsozialisieren in einen klerikalen Habitus, der längst als ein wesentlicher Grund des geistlichen Missbrauchs bis hin zu sexualisierter Gewalt identifiziert ist". In Priesterseminaren entstehe oft ein „verhängnisvoller klerikaler Korpsgeist". Es brauche jedoch individuelle Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, fordert der Pastoraltheologe. Zudem sollten „angehende Priester, Gemeinde- und Pastoralreferent*innen" nicht in „XXL-Seminaren" abgeschottet sein, sondern in dezentralen Wohngemeinschaften am ‚normalen' Studierendenleben" teilhaben. Prof. Bauer äußerte sich deshalb, weil eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ein Reformkonzept vorgelegt hat, wonach die Priesterausbildung nur noch an wenigen Standorten in Deutschland erfolgen soll. Dies stieß zum Teil auf heftige Kritik. (kna u. kap v. 2. 3.)

     

  • Der deutsche Ökumenische Kirchentag (ÖKT) 2021 wird anders als alle Kirchentage bisher. Ein Beispiel dafür ist „Schaut hin – Von der Krise zur Vision“, das Anfang März veröffentlichte gemeinsame Magazin der römisch-katholischen und evangelischen Kirche für den Religionsunterricht. Konkret arbeiteten hier das Dezernat Schule und Bildung im Bistum Limburg und das Religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) zusammen. Das Heft bietet für Schulen Unterrichtsmaterialien zu den zentralen Themen des ÖKTs an: von Glaube und Spiritualität über die Bewahrung der Schöpfung bis hin zu Wirtschaft. „Es ist so wichtig, dass gerade Kinder und Jugendliche erkennen können, dass Christ-Sein nicht bedeutet, weltfern zu sein“, schreiben in ihrem Geleitwort der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, sowie die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, und der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung. (vn [=Vatican News] v. 2. 3.)

     

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